Horrorsturz: Daniel Albrecht im künstlichen Koma
publiziert: Donnerstag, 22. Jan 2009 / 12:21 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 22. Jan 2009 / 18:51 Uhr

Kombinationsweltmeister Daniel Albrecht erlitt bei einem furchterregenden Sturz beim Zielsprung von Kitzbühel ein Schädel-/Gehirntrauma. Er liegt zur Überwachung in der neurochirurgischen Abteilung des Universitätsspitals Innsbruck.

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Der Walliser, der 2008 auf der Streif sein Debüt gegeben hatte, geriet im Abschlusstraining an der schnellsten Stelle des Hahnenkamms nach der Kompression in Rücklage, flog nach dem Sprung rund 70 m durch die Luft und landete, sich rückwärts drehend, auf Kopf und Rücken. Kurz vorher war für ihn eine Geschwindigkeit von 138,2 km/h gemessen worden.

Albrecht blieb bewusstlos liegen und war gemäss Teamchef Martin Rufener nicht ansprechbar. Nach der Erstversorgung wurde er ins Spital von St. Johann geflogen, wo er kurz aufwachte und danach in ein künstliches Koma versetzt wurde.

Bei einer ersten Untersuchung wurden gemäss Communiqué von Rennarzt Dr. Helmuth Obermoser ein Schädel- und Gehirntrauma, eine Gehirnblutung (in der Fachsprache: Subarachnoidalblutung) und eine Lungenkontusion (Quetschung) festgestellt, jedoch keine Frakturen. Sein Zustand wird von den Ärzten als stabil bezeichnet.

Keine unmittelbare Lebensgefahr

Danach wurde Albrecht mit dem Helikopter von St. Johann für weitere medizinische Untersuchungen in die neurochirurgische Abteilung des Universitätsspitals Innsbruck geflogen. Laut dem Rennarzt Dr. Obermoser wird abgeklärt, wie gross die Gehirnblutung ist. Das sei neben der Entwicklung des Gehirndruckes ein entscheidender Faktor. «Wie es aussieht, ist es aber nicht dramatisch», erklärte Dr. Obermoser.

Zurückhaltender mit Diagnosen und Prognosen sind der Schweizer Teamarzt Dr. Jacques Menetrey, der sich zum Communiqué von Rennarzt Obermoser nicht äussern wollte, wie auch Dr. Wolfgang Koller als Sprecher der Neurochirurgie Innsbruck, der den Ausdruck «schwerstverletzt» verwendete: «Eine unmittelbare Lebensgefahr besteht nicht. Aber vom Verletzungsmuster her liegen noch alle Möglichkeiten drin - bis zur vollständigen Gesundung.» Genauere Angaben können zurzeit nicht gemacht werden. Inzwischen sind auch die Eltern von Daniel Albrecht in Innsbruck eingetroffen, für die Rufener einen Helikopter-Flug aus dem Wallis organisiert hatte.

An der gleichen Stelle wie Albrecht waren früher der österreichische Abfahrtsspezialist Andreas Schifferer und im letzten Jahr der Amerikaner Scott Macartney gestürzt. Beide hatten eine ähnliche Verletzung erlitten. Macartney war dann für den Rest der Saison ausgefallen. Er fährt inzwischen wieder Weltcup, muss aber das Hahnenkamm-Rennen auslassen, nachdem er sich vor einer Woche in Wengen beim Russi-Sprung eine Knieverletzung zugezogen hatte.

Cuche: Disput mit Zielsprung-Chef

Nach dem Sturz von Macartney hatten die Fahrer, insbesondere Bode Miller, eine Korrektur dieses künstlich präparierten Zielsprungs gefordert. Diese ist denn auch vorgenommen worden, wurde aber von den Athleten unterschiedlich beurteilt. Vor allem Didier Cuche hatte offenbar geahnt, dass diese Stelle problematisch werden könnte: «Ich habe bei der Besichtigung in vollem Tempo zwei Meter vor dem Sprung gebremst, die Ski quergestellt und so versucht, die Kante etwas abzutragen, worauf mich der dortige Abschnittchef wüst beschimpft hat.»

«Ich will keine Polemik», hält Cuche fest, «aber ich finde es nicht gut, wenn dort künstlich eine Schanze gebaut wird. Selbst wenn diese perfekt gemacht ist, ist die Passage noch giftig genug.» Cuche (Nr. 19) hatte sich die Fahrt von Albrecht (Nr. 5) am Fernsehen angeschaut, um sich ein Bild vom Zustand der Piste zu machen: «Wenn ich Dani zuschaue, weiss ich, was es verträgt. Als technisch ausgezeichneter Fahrer liefert er mir die notwendigen Informationen.» Cuche vermutet, dass Albrecht nach der Kompression aus der Rücklage nicht mehr rechtzeitig hochkam, um kontrolliert zum Sprung anzusetzen. Cuche selber «drückte» danach die Kante und hob kaum ab.

«Wenn man diesen Sprung ´erwischt´, ist er kein Problem», sagt Ambrosi Hoffmann. «Aber weil bei der Anfahrt etwa 20 Zentimeter ausgehoben wurden, hat es den Effekt eines Trampolins und nicht wie ein Schanzentisch». Albrecht hatte, Oberluft bekommend, keine Chance, sich zu retten.

Nach den Diskussionen in Wengen um die Korrektur des Zielsprungs (und des Hundschopfs) bekommen damit jene Stimmen wieder Gewicht, die alle auch subjektiven Gefahrenherde aus Abfahrtspisten eliminieren wollen. Sogar einer wie Altmeister Karl Schranz meinte: «Jetzt wäre es an der Zeit, mit den Sprüngen vor dem Ziel, wo die Fahrer schon müde sind, endgültig aufzuhören.»

(bert/Si)

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Gemäss Norbert Mutz gibt es zur Zeit keinen Grund, besonders besorgt zu sein.
sicher
natürlich wünsche ich Daniel Albrecht auch gute Besserung, mich hat es einfach gestört, dass nach einem solchen Horrorsturz das Training nicht ganz abgebrochenn und die Situation nicht genauer analyisiert wurde.. natürlich gehört ein Restrisiko dazu und wenn man das irgendwie vermeiden kann, wäre es doch super wenn man das vorher macht
Eigenes Risiko
Es tut mir sehr leid, was mit Daniel Albrecht passiert ist!!
Jedoch muss ich betonen, dass jeder Fahrer (Profi) das Risiko dieser Abfahrt selber beurteilen kann und dementsprechend nicht starten muss.
Warum sollten die Organisatoren zur Verantwortung gezogen werden? Wie erwähnt wurden bereits Massnahmen getroffen, um dieser heikle Passage zu entschärfen. Diese Sportart ist nun mal mit einem Restrisiko behaftet, dies ist sich jeder Fahrer bewusst.
und weiter gehts...
Wie dem Artikel zu entnehmen ist wurde der Sprung entschärft und aus schanze makiert also ist es nicht so das alle beim alten bleibt unde weiter gemacht wird.
Sport in dieser art und auch in anderen formen ist nicht ohne Risiko das ist leider so und wird auch immer so bleiben.

Auf jeden fall gute Besserung an Daniel Albrecht möge er bald wieder fit sein
und weiter gehts
Finde ich schon ein bisschen bedenklich.. wenn 2 Leute an der gleichen Stelle schwer stürzen und dann einfach weiter machen wie wenn nichts gewesen wäre :-( aber eben auch im Skisport geht es primär ums Geld und da spielt ein Menschenleben leider nur noch eine untergeordnete Rolle..

Man sollte die Verwantwortlichen nach 2 solchen Vorfällen, die ja offensichtlch infolge eines schwierigen Teilstückes aufgetreten sind, vor Gericht stellen und schwer bestrafen.. und aus dem Verband werfen
.
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