Howard wieder mit richtigem Riecher
publiziert: Sonntag, 10. Okt 2004 / 22:13 Uhr

Sydney/Singapur - Australiens Regierungschef John Howard hatte wieder einmal den richtigen Riecher. Bei der vorangegangenen Parlamentswahl 2001 konnte er mit einer harten Asylpolitik seiner konservativen Koalition den Sieg sichern.

Den Australiern ist Howard ein bekanntes Gesicht. (Bild: John Howard und seine Frau)
Den Australiern ist Howard ein bekanntes Gesicht. (Bild: John Howard und seine Frau)
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Diesmal setzte der 65-Jährige auf die Befürchtungen seiner hoch verschuldeten Landsleute, eine Labor-Regierung werde nur höhere Zinsen bringen und womöglich die boomende Wirtschaft abwürgen.

Für einen weiteren Trumpf sorgte die Labor-Opposition indes selbst: Mit dem 43-jährigen Mark Latham schickte sie einen Kandidaten ins Rennen, der es mit der jahrzehntelangen politischen Erfahrung Howards schlicht nicht aufnehmen konnte.

Streitpunkt Irak-Krieg

"Howard ist seit 30 Jahren bekannt. Die Leute wählen lieber einen Teufel, den sie kennen", brachte es Labor-Generalsekretär Tim Gartrell auf den Punkt.

Zwar war die Entscheidung des liberal- nationalen Regierungsbündnisses für eine Teilnahme am Irak-Krieg unter den Australiern höchst umstritten, doch spielten weder das enge Verhältnis Howards zu den USA noch Sicherheitsthemen oder Terrorismus eine allzu grosse Rolle bei der Abstimmung.

Die amtierende Regierung konnte punkten, weil sie sich den Wählern als Garant niedriger Zinsen und des Wirtschaftsaufschwungs anpries.

Wirtschaft als Wahlhelfer

Die blanken Zahlen stellten der Wirtschaftspolitik in der Tat ein gutes Zeugnis aus: Das Bruttoinlandsprodukt legt seit 13 Jahren ständig zu, für 2004 wird ein Wachstum von 4 Prozent erwartet. Die Arbeitslosigkeit ist mit 5,7 Prozent so niedrig wie seit den 70er Jahren nicht mehr, der Staatshaushalt ist im Plus.

Angetrieben wird die Konjunktur von den weit geöffneten Brieftaschen der Australier. Angesichts satter Kapitalgewinne im boomenden Immobilienmarkt nahmen Besitzer massiv Kredite auf; jedem verdienten 100 Dollar stehen im Durchschnitt pro Haushalt 130 Dollar Schulden gegenüber.

"Die Australier fühlen sich wegen ihrer hohen Schulden und Hypotheken derart unsicher, dass sie keine vermeintlichen Risiken tolerieren können", schreibt die Zeitung "Sydney Morning Herald" in einem Kommentar. "Sie sind so auf ihre Hypotheken fixiert, dass sie sich vom Irak und den Folgen für Australien abwenden."

Kronprinz schon gefunden

Ob Howard tatsächlich bis 2007 Ministerpräsident des Inselkontinents bleibt, ist indes offen. Australische Beobachter halten es für durchaus möglich, dass er die Regierungsgeschäfte vorzeitig abgibt.

Ein möglicher Kronprinz ist schon gefunden: Finanzminister Peter Costello. "Eine Option ist, dass Howard ein Jahr im Amt bleibt und es dann an Costello weitergibt", sagt der Direktor der privaten Denkfabrik Sydney Institute, Gerard Henderson.

(bert/sda)

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