Hunger treibt spanische Geier nach Belgien
publiziert: Montag, 18. Jun 2007 / 15:00 Uhr

Brüssel - Rund 100 Gänsegeier aus den spanischen Pyrenäen sind aus Hunger fast 1000 Kilometer bis nach Belgien geflogen. «Die Vögel sind auf der Suche nach Futter», sagte Dominique Verbeelen von der Naturschutzorganisation Natuurpunt.

Die Augen der Gänsegeier sind so scharf, dass sie Aas noch aus 3000 Metern Höhe erspähen können.
Die Augen der Gänsegeier sind so scharf, dass sie Aas noch aus 3000 Metern Höhe erspähen können.
Als Aasfresser ernährten sich Gänsegeier von toten Tieren. Doch die fänden sie in ihrer Heimat kaum noch: «Früher legten die spanischen Bauern ihr totes Vieh auf die Weiden, aber seit dem Rinderwahnsinn ist das gesetzlich verboten», sagte Verbeelen dem flämischen Radio VRT.

Die EU-Kommission verwahrte sich gegen den Vorwurf, für den möglichen Hungertod der geschützten Grossvögel verantwortlich zu sein. «Angesichts der BSE-Gefahr gibt es gute Gründe für das Verbot, tote Tierkörper auf den Weiden liegen zu lassen», sagte Behördensprecher Philip Tod.

Spanien und vier weitere südeuropäische Länder dürften aber Ausnahmen zulassen - damit aasfressende Vögel weiterhin Nahrung finden. Lebendes Vieh in diesen Regionen müsse nur regelmässig auf die Rinderseuche untersucht werden.

In Flandern waren laut VRT am Sonntag 97 Gänsegeier gelandet. Doch in Belgien sei ihre Lage kaum besser.

Lockerung des Gebots gefordert

Die spanischen Bauern drängen die Europäische Kommission, das Verbot zum Auslegen toter Tiere zu lockern. Die Möglichkeit dazu hätten die spanischen Behörden bereits, entgegnete Kommissionssprecher Tod. In Belgien bleibe das hingegen streng verboten.

Auch in der Schweiz werden in letzter Zeit immer mehr Gänsegeier gesichtet, wahrscheinlich stammen sie aus Frankreich. Ende Mai entdeckte ein Ornithologe bei Baulmes im Waadtländer Jura 54 der mächtigen Aasfresser.

Sie sind die grössten in Europa lebenden Geier: Die Spannweite ihrer Flügel beträgt bis zu 2,80 Meter - mehr als beim Seeadler. Ihre Augen sind so scharf, dass sie Aas noch aus 3000 Metern Höhe erspähen können.

(dl/sda)

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