«Hirn der Barbaren» gefasst
publiziert: Donnerstag, 23. Feb 2006 / 17:15 Uhr

Abidjan - Nach dem Foltermord an einem jüdischen Verkäufer in einer Pariser Vorstadt ist der mutmassliche Haupttäter in der Elfenbeinküste gefasst worden.

Die brutale Folterung und Ermordung hat in Frankreich Entsetzen ausgelöst.
Die brutale Folterung und Ermordung hat in Frankreich Entsetzen ausgelöst.
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Er sollte noch am selben Tag von der westafrikanischen Republik nach Frankreich abgeschoben werden. Nach Polizeiangaben legte der 25- Jährige ein Teilgeständnis ab. Von Seiten der ivorischen Beamten hiess es, er habe dabei jeden antisemitischen Hintergrund bestritten.

Gedenkfeier

Der Mann, der sich selbst «Hirn der Barbaren» nennt, war kurz vor Mitternacht bei einer Strassensperre im Nordwesten der Wirtschaftsmetropole Abidjan festgenommen worden. Der 25-Jährige stammt aus der Elfenbeinküste, hat aber einen französischen Pass.

Für heute Abend ist in der Pariser Sieges-Synagoge eine Gedenkfeier für das Opfer Ilan Halimi mit Präsident Jacques Chirac und Regierungschef Dominique de Villepin geplant. Auch Führer der muslimischen Gemeinde wollen an der Zeremonie teilnehmen.

Der 23-jährige Halimi war von einer arbeitsteilig organisierten Erpresserbande aus dem Einwanderermilieu drei Wochen lang in einer Sozialwohnung bei Paris gefangen gehalten und regelmässig gefoltert worden.

Gegen 13 Verdächtige, darunter drei Frauen, wurden Verfahren eingeleitet. Die Gruppe soll in sechs weitere Entführungen verwickelt sein.

In Falle gelockt

Halimi war am 21. Januar von einer jungen Frau in eine Falle gelockt und am 13. Februar sterbend bei einem Bahnhof nahe Paris gefunden worden. Die Täter hatten ihn nach Aussage eines Verdächtigen mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttet und angezündet, um eigene Genspuren zu verwischen.

Sie hatten Halimi ausgewählt, weil er Jude war und sie annahmen, von den «reichen Juden» 450 000 Euro erpressen zu können. Das Hauptmotiv der Täter war anscheinend auf das Lösegeld ausgerichtet. Ihr antisemitisches Weltbild, das Juden mit Geld gleichsetzt, löste in Frankreich breites Entsetzen aus.

(ht/sda)

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