Hunderte Demonstranten fordern Freilassung von Kutschma-Gegnern
publiziert: Sonntag, 11. Mrz 2001 / 16:49 Uhr

Kiew - Einige hundert Demonstranten haben am Sonntag in der Ukraine die Freilassung von rund 200 Gegnern von Präsident Leonid Kutschma gefordert. Diese waren nach Protesten am Freitag festgenommen worden.

An der Protestaktion in der Hauptstadt Kiew nahmen zunächst deutlich weniger Menschen teil, als die Bewegung «Ukraine ohne Kutschma» erwartet hatte. Noch vor dem Wochenende hatten etwa 10 000 Demonstranten versucht, das Präsidialamt zu stürmen.

Bei den Protesten am Freitag drängte die Polizei die Demonstranten mit Tränengas zurück und nahm rund 200 Menschen fest. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, die Festgenommemen seien allesamt Anhänger der rechtsextremen Partei UNA-UNSO. Ihnen drohe bis zu 20 Jahren Haft.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Rufe nach einem Rücktritt Kutschmas gemehrt. Seine Gegner werfen ihm vor, in den Mord des regimekritischen Journalisten Georgij Gongadse verstrickt zu sein.

«Faschistische Pest»

In einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin «Focus» stritt Kutschma erneut jegliche Verwicklung in den Fall ab. Er sieht auch keinen Grund zum Rücktritt. Er sei von mehr als 16 Millionen Menschen gewählt worden. «Wie soll ich denen sagen, dass mich 3000 Demonstranten zum Rücktritt gezwungen haben?», argumentierte Kutschma.

Kutschma lehnte jeglichen Dialog mit der Opposition ab, die bei seinen Rücktritt gefordert hatte. «Ihre Methoden sind nicht akzeptabel», sagte Kutschma vor Journalisten in Kiew. «Drohungen und Gewalt sind für einen Dialog nicht angemessen», fügte er hinzu und verglich die Demonstranten mit «einer faschistischen Pest».

(kil/sda)

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