Holzkristall
publiziert: Mittwoch, 24. Nov 2010 / 10:41 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 24. Nov 2010 / 11:32 Uhr

Am Rande Lumbreins errichteten Hurst Song Architekten einen Zweitwohnsitz, der durch seine polygonale Form an einen Kristall erinnert. Im Innern verblüfft die konsequente Reduktion auf die Materialien.

Wie ein grosser, kompakter Stein liegt das Haus in der saftigen Magerwiese. Es ist nicht einfach ein Ferienhaus, sondern eine eigentliche Zweitresidenz. Die Bauherrin wünschte sich ein Domizil, das flexibel in der Nutzung ist: Einerseits sollte es zwar grosszügig wirken, aber gleichzeitig nicht zu weitläufig sein, damit es sich heimelig genug anfühlt an jenen Tagen, an denen sie sich alleine darin aufhält. Andererseits muss es genügend Platz bieten für Besuch. Und dieser bringt je nach Gast andere Ansprüche mit sich: Kommen ihre acht Enkel, braucht es eine unkomplizierte, massenschlagartige Lösung. Falls sie aber Freunde in ihrem Alter empfängt, möchte sie einen gediegenen Raum mit genügend Privatsphäre bieten können.

Die Wahl des Orts für dieses alpine Refugium fiel auf die kleine Bündner Gemeinde Lumbrein, die vom Tourismus kaum berührt ist und daher viel Authentizität bewahrt hat. Das Grundstück befindet sich an einem Südhang am Rand des Dorfs und ist über die neue Gemeindestrasse, die unterhalb der Parzelle eine scharfe Kurve zieht, erreichbar. Ein knapper Einschnitt in die Böschung ermöglicht die Zufahrt zur Garage und gewährt über das Untergeschoss den direkten Zugang von der Strasse ins Haus – auch bei viel Schnee. Weiter führt ein unauffälliger Gehweg aus Granit und Geröll von der Strasse zum Haupteingang im Erdgeschoss.

Die Autoren, Hurst Song Architekten, haben besonderen Wert darauf gelegt, dass sich das Haus gut ins Landschaftsbild einfügt: Es sollte ein kompakter Bau werden, ähnlich der bestehenden Häuser im Lugnez. Wie es die Tradition und das Baugesetz vorsehen, sind alle Dachfirste zum Tal hin orientiert. Den darunterliegenden Gebäudekörper versetzten die Architekten allerdings leicht, um den Ausblick auf die Berge und übers Val Lumnezia, wie das Tal auf Rätoromanisch heisst, zu optimieren. «Durch diese Verdrehung erhält der Bau eine polygonale Form und weckt so die Assoziation mit einem Bergkristall. Um diese Wirkung zu verstärken, wurde auf ein Vordach verzichtet», erklärt uns Alex Hurst. Die schwarze Fassade ist eine Reverenz an die alten Holzhäuser im Dorf, die über die Jahrzehnte ganz dunkel geworden sind. Nach einer Weile wird auch das Kupferdach schwarz werden, was den monolithischen Eindruck des Baus noch einmal intensivieren wird.

Kompakte, funktionale Innenräume

Das Haus gliedert sich in drei Ebenen: Ein Eingangs-, ein Wohn- sowie ein Schlafgeschoss. Ins unterste Stockwerk gelangt man direkt durch den Aufgang der Garage. Hier befinden sich Skiraum und Ablageflächen für Wanderschuhe, Jacken und andere Utensilien, die gut verstaut sein möchten. Auf derselben Ebene ist ein Zimmer untergebracht, das vielseitig nutzbar ist. Die drei Doppelbetten können nämlich von der Wand heruntergeklappt werden, was eine massentaugliche Unterkunft ermöglicht. Zusätzlich könnte das Zimmer aber auch als Therapie- oder weiterer grösserer Aufenthaltsraum genutzt werden – ein ausdrücklicher Wunsch der Bauherrin.

Eine Etage weiter oben befinden sich die Koch- mit Esszone sowie der Wohnbereich. Das Geschoss ist als offener Raum konzipiert, der als Rundgang begehbar ist. Trotzdem trennen die Wände, die den Treppenaufgang umschliessen, klar den Essbereich vom Wohnzimmer. Die beiden Teile vermitteln auch ein völlig unterschiedliches Raumgefühl und sind gegensätzlich ausgerichtet. Von der Esszone mit der schwarzen MDF-Küche, eigens für das Ferienhaus errichtet, schaut man quasi auf den Hang hinaus. Ein Aussensitzplatz vor der Küche stellt einen engen Bezug zur Alpenwiese her – dort speist man sozusagen im Angesicht der Kühe. Vom Wohnzimmer aus führt der Blick hingegen aufs Bergpanorama und in die Weite des Tals.

Im Dachgeschoss befinden sich zwei geräumige Schlafzimmer. Die beiden Suiten, wie die Architekten die beiden Hauptschlafzimmer nennen, verfügen beide über ein eigenes Bad mit Dusche. Zudem wurde in einer Nische je ein fixer Schreibtisch mit Anschluss für Internet und Computer eingefügt. Die Zimmer orientieren sich leicht diagonal zum Grundriss, das heisst der Kniestock ist wie das Dach leicht verdreht, was dem Raum seine konische Grundform gibt und die Zimmerhöhe bei der Dachschräge auf angenehme 140 Zentimeter hält.

Holz trifft auf Beton

Eine unglaubliche Wirkung hat der konsequente Einsatz zweier Materialien: Beton und Fichtenholz. Im gesamten Innern des Hauses kommen nur diese beiden Konstruktionsmaterialien vor. Konkret bedeutet das, dass im untersten Geschoss Beton vorherrscht, im mittleren die beiden Materialien ziemlich ausgewogen aufeinandertreffen und im obersten Stockwerk Holz überwiegt. Das ergibt auch Sinn, denn in den Schlafzimmern, wo man sich auch gerne mal barfuss aufhält, fühlen sich warme Materialien wohnlicher an. Überhaupt wurde in diesen Zimmern die Reduktion der Materialien auf die Spitze getrieben – sie wirken wie heimelige Holzhöhlen. Die Decken der Schlafzimmer sind nicht etwa eine Verkleidung, wie das üblicherweise bei Täferungen der Fall ist, sondern sie sind die eigentliche Dachkonstruktion. Der Boden besteht aus denselben Holzbrettern, die auch für die Decke eingesetzt wurden. Und daraus sind auch alle weiteren Möbel gefertigt wie Sideboards, Regale, Einbauschränke oder Stauraummöbel, die spezifisch für dieses Haus entworfen wurden. «Fichtenholz eignet sich hervorragend für ein solches Haus, denn es hat besonders viele Astzeichnungen, was dem Holz Lebendigkeit und Authentizität verleiht», sagt Architekt Alex Hurst. Im belebten Wohnzimmer dagegen, das man auch mal schnell mit Strassenschuhen betritt, besteht der Boden aus praktischem Hartbeton.

Das Haus ist im Minergie-P-Standard erbaut. Dies wurde mittels Wärmepumpe und besonders guter Dämmung erreicht. Das Dämmmaterial besteht aus Cellulose, das umweltschonend aus Altpapier gewonnen wurde. Besonders in diesem Haus, das regelmässig auch während zweier Wochen gar nicht bewohnt ist, dann aber wieder einige Tage am Stück, ist es sinnvoll, wenn die Heizung nicht immer ganz nach unten gefahren und wieder aufgedreht werden muss. Der Specksteinofen vermag zudem die beiden oberen Geschosse schnell zu wärmen.

Credo der Reduktion

Nicht nur der Einsatz der Materialien ist auf ein Minimum reduziert, auch die Einrichtung ist enorm zurückhaltend. Einige wenige Designermöbel wie die Liege von Le Corbusier oder ein Jasper-Morrison- Sofa fügen sich dezent in den Raum ein. Ein prominent platzierter Flügel lässt auf ein Hobby oder eine Leidenschaft der Bauherrin schliessen. Man stellt sich vor, wie eine Schar von Enkelkindern der Grossmutter beim Spielen lauscht, vielleicht dazu mitsingt. Dieses Haus füllen vor allem Menschen und ihre Stimmen.

(Nina Huber/Wohnrevue)

3D-grundrisse.ch - Professionelle und günstige Visualisierungen für Ihre ...
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Den Besuchern wurden neben den Ausstellungen auch Ateliers, Erzählungen und Kalligraphie-Kurse geboten.
Den Besuchern wurden neben den ...
In La Chaux-de-Fonds  La Chaux-de-Fonds - Das Museum für Kulturen des Islam in La Chaux-de-Fonds NE ist am Wochenende eröffnet worden. Den Besuchern wurden neben den Ausstellungen auch zahlreiche Treffen, Ateliers, Erzählungen, Kalligraphie-Kurse und Tanzvorführungen geboten. mehr lesen 
Eröffnung in Venedig  Venedig - Mit einem Goldenen Löwen für Spanien ist am Samstag in Venedig die 15. Architektur-Biennale eröffnet worden. Die Jury zeichnete den ... mehr lesen  
Die internationale Ausstellung wurde in diesem Jahr von dem chilenischen Architekten Alejandro Aravena kuratiert.
«Incidental Space»  Bern/Venedig - Bundesrat Alain Berset eröffnet morgen Freitag in den Giardini den Schweizer Pavillon auf ... mehr lesen  
Aufruf an Bürger und Firmen  Rom - Die Stadt Rom hat einen Spendenaufruf über 500 Millionen Euro für den Erhalt ihrer Kulturgüter gestartet. Firmen und Bürger sollten ... mehr lesen  
Das Forum Romanum.
Titel Forum Teaser
  • Pacino aus Brittnau 731
    Und noch ein Pionier . . . . . . ach hätten wir doch bloss für jeden hundertsten Juristen einen ... Fr, 24.06.16 09:54
  • jorian aus Dulliken 1754
    SRG: Eishockey & und der ESC Wer am Leutschenbach nicht gehorcht, muss den ESC oder die Eishockey WM ... Fr, 13.05.16 05:44
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Die... Entscheidung von A. Merkel ist völlig richtig: -Sie ist juristisch ... So, 17.04.16 14:13
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Komiker... Böhmermann wird vermurlich, damit die Türkei-Deal-Marionetten in Berlin ... Di, 12.04.16 13:37
  • Bogoljubow aus Zug 350
    Sind Sie sicher dass es nicht Erdowann oder gar Erdowahn heisst? So, 03.04.16 10:47
  • HeinrichFrei aus Zürich 431
    Zürich: von «Dada» zu «Gaga» Die «Dada» Veranstaltungen in Zürich zeigen, dass «Dada» heute eher zu ... Mo, 15.02.16 22:51
  • Midas aus Dubai 3810
    Finde den Unterschied Ah ja, wieder der böse Kapitalismus. Wie gesagt, haben Sie ein besseres ... Mo, 01.02.16 02:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Schöner kann man's nicht erklären «Es handelt sich hier um ausserordentlich sensible Figuren. Da ist zum ... So, 31.01.16 16:48
art-tv.ch Gotthard. Ab durch den Berg Das Forum Schweizer Geschichte in Schwyz zeigt die Tunnelbauten ...
Niconé.
Felix Steinbild
news.ch hört sich jede Woche für Sie die interessantesten neuen CDs an und stellt sie Ihnen hier ausführlich vor.
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 10°C 15°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wolkig, aber kaum Regen
Basel 12°C 16°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 11°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
Bern 11°C 14°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wolkig, aber kaum Regen
Luzern 12°C 17°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wolkig, aber kaum Regen
Genf 12°C 16°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 14°C 15°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen anhaltender Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten