IV-Missbrauch nicht Schuld am Milliardendefizit
publiziert: Donnerstag, 14. Feb 2008 / 18:30 Uhr

Bern - Die Missbrauchs-Polemik der SVP um die IV ist gemäss einer Studie des Bundesamtes für Sozialversicherung (BSV) unangemessen. Missbrauch bei der IV komme vor, sei aber nicht die einzige Ursache für das Milliardendefizit der IV.

2005 sind gemäss Studie ungefähr 300 bis 400 Millionen Franken zu Unrecht in Anspruch genommen worden.
2005 sind gemäss Studie ungefähr 300 bis 400 Millionen Franken zu Unrecht in Anspruch genommen worden.
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Erst eine empirisch begründete Differenzierung und eine nüchterne Analyse schafften die Voraussetzungen, um die Finanzen der IV wieder ins Lot zu bringen, heisst es in dem auf der BSV-Homepage publizierten Bericht.

Für das Jahr 2005 schätzt die Studie, dass Rentenleistungen in der Höhe von 300 bis 400 Millionen Franken zu Unrecht in Anspruch genommen worden seien. Dies entspricht 5 bis 6 Prozent der Rentenzahlungen oder 2,6 bis 3,5 Prozent der gesamten IV-Ausgaben.

Bei diesen zu Unrecht in Anspruch genommenen Rentenleistungen handelt es sich zudem nicht ausnahmslos um Betrügereien. Gemäss Studie kommt es auch vor, dass Personen systembedingt zu Unrecht in den Genuss einer IV-Rente kommen oder dass einer der Akteure fahrlässigerweise gegen die gesetzlichen Vorschriften verstösst.

Und wer sind die «Betrüger»?

Die Studie kommt weiter zum Schluss, dass auch, aber bei weitem nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund zu Unrecht IV-Leistungen beziehen. Dies ist auch der Fall bei sehr leistungsbereiten, oftmals überangepassten Personen, bei denen bereits relativ kleine gesundheitliche Einschränkungen komplexe psychische Probleme auslösen.

Weitere «Risikogruppen» sind laut Studie Versicherte mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Alleinerziehende mit Doppelbelastung in Haushalt und Beruf, Menschen in einer persönlichen Krise oder Personen, die Krisen schlecht bewältigen.

Generell seien solche Angaben mit grossen Unsicherheiten behaftet, weshalb es auch eine grosse Spannweite der Schätzungen gebe, heisst es weiter. Über das Ausmass des Betrugs könnten keine Angaben gemacht werden.

(bert/sda)

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