Holland: Offenbar Politikermorde geplant
publiziert: Montag, 15. Nov 2004 / 12:05 Uhr

Den Haag - Die Spannungen zwischen Moslems und Christen in den Niederlanden haben weiter zugenommen. Wieder brannte eine Moschee. Im Hintergrund liefen die Ermittlungen gegen ein mutmassliches europäisches Islamisten-Netz weiter.

Jan Peter Balkenende besuchte am Wochenende eine Moschee in Eindhoven.
Jan Peter Balkenende besuchte am Wochenende eine Moschee in Eindhoven.
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Am Wochenende berichteten niederländische Medien, dass zwei mutmassliche Moslem-Extremisten den Mord an islamkritischen Abgeordneten geplant haben sollen, nämlich auf die Parlamentarierin Ayaan Hirsi Ali von der liberalen Partei VVD und den unabhängigen Abgeordneten Geert Wilders. Die Staatsanwaltschaft lehnte eine Stellungnahme ab.

Bei dem Attentat auf den Regisseur Theo van Gogh am 2. November durch einen mutmasslichen islamischen Fanatiker hatte der Täter einen Brief hinterlassen. Darin wurde die aus Somalia stammende Hirsi Ali wegen ihrer Koran-Kritik mit dem Tod bedroht.

Justizminister Piet Hein Donner sagte nur, die Festnahmen zeigten, dass die Justiz rechtzeitig zugreifen könne. Die beiden mutmasslichen Islamisten waren am Mittwoch - zusammen mit fünf weiteren Verdächtigen - in Den Haag verhaftet worden.

Auch der nach dem Anschlag auf Van Gogh festgenommene mutmassliche Attentäter, der als Mohammed B. bekannt geworden ist, hat sich laut Staatsanwaltschaft in diesen Kreisen bewegt.

Niederlande-Schweiz-Spanien

Zu der Organisation zählen die niederländischen Sicherheitsorgane auch den in der Schweiz in Untersuchungshaft sitzenden Mohamed Achraf. Dieser soll nach Angaben spanischer Ermittler sogar ihr Anführer sein und die Gruppe in den Niederlanden finanziert haben.

Direkte Verbindungen zwischen Achraf und Mohamed B. - wie in spanischen Medien kolportiert - wollte der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón am Freitag nicht dementieren. Allerdings gebe es dafür noch keine Beweise, schränkte er ein.

Die niederländischen Ermittler rechnen der Gruppe auch einen in Spanien im Oktober verhafteten Marokkaner zu. Er soll an den Anschlägen in Casablanca vom Mai 2003 mit 45 Toten beteiligt gewesen sein. Daneben fahnden die Niederländer nach einem Syrer, der im Oktober 2003 festgenommen und nach Deutschland ausgewiesen worden war.

Brandschatzer gegen Moslems

Am Samstag brannte in den Niederlande erneut eine Moschee. Das Gotteshaus in Helden wurde im Innern zerstört. Sprecher der islamischen Gemeinde vermuteten Brandstiftung als Ursache. Seit dem Tod Van Goghs wurden in den Niederlanden mehrere Moscheen und Koranschulen angezündet. Auch christliche Kirchen brannten.

Regierung bricht Schweigen

Nach zweiwöchigem Schweigen entschloss sich die niederländische Regierung zu einem Aufruf, um die Gemüter zu beruhigen. Regierungschef Jan Peter Balkenende besuchte am Sonntag die Fatih-Moschee in Eindhoven.

Er wohnte dort den Abschlussfeiern für den islamischen Fastenmonat Ramadan bei. Der Christdemokrat rief Moslems und andere gesellschaftliche Gruppen zum Dialog auf. Am Freitag hatte Königin Beatrix ein Zeichen gegen die Gewalt gesetzt. Sie traf sich in Amsterdam mit jungen Marrokanern und rief dabei das Prinzip der Gleichheit zwischen den Einwohnern des Landes in Erinnerung.

(fest/sda)

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