Huggels Rache auf CNN
publiziert: Donnerstag, 17. Nov 2005 / 18:26 Uhr / aktualisiert: Freitag, 18. Nov 2005 / 08:59 Uhr

Gross ums Feiern war den Schweizern nach der erfolgreichen WM-Qualifikation nicht. An der Hotelbar stiessen die Spieler von Köbi Kuhn auf den Erfolg an; am Tag danach studierten sie kopfschüttelnd die Bilder und Kommentare in den Zeitungen.

Benjamin Huggel, Marco Streller und Philipp Degen stossen zusammen auf den Sieg an.
Benjamin Huggel, Marco Streller und Philipp Degen stossen zusammen auf den Sieg an.
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Benjamin Huggel waren die Strapazen des vortäglichen Kampfs noch immer ins Gesicht geschrieben, als der Swiss Airbus A340 am frühen Donnerstagnachmittag in den wolkenverhangenen Istanbuler Himmel abhob.

Seine Tätlichkeit gegen den türkischen Assistenzcoach und sein Rempler gegen Alpay waren auf CNN um die Welt gegangen - es waren die einzigen Bilder der Tumulte, die sich im Sükrü Saraçoglu nach Spielschluss abgespielt hatten. «Er hatte vorher auf gleiche Weise Barnetta getreten, ich habe ihn gerächt», erklärte Huggel.

Die Zornesröte war auf seiner Stirn noch intensiver; die Spuren von Alpays Tritte, die er hernach am Boden liegend einstecken musste, hatten Spuren hinterlassen. «Jetzt werde ich wohl 100 Jahre gesperrt», ärgerte sich Huggel - auch über sich selbst.

Grichting mit Katheder

Valon Behrami wurde ebenfalls von einem türkischen Funktionär beim Spurt in den Spielereingang ein Bein gestellt. Später setzte es auch für Lustrinelli und Marco Streller Fusstritte ins Gesäss von türkischen Teammitgliedern ab. Ein Katheder wird Stéphane Grichting noch rund zehn Tage an den äusserst schmerzhaften Tritt eines Ordner in seinen Unterleib erinnern.

In der Sitzreihe hinter Huggel ereiferte sich sein früherer Klubkollege im FC Basel, Philipp Degen, der von einem «Skandal» sprach. Er hatte nach seiner Auswechslung zur Pause die zweite Halbzeit wie Ludovic Magnin im Spielergang bei der ARD mitverfolgt. «Ich war in der ersten Hälfte von einem Feuerzeug getroffen worden», sagte Degen.

Überhaupt flogen die Plastikfahnenstangen, die vor dem Spiel zu Zehntausenden im Stadion verteilt worden waren, permanent aufs Feld wie auch Batterien und Münzen. «Wenn ich alles Geld im Strafraum gesammelt hätte, wäre ich vermutlich Millionär geworden», sagte Degen.

Scharmützel in der Pause

Die Scharmützel zwischen den Spielern der beiden Lagern waren schon zur Pause losgegangen. «Emre versetzte mir einen Tritt ins Bein, als es niemand gesehen hatte», erklärte Barnetta, der die Tätlichkeiten und Provokationen trotz seiner erst 20 Jahre erstaunlich gelassen über sich hatte ergehen lassen. Der St. Galler war auch nach der Partie der erste Schweizer im Spielergang, wo er von einer Serie Tritte der Ordner empfangen wurde.

Einzig die Gebrüder Altintop und Nuri Sahin, alle drei in Deutschland aufgewachsen, bewahrten auch in der Niederlage die Contenance auf türkischer Seite und verhinderten weitere Übergriffe.

Trainer Fatih Terim, schon während des Spiels lautstarker Antreiber an allen Fronten und teils weit innerhalb des Spielfelds, hielt seine Spieler laut Aussagen der Schweizer gar an, nicht in die eigene Garderobe nach links zu gehen, sondern den Schweizern nachzustellen. Selbst wurde der aufgebrachte Terim erst vor der Garderobentür der Schweizer gestoppt.

Kamerateams bedroht

Ausländische Kamerateams, welche die wüsten Szenen in den Garderobengängen hatten festhalten wollen, wurden mit Gewalt oder zumindest Gewaltandrohung daran gehindert.

Schon direkt nach Schlusspfiff hatten die Ordner einen Vorhang gebildet, damit der Spielereingang nicht einsehbar ist. Einem Tessiner Journalisten wurde gar beinahe die Kamera aus der Hand gerissen.

Schweizer Fans mit Farbe beworfen

Auch die rund 600 mitgereisten Schweizer Fans wurden in ihrem Sektor in einer Ecke des Stadions fast permanent mit Schmährufen und zweckentfremdeten Wurfgegenständen eingedeckt. Immerhin waren sie dank massiver Polizeipräsenz vor eigentlichen Übergriffen sicher.

Die rund 200 Sicherheitskräfte, die eine dreireihige Wand zwischen den beiden Fanlagern bildeten, sammelten eifrig die zahlreiche geworfenen Münzen ein. Bleibende Andenken an den Ausflug an den Bosporus nahmen jedoch einige gleichwohl zurück in die Heimat. Unter den Wurfobjekten waren unter anderem auch ein Wasserrohr und ein Eimer mit weisser Farbe einer nahe gelegenen Baustelle.

(bert/Si)

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