Hotellerie wartet auf den Sommer - Gäste bleiben aus
publiziert: Freitag, 9. Jul 2004 / 09:54 Uhr / aktualisiert: Freitag, 9. Jul 2004 / 11:48 Uhr

Bern - Eigentlich dürfte sich der Schweizer Tourismus auf eine gute Saison freuen: Der Wirtschaftsmotor läuft, die Konsumfreudigkeit wächst. Doch das Schicksal der Ferienregionen liegt in Petrus' Händen. Die Folge sind kurzfristige Buchungen.

Wenn das Wetter schlecht ist, nutzt die beste Konjunktur nichts.
Wenn das Wetter schlecht ist, nutzt die beste Konjunktur nichts.
3 Meldungen im Zusammenhang
Die Ökonomen der BAK Basel sagten für diesen Sommer zwar eine deutliche Erholung des Tourismusgeschäfts voraus - dank dem Zuwachs von Übersee-Gästen. Doch genau hier liegt das Problem vieler Schweizer Tourismusregionen.

Die Schweizer Feriengebiete wie Graubünden, Berner Oberland, Tessin oder Wallis leben von Individualreisenden. Diese kommen grösstenteils aus der Schweiz und Deutschland und buchen - gutes Wetter vorausgesetzt - immer kurzfristiger. Doch von einem wettermässigen Luxussommer wie 2003 sind wir noch weit entfernt.

Daher geben sich die Verantwortlichen der Bergregionen in ihren Buchungs-Prognosen auch äusserst zurückhaltend, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda zeigt.

Vorjahresergebnis kaum in Reichweite

Das Berner Oberland denkt mit Wehmut an den heissen Sommer 2003 zurück, als die Menschen in Scharen Abkühlung in der Bergwelt suchten. Kommt nicht noch eine ausgedehnte Schönwetterperiode, dürfte das Vorjahresergebnis nicht erreicht werden, wie Roger Seifritz, Direktor von Berner Oberland Tourismus, erklärt.

Laut Seifritz werden speziell jene Destinationen das Nachsehen haben, die einen hohen Individualanteil aufweisen und daher bei gutem Wetter kurzfristig gebucht werden. Besser sieht es für die Jungfrau-Region aus, die vor allem von frühzeitig gebuchten Gruppenreisenden angepeilt wird.

Allein in Gstaad Saanenland beträgt der Anteil der Individualreisenden rund 70 Prozent, jener der Übersee-Gäste liegt deutlich unter 5 Prozent, wie Eduardo Zwyssig, Marketing-Leiter von Gstaad Saanenland Tourismus erklärt.

Problem für Hoteliers

Hier spüren die Hoteliers vor allem die spontanen Buchungen. "Diese Kurzfristigkeit kann sich zu einem Managementproblem für die Hoteliers entwickeln", sagt Zwyssig. Ein Hotelier kann zu Monatsbeginn vor einer leeren Buchungsliste stehen und hat keine Ahnung, wieviele Gäste letztlich kommen werden.

Dieses Problem kennt Sandrine Wenger, Marketing-Verantwortliche von Chablais Tourismus, ebenfalls: "Die Gäste entscheiden sich im letzten Augenblick." Der Garant für eine erfolgreiche Saison ist auch in den Walliser Alpen gutes Wetter.

"Durchschnittlich reservieren die Gäste für maximal zwei bis drei Tage und verlängern, wenn das Wetter schön ist", weiss Patrick Meisseiller, Direktor bei Verbier Tourismus. Rund 50 Prozent der Feriengäste kommen aus der Schweiz.

Kaum Übersee-Gäste

Mit kurzfristigen Schönwetter-Buchungen muss auch das Bündnerland rechnen, wie Gieri Spescha, Sprecher der Graubünden Ferien, sagt. Vom Übersee-Aufschwung wird der Steinbock-Kanton ebenfalls kaum profitieren können: 80 Prozent der Feriengäste kommen aus der Deutschschweiz und Deutschland. Trotzdem schätzt Spescha die Auslastung für diesen Sommer gut bis mässig ein.

Viel schönes Wetter erhofft sich denn auch die Sonnenstube der Schweiz. Auch hier belegen - trotz leichter Abnahme - Deutsche und Deutschschweizer den ersten Platz, wie Michela Fiscalini von Tessin Tourismus erklärt. Gefragt seien wohl auch vermehrt Billig-Destinationen wie Kroatien.

Äusserst optimistisch für die kommenden Sommermonate zeigt sich Marco Sorgesa vom Tourismusbüro Lugano - trotz der vielen kurzfristigen Buchungen. Anzutreffen seien vor allem Russen und Asiaten. "Offenbar haben auch viele reiche Araber neben Genf auch Lugano entdeckt", vermutet Sorgesa.

Die Calvin-Stadt profitiert derweil vorwiegend von asiatischen Touristen, bestätigt Beat Dreier, Vizedirektor und Marketingverantworlicher von Genf Tourismus.

Dank einem ausgeglichenen Gästemix darf die Region Luzern-Zentralschweiz etwas gelassener in die Zukunft blicken. "Die stärkere Nachfrage aus Amerika und Asien lässt hoffen, dass sich der positive Trend in den kommenden Sommermonaten fortsetzt", sagt Mario Lütolf, Direktor Luzern Tourismus. Das "Gästeportfolio" setzt sich zu je rund 25 Prozent aus Asien, Amerika, Europa und der Schweiz zusammen.

(Dagmar Zumstein/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Schäden in der Höhe von 6 ... mehr lesen
Die Hagelkörner zerstörten viel Wein und Gemüse. (Archiv)
Bern - Vom Genfer- bis zum Bodensee hat es heftige Gewitter mit Hagel gegeben. Etliche Keller wurden überschwemmt. Im Kanton Bern verursachten umstürzende Bäume einen Stromausfall. Der Hagelschaden beträgt mehrere Millionen Franken. mehr lesen 
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 10°C 16°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Basel 12°C 17°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 10°C 14°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Bern 11°C 16°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 12°C 17°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft trüb und nass
Genf 11°C 16°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 12°C 24°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft bedeckt mit Gewittern
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten