
Roger Federers erster öffentlicher Auftritt seit dem Tag nach dem siebten Wimbledon-Triumph stiess auf grosses Interesse. Der Superstar präsentierte sich bestens gelaunt und locker.
Die Stimmung im grössten Pressekonferenzsaal des Main Press Centers war gelöst. Der weltbeste Tennisspieler und einer der begehrtesten Individualathleten der Spiele überhaupt, hielt vor über 300 internationalen Medienvertretern Hof. Und fand durchaus Gefallen an den eher ungewohnten Fragen, die sich damit erklären, dass hier, wie immer bei Olympsichen Spielen, auch viele «nicht-Tennisjournalisten» zugegen sind. «Das ist schön, dass auch diese Journalisten einmal Fragen stellen können und auch für mich sind solche Situationen noch speziell. Heute war ich auch leicht nervös und wusste nicht genau, was mich erwartet.»
Nachdem er seine vielen Fans - nicht nur unter den Journalisten - beruhigt hatte («nein, ich höre ganz sicher nicht auf») und sogar ein Weitermachen bis Rio 2016 nicht ausschloss («möglich ist es, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab: Geist, Körper und Familie»), liess er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach 17 Tagen noch die letzten Wochen kurz Revue passieren: «Ich konnte den Wimbledon-Triumph mit vielen Freunden geniessen, eine Woche später gab es mit dem Rekord der Wochen als Nummer 1 wieder etwas zu feiern. Wir hatten dann wunderbare Ferien und ich anschliessend eine gute Vorbereitung und jetzt bin ich seit Sonntag wieder hier und habe im Training sehr gut gespielt. Es waren sehr gute Wochen.»
Jetzt steht bei Federer wieder das Tennis im Vordergrund. Die nächste und sogar für ihn einmalige Chance, weiter Geschichte zu schreiben, will er sich nicht entgehen lassen und dem ordnet er alles unter. Er hat freiwillig auf das Tragen der Fahne verzichtet und wird auch die Eröffnungsfeier nicht besuchen. Faktoren für den Verzicht sind sicher der Verkehr, die Zusatzbelastung des ganzen Tages und der Stress, dem er mehr ausgesetzt wäre als jeder andere Athlet. Unvergessen die Bilder aus Peking, als der damalige Missionschef Werner Augsburger zusamen mit anderen Delegationsmitgliedern quasi als Bodyguard fungieren musste, weil unzählige Athleten aus anderen Sportarten und Ländern den Kontakt mit dem Superstar suchten. «Es war damals schon hart, ich konnte es nicht richtig geniessen», so Federer, der die beiden ersten Olympischen Spiele im Village verbracht hatte, aber damals noch nicht den unglaublichen Bekanntheitsgrad der letzten Jahre erreicht hatte.
Druck besteht für Federer vor jedem Turnier und so auch in den kommenden Tagen. Allerdings ist er mit dem frischen Selbstvertrauen des siebten Wimbledon-Titels locker: «Ich spüre den Druck nicht so fest. Ich habe ja schon Gold im Doppel und das kann mir niemand wegnehmen. Ich spüre eher eine grosse Vorfreude.»
(bert/Si)
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