«Ich muss niemandem mehr etwas beweisen»
publiziert: Dienstag, 20. Mrz 2007 / 08:34 Uhr

Stéphane Lambiel strebt an den heute beginnenden Weltmeisterschaften in Tokio den dritten Titel in Serie an. Die Chancen stehen gut, obwohl die Gegner stärker geworden sind. Das Kurzprogramm findet morgen statt, die Kür am Donnerstag.

Lambiels Bilanz kann sich sehen lassen.
Lambiels Bilanz kann sich sehen lassen.
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Neben dem bald 22-jährigen Unterwalliser nimmt mit Jamal Othman ein zweiter Schweizer im Männer-Wettbewerb teil. Der 20-jährige Berner überzeugte Ende Januar an der EM in Warschau mit dem 8. Platz.

Für die WM hegt er rangmässig keine Erwartungen; das Ziel ist eine persönliche Bestleistung.

Konkurrenten haben sich gesteigert

Lambiels Bilanz bei seinen letzten vier Teilnahmen an internationalen Meisterschaften kann sich sehen lassen. Er wurde zweimal Weltmeister und gewann an den Olympischen Spielen und den Europameisterschaften im vergangenen Jahr Silber. Sein einziger Bezwinger war der Russe Jewgeni Pluschenko, der derzeit keine Wettkämpfe bestreitet. Also alles klar? Keineswegs, denn die grössten Konkurrenten haben sich in dieser Saison stark verbessert.

Mit den Einheimischen Daisuke Takahashi (247,93) und Nobunari Oda (244,56) sowie dem Franzosen Brian Joubert (237,83) erzielten gleich drei Läufer eine persönliche Bestmarke, die jene von Lambiel (233,99) übertrifft. Bei den beiden Japanern ist allerdings ein Fragezeichen hinter ihr Nervenkostüm zu setzen, zumal die Erwartungshaltung im eislaufverrückten Land immens ist. Europameister Joubert, der in dieser Saison in sämtlichen fünf Wettbewerben ungeschlagen geblieben war, schnitt sich Mitte Februar mit dem eigenen Schlittschuh in den Fuss und musste eine Woche pausieren.

Weitere Podestkandidaten sind der zuletzt zweifache WM-Dritte Evan Lysacek, der im Februar nach dem Gewinn des US-Titels auch die Vier-Kontinente-Meisterschaft (ohne Europa) in Colorado Springs für sich entschied, und der in den Programmkomponenten stets sehr gut wegkommende Olympia-Dritte Jeffrey Buttle (Ka).

Vieles spricht für Lambiel

Was spricht für Lambiel? Mit seiner Flamenco-Kür hat er ein wahres Kunstwerk auf das Eis gezaubert. Wie schnell er die Bewegungen des spanischen Tanzes innert kürzester Zeit nahezu perfekt adaptierte, erstaunte selbst seinen Lehrer Antonio Najarro. Zwar lief er das Programm einzig an den Schweizer Meisterschaften in Genf vor Punktrichtern, doch holte er sich die Routine bei den zahlreichen Show-Auftritten, die ihm sehr viel Energie gaben.

Im Weiteren ist Lambiel ein Wettkampftyp; er wächst an den Herausforderungen. Bestes Beispiel sind die Olympischen Spiele in Turin, wo er trotz schlechter Vorzeichen (Knieprobleme) Zweiter wurde. Aufgrund seiner grossen Erfahrung dürfte es für ihn auch ein Vorteil sein, dass er in dieser Saison neben der SM nur den Grand Prix «Skate Canada» bestritt und daher weniger Substanz als die Konkurrenten verloren hat. Zudem verbindet er gute Erinnerungen mit Tokio. Dort gewann er 2005 den Grand-Prix-Final.

Was spricht gegen den Schweizer? Die Leistungen in den beiden Wettbewerben. Obwohl er beide Male siegte, vermochte er in keinem der vier Programme den Vierfach-Toeloop sauber zu stehen, und den dreifachen Axel dreht er jeweils nur doppelt. Seine beiden Höchstschwierigkeiten müssen ihm in Tokio mehrheitlich gelingen, will er erneut ganz oben stehen.

Sicher und zuversichtlich

Würde sich Lambiel die erfolgreiche Titelverteidigung jedoch nicht zutrauen, wäre er gar nicht in die japanische Hauptstadt gereist. Denn der siebenfache Schweizer Meister stellt als Künstler mit allen dazugehörigen Facetten hohe Ansprüche an sich selber. Er will sich ständig weiterentwickeln. Deshalb änderte er für die WM auch kurzfristig das Kurzprogramm; er läuft nun zur Filmmusik «Blood Diamond». In den Trainings in der mit teilweise über 4000 Zuschauern bereits sehr gut gefüllten Metropolitan-Halle (Kapazität 6800) hinterliess er einen soliden Eindruck.

«Bei den Sprüngen fühle ich mich sicher. Die Vorbereitung ist sehr gut verlaufen», so Lambiel. «Dieser Wettkampf ist ein gute Herausforderung für mich», fuhr er fort. Er spüre jedoch keinen Druck, da er niemandem mehr etwas beweisen müsse. Nach den zahlreichen Erfolgen habe er sich die Frage gestellt, was er wirklich wolle. Dabei habe er gemerkt, dass Eiskunstlaufen sein Leben sei. Er laufe nun für sich selber. «Ich werde alles tun, um auf den Gipfel zu kommen. Wenn aber jemand stärker ist, akzeptiere ich das. Es ist nicht möglich, immer zu gewinnen.» Lambiel ist bereits am Samstag zusammen mit seinem Team -- Trainer Peter Grütter, Choreografin Salome Brunner und Konditionstrainerin Majda Scharl -- in Tokio angekommen, sodass er genügend Zeit zur Akklimatisation hatte.

Den Auftakt zur WM machen heute die Eistänzer mit dem Pflichttanz und die Paare mit dem Kurzprogramm. Während sich die Ausgangslage im Eistanz offen präsentiert, führt der Titel im Paarlauf über die Chinesen Xue Shen/Hongbo Zhao, die Weltmeister von 2002 und 2003.

(von Sascha Fey, Tokio/Si)

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