Hypervernetzt und immer verfügbar
publiziert: Montag, 26. Mai 2008 / 23:23 Uhr

Immer und überall erreichbar zu sein bzw. von überall aus ins Internet gehen zu können, ist wunderbar: Vom Bett aus schnell die E-Mail checken, auf dem Weg zum Kino schnell die Filmkritik lesen und eventuell ein anderes Ticket zu bestellen oder sich vom Handy ins nächste Restaurant lotsen lassen - Möglichkeiten über Möglichkeiten.

Kaum mit dem Flugzeug gelandet, schon die Mails abrufen und Anrufe checken: 16 Prozent der Befragten sind schon hypervernetzt.
Kaum mit dem Flugzeug gelandet, schon die Mails abrufen und Anrufe checken: 16 Prozent der Befragten sind schon hypervernetzt.
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Aber wie jeder Fortschritt hat auch die universale Konnektivität ihre Schattenseiten: Auch Arbeitnehmer sind dank neuester Technologien immer und überall erreichbar. Laut einer IDC-Studie, die von Telekom-Ausrüster Nortel beauftragt wurde, sind bereits 16 Prozent der befragten Mitarbeiter in 17 Ländern bereits vollständig vernetzt - oder wie es in der Studie heisst - hyperconnected.

Hypervernetzt zu sein heisst, dass regelmässig mindestens vier digitale Geräte wie Notebook, Handy oder MP3-Spieler und mehr als sechs Anwendungen wie SMS, E-Mail oder VoIP genutzt werden. Das bedeutet, dass sie praktisch immer online sind, sofern sie nicht schlafen. Und Chef, Kunden und Kollegen gehen häufig davon aus, dass sie im Notfall erreichbar ist.

Allerdings sind die Hypervernetzten in der Regel freiwillig ständig erreichbar. Insbesondere junge Menschen vernetzen sich häufig und gern. 60 Prozent der Hypervernetzten sind jünger als 35 Jahre. Der Anteil der Übervernetzten wird unter den Arbeitnehmern in den nächsten fünf Jahren stark ansteigen, die Studie geht von einer Zunahme auf 40 Prozent der Arbeitnehmer aus.

Online durch den Grossstadtdschungel

Wenig überraschend ist, dass die Mehrheit von der Übervernetzten, nämlich 60 Prozent, männlich ist und in Städten lebt. Ausserdem arbeiten die meisten im Finanz- und im Technologiesektor. Wenn die Always-on-Generation ihr Zuhause verlässt, nehmen sie lieber den Blackberry mit als ihre Brieftasche.

Doch der Web-2.0-Lebensstil ist problematisch, weil Privat- und Berufsleben schwer zu trennen sind. Die so genannte Work-Life-Balance gerät aus dem Gleichgewicht, weil Freizeit zur Arbeitszeit wird, wenn man dienstliche E-Mails von zuhause oder gar aus dem Urlaub versendet. Trotzdem gibt gut ein Drittel der Hypervernetzen an, dass sie ihre Work-Life-Balance halten können. Und nur 21 Prozent empfinden es als schwierig, das Gleichgewicht zwischen Job und Freizeit halten zu können.

Umgekehrt findet natürlich auch ein Einbruch privater Online-Aktivitäten in die Arbeitszeit statt: Einige IT-Manager rechnen damit, dass im Jahr 2014 jeder Mitarbeiter rund drei Stunden für das private Surfen am Arbeitsplatz aufwendet. Das kann man angesichts der ständigen Verfügbarkeit des Mitarbeiters auch in seiner Freizeit schon wieder als «Notwehr» auffassen - wann sollten privaten Dinge auch sonst geregelt werden?

Kommunikationswege bündeln

Es bleibt die Frage, wie Unternehmen auf den Vernetzungsdrang ihrer Mitarbeiter reagieren sollten. Eine Möglichkeit wäre, diesen Trend in die Unternehmensplanung einzubeziehen, hier ist das Schlagwort Unified Communications. Bündeln die Unternehmen IP-Telefonie, Instant Messaging und Webkonferenzen in einer einzigen Anwendung, könnten Kommunikationswege verkürzt und Entscheidungen schneller getroffen werden.

Auch sind klare Regeln, was Arbeitszeit und was Privatvergnügen ist, hilfreich - privates Surfen am Arbeitsplatz muss nicht sein, genauso sollten aber auch dienstliche Aktivitäten in der Freizeit nicht verlangt werden.

(Marie-Anne Winter/teltarif.ch)

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