IWF und Weltbank: Verletzte bei Ausschreitungen in Prag
publiziert: Dienstag, 26. Sep 2000 / 22:26 Uhr

Prag - In Prag ist es am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank am Dienstag zu den befürchteten Ausschreitungen zwischen Globalisierungsgegnern und Sicherheitskräften gekommen. Mindestens 70 Menschen wurden verletzt.

Gegen mehrere tausend Demonstranten, die das Kongresszentrum blockierten, setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein. Autonome hatten zuvor Steine und "Molotow-Cocktails" auf die Sondereinheit geworfen.

Mindestens 30 Verletzte

Auf beiden Seiten habe es zahlreiche Verletzte gegeben, meldete die tschechische Nachrichtenagentur CTK. Gegen Abend habe sich die Lage wieder etwas beruhigt.

Ein polnischer Demonstrant erlitt schwere Kopfverletzungen, als er von einem Pflasterstein getroffen wurde. Mehrere Polizisten und Demonstranten wurden in Spitäler eingeliefert.

In der Stadt waren noch am Abend Sirenen von Polizei- und Ambulanzfahrzeugen zu hören. Der tschechische Präsident Vaclav Havel appellierte an die Demonstranten, die Gewalt zu beenden. An einer friedlichen Kundgebung gegen Weltbank und Internationalen Währungsfonds (IWF) hatten nach inoffiziellen Schätzungen zuvor etwa 7000 Menschen teilgenommen. Danach zog die Menge zum Tagungsort der Weltwährungskonferenz, um mit einer Blockade die Vertreter von IWF und Weltbank am Verlassen des Gebäudes zu hindern.

Nationalbankpräsident kurz eingeschlossen Auch Mitglieder der Schweizer Delegation in Prag waren von der Blockadeaktion betroffen. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Hans Meyer und SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Roth gehören zu den Eingeschlossenen im Kongresszentrum.

Gegen 20.00 Uhr hatten aber auch sie das Zentrum verlassen können, wie der persönliche Mitarbeiter von Bundesrat Kaspar Villiger in Prag gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte. Villiger hatte sich nicht im Zentrum befunden. Dort war die Lage ruhig geblieben.

Die Ausschreitungen wirkten sich auch im Hotel der Schweizer Delegation auf einen Empfang aus. Anstatt der rund 100 erwarteten Teilnehmer erschien nicht einmal die Hälfte.

Köhler und Wolfesohn bekräftigen Bereitschaft zum Dialog

Vor den Delegierten der Jahrestagung verteidigten IWF-Chef Horst Köhler und Weltbank-Präsident James Wolfensohn die Politik ihrer Organisationen, zeigten aber auch Bereitschaft zum Dialog mit den Kritikern.

Köhler forderte sowohl Industrie- wie auch Entwicklungsstaaten auf, mehr Verantwortung zu übernehmen und einen aktiveren Beitrag für den Kampf gegen die Armut in der Welt zu leisten. Und die Entwicklungsstaaten müssten hausgemachte Probleme wie ineffiziente Verwaltung, Korruption und bewaffnete Konflikte angehen. Nur beide Seiten zusammen könnten das von der UNO formulierte Ziel erreichen, die Zahl der in Armut lebenden Menschen bis zum Jahr 2015 zu halbieren.

Wolfensohn: Internationalisierung ist nicht aufzuhalten

Weltbank-Chef Wolfensohn sagte, die Internationalisierung der Wirtschaft sei nicht aufzuhalten. "Unsere Herausforderung ist es, die Globalisierung zu einem Instrument der Möglichkeiten und Einbeziehung und nicht der Angst und Unsicherheit zu machen." Wolfensohn äusserte Verständnis für Kritiker der Globalisierung. Viele von ihnen stellten "legitime Fragen". Er forderte die Globalisierungsgegner auf, in einen konstruktiven Dialog einzutreten.

(klei/sda)

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