Ich spreche zu Euch aus dem grossen Irak - Spekulationen um Saddam laufen wieder heiss
publiziert: Donnerstag, 8. Mai 2003 / 10:57 Uhr

Bagdad - Gestern ist in Bagdad australischen Journalisten ein Tonband zugespielt worden, auf dem der entmachtete Staatschef zur irakischen Bevölkerung spricht. Damit rückt die Frage nach seinem Verbleib und nach den Möglichkeiten des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein wieder in den Vordergrund.

Saddam bei seiner Stellungsnahme nach den ersten US-Bomben auf Bagdad.
Saddam bei seiner Stellungsnahme nach den ersten US-Bomben auf Bagdad.
Seit dem Einmarsch der US-geführten Streitkräfte in Bagdad am 9. April fehlt jede beweiskräftige Spur vom früheren irakischen Diktator.

Versteckt Saddam Hussein sich in Bagdad in einem unterirdischen Labyrinth oder hat er sich nach Syrien abgesetzt? Hat er sich im nordirakischen Kirkuk einer Gesichtsoperation unterzogen? Kreuzt er gar mit einem seiner luxuriösen Wohnmobile unerkannt durch sein Land? Lebt er überhaupt noch? Wurde er verletzt?

Vom Angriff gewusst?

In ihrer gestrigen Ausgabe berichtete die New York Times darüber, wie Saddam Hussein, kurz bevor die ersten Bomben auf Bagdad fielen, die irakische Nationalbank um einer Milliarde Dollar leichter gemacht hatte. Drei Laster seien vorgefahren um 900 Millionen US-Dollar und 100 Millionen EURO in Hunderterscheinen wegzufahren

Das Geld ist noch nicht aufgetaucht und die Gerüchte gehen mittlerweile so weit, dass Saddam möglicherweise schon bevor der Krieg zu Ende war, Irak verlassen habe. Dies würde auch einen Grund liefern für die offensichtlich chaotischen Zustände im irakischen Generalstab kurz vor dem Einmarsch der US-Armee in Bagdad: Die Führung hatte sich schon längst über alle Berge gemacht.

Aufruf zum Untergrundkampf

Nachdem eine in London herausgegebene arabische Zeitung vergangene Woche einen angeblichen Brief von Saddam Hussein veröffentlichte, ist nun ein Tonband aufgetaucht, auf dem Saddam behauptet das Land nicht verlassen zu haben.

"Ich spreche zu Euch aus dem grossen Irak", heisst es auf dem Band, und eine "müde klingende" Stimme ruft die Iraker nach Angaben der australischen Zeitung "Sydney Morning Herald" zum Untergrundkampf gegen die US-Besatzungsarmee auf.

Anspielungen in der 14-minütigen Ansprache auf jüngste Ereignisse in Irak wie Feiern zu Saddam Husseins 66. Geburtstag legten die Vermutung nahe, dass das Tonband erst vor wenigen Tagen aufgenommen worden sei.

Wie bei Osama bin Laden

Videos und Tonbänder von einem Mann, der wie vom Erdboden verschluckt scheint - das erinnert an den Terroristenführer Osama bin Laden, der seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unauffindbar ist.

Doch während US-Präsident George W. Bush auf den El-Kaida-Chef eine Belohnung von 25 Millionen Dollar aussetzte und verkündete, er wolle Bin Laden "tot oder lebendig" haben, wird die Ungewissheit über das Schicksal Saddam Husseins in Washington inzwischen heruntergespielt.

Zweimal hatten die USA während des Krieges versucht, Saddam Hussein und seine engsten Mitarbeiter durch ein gezieltes Bombardement zu töten. Der irakische Oppositionsführer Ahmed Chalabi erklärte Ende April, Saddam Hussein sei noch am Leben und auf der Flucht.

Spekulationen über Video

Spekuliert wurde auch über die Glaubwürdigkeit eines Videos, das den Staatschef und seinen Sohn Kusai am Tag des Einmarsches der verbündeten Truppen in Bagdad inmitten von jubelnden Anhängern zeigte. Bewohner des im Video zu sehenden Stadtteils El Asamijah konnten sich später nicht an einen Auftritt ihres Staatschefs an jenem 9. April erinnern.

Offenbar brachte nicht einmal die Befragung von Vize-Ministerpräsident Tarik Asis, der sich selbst den US-Truppen stellte und der der bislang prominenteste Iraker in US-Gewahrsam ist, die erhofften Hinweise auf das Schicksal Saddam Husseins.

Dabei haben viele Bewohner Bagdads angeblich Hinweise auf den Verbleib des Gesuchten. Nachdem die US-Armee Mitte April im irakischen Radio verkündete, derlei Hinweise würden im Fall einer Ergreifung mit 200 000 Dollar belohnt, brach auf das Bagdader Hotel Palestine, dort wo die höchsten US-Offiziere in Bagdad weilen, ein Massenansturm aus.

(Luke Hunt/afp)

 
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