Höllenritt als Lebenselixier
publiziert: Montag, 15. Mai 2006 / 07:57 Uhr / aktualisiert: Montag, 15. Mai 2006 / 08:18 Uhr

Washington - Seine erste Achterbahnfahrt liegt schon lange zurück. Als Achtjähriger stieg Scott Heck aus Sheboygan im US-Staat Wisconsin mit einem mulmigen Gefühl in den Waggon einer Holzachterbahn.

Als der Zug losrollte, wollte der Amerikaner aus dem Fahrzeug springen, doch es war zu spät. Im Eiltempo raste das Gefährt den ersten Hügel hinunter - und Heck war begeistert. Für ihn war der Höllenritt der Beginn einer grossen Faszination.

«Das Achterbahnfahren gibt mir den Kick, den mir kein anderes Hobby geben kann», sagt Heck. Der heute 36-Jährige hat mittlerweile schon 300 der weltweit über 1900 Achterbahnen getestet - allein 100 im vergangenen Jahr.

Abschrecken lässt sich Heck dabei auch nicht von Filmen wie dem Horrorthriller «Final Destination 3», der derzeit in den Schweizer Kinos läuft und sich um eine Achterbahnfahrt mit tödlichem Ende dreht.

Heck ist Mitglied der Amerikanischen Achterbahn-Enthusiasten (ACE). Dieser nach eigenen Angaben weltweit grösste Achterbahn-Fanclub zählt etwa 8000 Mitglieder. «Weltweit gibt es insgesamt 40 bis 50 Fanclubs, wenn man die vielen Internetforen nicht mitzählt», sagt Achterbahn-Historiker Derek Shaw.

Von Freizeitpark zu Freizeitpark

Die Enthusiasten reisen in ihrem Urlaub rund um den Erdball auf der Suche nach neuen Abenteuern in Freizeitparks. So pilgerten 2002 rund 250 Amerikaner gemeinsam nach Europa, um in fünf Ländern die Achterbahnen zu testen. 100 Fanclub-Mitglieder flogen zudem nach Japan und sassen dort in 69 unterschiedlichen Achterbahnen.

Einige der Enthusiasten haben schon bis zu 800 Achterbahnen getestet. Doch nicht jede Fahrt ist ein pures Vergnügen. ACE-Mitglied Jonathan Hymes aus Ohio blickte dem Tod ins Auge, als während seiner Achterbahnfahrt der eiserne Haltegriff in seinem Waggon hochging.

Der heute 33-Jährige reagierte blitzschnell: Er zog die Stange wieder herunter - und rettete damit wohl sein Leben. «Das war der schrecklichste Moment, den ich je erlebt habe», sagt Hymes.

Tödlicher Zwischenfall

Mit dem Tod bezahlen musste 2003 ein Mann seine Achterbahnfahrt im Disneyland-Freizeitpark bei Anaheim (Kalifornien). Die Lokomotive des Achterbahnzugs war von den Gleisen abgekommen. Doch laut einer Studie liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 1,5 Milliarden, dass eine Achterbahnfahrt tödlich endet.

Die Konstrukteure wollen immer höher hinaus. Im Mai 2005 öffnete im «Six Flags»-Freizeitpark in Jackson (New Jersey) die grösste Achterbahn der Welt. Das Fahrgeschäft mit dem Namen «Kingda Ka» ragt 139 Meter hoch in den Himmel.

Der Achterbahnzug braust vom Gipfel mit einem Höllentempo von bis zu 206 Stundenkilometern herunter. Die Schreie der Passagiere sind schon aus der Ferne zu hören.

Das Leben als Achterbahnfahrt

Auch Scott Heck wird eine Fahrt immer in Erinnerung bleiben: Auf einer Achterbahn in Santa Claus (Indiana) schloss er den Bund fürs Leben. Der Standesbeamte trug passend zur verrückten Hochzeit in luftiger Höhe ein Elvis Presley-Kostüm.

Einige Jahre später trennten sich die Wege von Heck und seiner Frau allerdings, das Paar liess sich scheiden. Für Heck steht fest: «Manchmal gleicht auch das Leben einer Achterbahnfahrt.»

(Von Stefan Biestmann, dpa/sda)

 
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