«Ich habe vor niemandem Angst.»
publiziert: Samstag, 30. Dez 2006 / 17:26 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 31. Dez 2006 / 08:19 Uhr

Bagdad - Mehr als 25 Jahre lang hatte Saddam Hussein den Irak mit harter Hand regiert, dann war der zum Tode durch den Strang verurteilte Ex-Staatschef binnen Sekunden tot. Zeugen berichten, in seinen letzten Minuten sei der 69-Jährige gefasst gewesen.

Saddam Hussein habe sich geweigert, sich eine Kapuze über den Kopf stülpen zu lassen.
Saddam Hussein habe sich geweigert, sich eine Kapuze über den Kopf stülpen zu lassen.
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Saddam Hussein sei ruhig zum Galgen geschritten, «ohne ein Wort», «entschlossen und mutig», beschrieb der irakische Sicherheitsberater Muaffak al-Rubaie die Hinrichtung in einem der früheren Folterzentren des Despoten in Bagdad. Saddam Hussein sei gestorben, ohne sich zu wehren.

Zwischen 05.30 Uhr und 06.30 Uhr Ortszeit wurde der in ein weisses Hemd und einen schwarzen Anzug gekleidete frühere Präsident zum Galgen geführt. Das irakische Fernsehen übertrug den letzten Gang Saddam Husseins am Vormittag zeitversetzt.

Anwesend waren ein Mitarbeiter des irakischen Regierungschefs Nuri al-Maliki, Rubaie sowie einige wenige Augenzeugen, darunter Abgeordnete, Minister und ein Arzt. Es sei «zu hundert Prozent ein irakischer Vorgang» gewesen, betonte Rubaie.

Letzter Wille

Ein Richter verlas in den frühen Morgenstunden nochmals das Todesurteil gegen Saddam Hussein, dann fragte ein anderer Richter den Verurteilten, ob er noch etwas sagen wolle.

Dieser habe einen Koran in der Hand gehabt, den er jemandem habe übersenden wollen, sagte Rubaie. Der Name des Empfängers sei notiert worden, und jemand habe Saddam Hussein versprochen, das heilige Buch weiterzuleiten.

Im irakischen Fernsehen, das einen rund 20-sekündigen Ausschnitt von der Hinrichtung zeigte, war zu sehen, wie mehrere schwarz maskierte Männer den an den Händen gefesselten Saddam Hussein zum Galgen führten und ihm eine Schlinge um den Hals legten.

Augen nicht verbunden

Saddam Hussein habe sich geweigert, sich eine Kapuze über den Kopf stülpen zu lassen, sagte Rubaie. Einen kurzen Moment lang entspann sich ein Streit, bis die Henker nachgaben. Dann sei der frühere Staatschef aufgefordert worden, ein letztes Mal das Glaubensbekenntnis abzulegen.

Seine letzten Worte richtete Saddam Hussein laut dem Richter Munir Haddad an das irakische Volk: «Ich hoffe, dass Ihr geeint bleiben werdet und ich warne Euch, vertraut der iranischen Koalition (der schiitischen Regierung) nicht, diese Leute sind gefährlich», habe der Todeskandidat gesagt.

Und dann: «Ich habe vor niemandem Angst.» Danach öffnet sich die Falltür, und sein Körper fiel in die Tiefe - diese Bilder zeigte das irakische Fernsehen nicht.

Ein privater schiitischer Sender strahlte aber später Bilder vom Leichnam Saddam Husseins aus, der in ein weisses Leichentuch gehüllt war. Zu sehen war lediglich der Kopf, der nach dem Genickbruch durch den Strang nach rechts geneigt war.

Familie reagiert nicht

Die älteste Tochter Saddam Husseins, Raghdad, habe die Nachricht vom Tode ihres Vaters trotz ihres «gewaltigen Schmerzes stoisch» aufgenommen, sagte einer der Verteidiger des Ex-Präsidenten in der jordanischen Hauptstadt Amman. Von der in Katar lebenden Witwe Sadschida war nichts zu hören.

Die Leiche des hingerichteten irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein ist seinem Anwalt zufolge zur Beisetzung in seine Heimatstadt Tikrit geflogen worden.

Die Überstellung sei in einem US-Flugzeug erfolgt, sagte Buschra al-Chalil am Abend der Nachrichtenagentur Reuters.

(Von Hervé Bar, AFP/sda)

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