IV, Krankenkassen und das Perpetuum Mobile
publiziert: Donnerstag, 11. Jun 2009 / 11:18 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 11. Jun 2009 / 11:53 Uhr

5 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Wikpedia zum Perpetuum Mobile

wikipedia.de

Das Perpetuum Mobile funktioniert nicht. Diese Feststellung ist unumstösslich, auch wenn immer wieder irgendwelche Träumer glauben, eine Maschine bauen zu können, die einfach von selbst immer weiter läuft und womöglich noch Energie abgeben könnte. Früher handelte es sich dabei noch um mechanische Vorrichtungen, heute versuchen gewiefte Betrüger, naiven Investoren Geld mit sogenannter 'Nullpunkt-Energie' gespiesenen Motoren aus der Tasche zu ziehen. Aber immer, wenn eine dieser Wundermaschinen genau untersucht wird, stellt sich heraus, dass sie nicht funktioniert.

Als unsere Krankenkassen und die IV eingeführt wurden, machte sich niemand Illusionen darüber, dass diese Versicherungen die Behandlung aller Wehwehchen und Quellen des Unbehagens bezahlen könnten. Sie waren gedacht dafür, die schlimmsten Härten von jenen abzuhalten, die ohne Verschulden in ausweglose Situationen geraten und diesen - im Fall der Krankenkassen - die Heilung zu finanzieren, oder - wie bei der IV - diesen eine einigermassen würdige Existenz zu ermöglichen.

Doch irgendwann begannen diese Schwellen zu rutschen, fingen die Massstäbe der Gesellschaft an, sich zu bewegen, wenn es darum ging, was erträglich ist, was einer Behandlung bedarf und was Anspruch auf eine Rente hat. Es wurde ein Wellness-Anspruch formuliert, der besagte, dass jeder ein Recht darauf hat, sich immer Wohl zu fühlen; und wenn dies nicht der Fall ist, professionelle Hilfe gegen das Unbehagen zu beziehen. Und wenn es bedeutet, dass man Arbeit nicht mehr aushält und deshalb in die Invalidität geht, dann geht man eben.

Natürlich entscheiden dies die Bezieher nicht alleine. Genau so daran beteiligt sind auch die Ärzte und die Pharma-Industrie. Jedes Jahr werden neue Krankheiten gefunden... mitunter gibt es Wirkstoffe, für die erst die Symptome entdeckt werden müssen. Am extremsten ist dies vermutlich bei angeblichen psychischen Krankheiten der Fall.

Dabei sollen schwere Störungen des Geistes keineswegs verharmlost werden: Schizophrenie, manisch depressive Störungen oder Neurosen können Existenzen zerstören und müssen behandelt werden. Doch mittlerweile sind wir so weit, dass jede Phase des Lebens, in der wir nicht glücklich und zufrieden sind, pathologisiert wird. Jedes unerfreuliche Ereignis kann als Quelle eines Traumas herangezogen werden, dem nur mit Medikamenten und Therapien beizukommen ist.

Die Ansicht, dass die menschliche Psyche an schlechten Erfahrungen und Problemen wachsen, dass die Überwindung von Krisen aus eigener Kraft einen Menschen auf eine höhere Stufe bringen kann, ist schon fast Ketzerei geworden. Denn daran lässt sich nichts verdienen, darin liegt kein Profit für irgendwen. So wird denn weiter pathologisiert und die weinerliche Sucht nach Glück aus der Pillenpackung gefördert.

Diese gewünschte Verweichlichung soll dabei von der Allgemeinheit finanziert werden, sei dies nun via Krankenkasse oder IV. Dabei kommen einem die entsetzten Prämienzahler bei der Verkündung der nächsten Prämienerhöhung vor, wie die Konstrukteure eines Perpetuum Mobile, wenn ihre Wundermaschine auf einmal still steht.

Etwas aus nichts zu machen, ist genau so unmöglich wie mehr aus weniger zu gewinnen. Die wundersamen Wellness- und Geldmaschinen IV und Krankenkasse können auf Dauer nicht mehr ausschütten als hinein gegeben wird. Ja, genau so wie bei Maschinen auch, lassen sich bei Sozialwerken die Gesetze der Thermodynamik nicht überlisten. Energie, bzw. Geld, geht verloren und am Schluss hat man weniger, als man anfangs rein gesteckt hat. Das Gesundheits- und IV-System, wie es im Moment existiert, ist genau so wenig funktionsfähig wie ein Perpetuum-Mobile. Und genau so wie diese nutzlosen Apparate gehört das momentane System entsorgt und durch etwas ersetzt, dass auch in der wirklichen Welt funktionieren kann.

(von Patrik Etschmayer/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Jene 18 Krankenkassen, die wegen ungenügender Reserven im Laufe ... mehr lesen
Couchepin kritisiert die Krankenkassen.
«Sparen ja, aber nicht bei mir!»
Bern - Sparen ja, aber nicht am eigenen Leib: Eine Einschränkung des Leistungskatalogs der Grundversicherung steht für Patientinnen und Patienten nicht zur Debatte. Nur 5 Prozent der vom ... mehr lesen
Patienten sollen nicht mehr sofort zum Spezialisten laufen, ansonsten wird es teurer.
Bern - Wer direkt zum Spezialarzt geht, ... mehr lesen
Bern - Gesundheitsminister Pascal ... mehr lesen 6
Die Flickschusterei im Gesundheitswesen solle aufhören, darin sind sich alle Fraktionen einig.
Stimmt
Irgendwie ironisch zu sehen, dass die schweizerInnen sich stetig über steigende Prämien empören und gleichzeitig immer mehr Leistung beziehen möchten. Durchschnittlich geht jeder schweizer Bürger jedes Jahr 7 Mal zum Arzt. In einem Land mit solch hohen Massstäben an Wohlstand, Luxus und gesunden Lebensmitteln kann ich mir diese Tatsache nur dadurch erklären, dass uns der Wohlstand über den Kopf wächst und wir den Unterschied von "sich wohl fühlen" und "gesund sein" nicht mehr kennen. Zum Glück haben wir ja bald die Komplementärmedizin ebenfalls über das Krankenversicherungsgesetzt (KVG) geregelt. Ich nehme an, dass wir über diesen Weg bald eine Art Finanztherapie für diejenigen anbieten können, die sich unwohl fühlen weil sie die Gebühren der Krankenkasse nicht mehr finanziell tragen können... *Ironie*
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle ... mehr lesen  
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und nein, ROSS ist kein armes Schwein, sondern ein ... mehr lesen  
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. Die Bedrohungen: Differentialgleichungen und ein ... mehr lesen
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 7°C 8°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Basel 8°C 10°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 7°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 8°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern 5°C 8°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 7°C 8°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen trüb und nass
Lugano -2°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten