IKRK warnt vor humanitärer Krise in Afghanistan
publiziert: Montag, 8. Okt 2012 / 20:34 Uhr
Das IKRK arbeitet seit 1979 in Afghanistan und kümmert sich auch um tausende Gefangene.
Das IKRK arbeitet seit 1979 in Afghanistan und kümmert sich auch um tausende Gefangene.

Kabul/Genf - Die Kämpfe in Afghanistan verschlechtern nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) die Lage der Bevölkerung immer weiter. «Ich verlasse dieses Land mit Sorge», sagte der scheidende IKRK-Chef in Afghanistan, Reto Stocker, am Montag in Kabul.

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«Seit ich im Jahr 2005 hier ankam, haben sich die lokalen bewaffneten Gruppen stark vermehrt, Zivilisten sind nicht nur zwischen einer, sondern mehreren Frontlinien gefangen und medizinische Versorgung bei Krankheit oder Verletzung wird zunehmend schwieriger für normale Afghanen», sagte Stocker.

Die Bevölkerung in den Konfliktzonen lebe in ständiger Angst vor Sprengkörpern und Schusswechseln. Ausserdem litten die Menschen unter einer schlechter werdenden Wirtschaft, dem rauen Wetter und Naturkatastrophen, sagte Stocker. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft sei immer mehr geschwunden.

Die Ausweitung des Konflikts und eine schlechter werdende Sicherheitslage behinderten humanitäre Hilfe vor allem in den Regionen, wo sie dringend benötigt werde, sagte Stocker. «Es gibt viele Orte im Land, an denen wir sein sollten, aber nicht hingehen können.»

Das IKRK arbeitet seit 1979 in Afghanistan und kümmert sich auch um tausende Gefangene. Stocker äusserte sich besorgt darüber, dass sich die Bedingungen in den Gefängnissen verschlechtern könnten, sobald die internationalen Truppen 2014 abziehen und die finanziellen Hilfen für die afghanische Regierung reduziert werden.

Crisis Group warnt vor Bürgerkrieg

Die Experten der renommierten International Crisis Group (ISG) warnten am Montag, dass die Zukunft der afghanischen Regierung düster aussehe. «Es besteht ein reelles Risiko, dass die Regierung in Kabul nach dem Abzug der NATO-Truppen 2014 in sich zusammenbrechen kann», sagte ISG-Expertin, Candace Rondeaux, am Montag anlässlich eines neuen Afghanistan-Berichts.

Demnach gibt es nur wenig Hoffnung auf Stabilität, sobald das Land selbst die volle Verantwortung für Sicherheit übernimmt. «Die afghanische Armee und Polizei gehen überfordert und unvorbereitet in den Übergang», sagte Rondeaux laut einer Medienmitteilung. Wenn die Wahl 2014 nicht gelinge, drohe ein Bürgerkrieg.

Unter Berufung auf die labile Sicherheitslage gab die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung am Montag bekannt, dass sie ihre deutsche Büroleiterin zum 1. Januar 2013 aus Kabul abziehen werde. Die zehn afghanischen Mitarbeiter würden aber weiter beschäftigt, teilte die Stiftung weiter mit.

(fest/sda)

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