Hisbollah verteilt Bargeld
publiziert: Montag, 21. Aug 2006 / 09:00 Uhr

Beirut - Den ganzen Vormittag haben Fatima Hassan und ihre beiden Söhne damit zugebracht, in den Trümmern ihres Hauses im Beiruter Stadtteil Rueiss nach Dokumenten zu suchen. Gefunden hat sie nur einen Bankauszug über ihre letzte Ratenzahlung für das Haus.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah gibt den Wohltäter.
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah gibt den Wohltäter.
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Mit diesem Papier in der Hand steht sie nun in einem Büro der schiitischen Hisbollah-Bewegung in der Nähe des Beiruter Flughafens. Hadsch Mustafa, der sich hier um die Hilfe für die obdachlos gewordenen Bewohner der südlichen Schiiten-Vororte kümmert, bietet der verzweifelten Frau erst einmal einen Stuhl an.

Dann geht alles ganz schnell und unbürokratisch. Er schaut auf den Bankauszug und holt 12 000 US-Dollar (14 800 Franken) in 100-Dollar-Scheinen aus einer schwarzen Aktentasche.

Fatima Hassan, die bei einem israelischen Luftangriff ihren Ehemann und ihre beiden Töchter verloren hat, nimmt das Geld. Dann ist die nächste Familie an der Reihe.

Dschumblatt: Geld kommt aus Teheran

Das Geld, dass die Hisbollah verteilt, soll reichen, um die notwendigsten Möbel und die Miete für ein Jahr zu finanzieren. So hatte es Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah den Familien versprochen, die während der Kampfhandlungen ihr Zuhause verloren haben.

«Die Hisbollah hat ein Programm für den Wiederaufbau, weil die Menschen ja schliesslich nicht auf der Strasse leben können», erklärt Hussein Hadsch Hassan, Abgeordneter der Hisbollah im libanesischen Parlament. Wo das Geld für die obdachlos gewordenen Familien und für den Wiederaufbau herkommt, sagt er nicht.

«Wir wissen, dass dieses Geld aus Iran kommt», erklärt dagegen Drusenführer Walid Dschumblatt, dessen Partei zur Mehrheitsfraktion im Parlament gehört: «Iran steckte hinter diesem Krieg, da ist es auch nicht erstaunlich, dass er die Menschen für die Zerstörung entschädigt, die dadurch angerichtet wurde.»

Er respektiere die Hisbollah als libanesische Widerstandsbewegung. Die Schiiten-Bewegung dürfe aber nicht im Libanon die Interessen ihrer Verbündeten Syrien oder Iran vertreten.

Regierung in Beirut will mithalten

Der libanesische Staat, der schon vor dem Krieg mit einem grossen Budgetloch zu kämpfen hatte, will angesichts der Hilfen der Hisbollah nicht hinten an stehen.

Am Sonntag hiess es deshalb, die Angehörigen sollten für jedes getötete Familienmitglied je nach Alter 6650 (8200 Franken) oder 13 350 US-Dollar (16 500 Franken) erhalten. Jeder Libanese, der durch seine im Krieg erlittenen Verletzungen berufsunfähig geworden ist, bekommt 10 000 Dollar (12 300 Franken).

Libanesische Beobachter glauben, dass sich die Regierung trotz leerer Kassen zu den Hilfszahlungen durchgerungen hat, um bei den Schiiten politisch nicht noch mehr Terrain an die Hisbollah abzugeben.

Denn obwohl der von Israel nach der Verschleppung von zwei israelischen Soldaten durch die Hisbollah begonnene Krieg Tod und Verwüstung über das Land gebracht hat, ist die Popularität der Bewegung zumindest bei den Schiiten, der grössten Religionsgruppe des Landes, ungebrochen.

(Von Weedah Hamzah, dpa/sda)

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