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Ideale Schule: Konfessionell neutral und innovativ
publiziert: Mittwoch, 4. Aug 2010 / 09:26 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 5. Aug 2010 / 11:54 Uhr

Die Frage der Woche lautet: Beispiel Schwimmunterricht - Wie lässt sich das Zusammentreffen der Kulturen in der Schule regeln? Heute der Beitrag von Brenda Mäder, der Präsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz.

2008 entschied das Bundesgericht, dass die Schulbehörden es verweigern dürfen, wenn jemand sich aus religiösen Gründen vom Schwimmunterricht dispensieren möchte. Damit betont das Bundesgericht, dass die schulische Ausbildung nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht ist, die für alle gilt.

Zudem erklärt das Gericht, dass die muslimische Regel, dass keine leicht bekleideten Körper zu sehen sein dürfen, etwa in öffentlichen Badeanstalten oder den Medien nicht durchsetzbar sei. Das Urteil ist daher sehr pragmatisch und kann auch der Integration helfen.

In der Schule kann nicht auf alle einzelnen Gruppen so Rücksicht genommen werden, dass irgendwann nicht nur die Integration, sondern auch die Bildung selbst zu kurz kommt. Wenn der Schwimmunterricht für Muslime nicht mehr Pflicht ist, könnten sich auch Christen, die beispielsweise nicht an die Evolutionstheorie glauben, von den entsprechenden Biologielektionen dispensieren lassen. Und irgendwo existiert bestimmt eine Religion, die nicht an mathematische Gesetze glaubt.

Dabei zeigt sich für mich ein wichtiger Grundsatz: Alle religiösen Gruppierung sind gleich zu behandeln. Konsequenterweise ist dafür die Trennung von Kirche und Staat in der Schule umzusetzen. Das Unterrichtskonzept öffentlicher Schulen hat konfessionell neutral zu sein, weshalb dies auch umzusetzen ist. Für mich haben in der Konsequenz auch religiöse Symbole in der Schule nichts verloren; egal aus welcher Religion sie stammen.

Damit Integration möglich wird, braucht es neben dem Grundsatz der Neutralität und Gleichbehandlung Offenheit, Dialogbereitschaft und ab und zu kreative Ansätze. Dies findet sich beispielsweise im Thurgau: Ab dem Sommer wird in einem Versuchsprojekt ein freiwilliger Islamunterricht durchgeführt. Dabei wird ein Fachmann die Kinder in deutscher Sprache über den Islam aufklären. Die Lektionen sind freiwillig und auch Nicht-Muslime willkommen. Ebenfalls werden protestantische und katholische Pfarrer als Gastdozenten eingeladen. Das Ganze wird von der muslimischen Gemeinde und Eltern bezahlt; die Schulgemeinde Kreuzlingen stellt einzig die Räumlichkeiten zur Verfügung.

Interessant an dem Projekt ist die Eigeninitiative und die Idee, den Kindern den eigenen Hintergrund und die anderen Religionen näherzubringen. Man sollte sich besser auf solche Ideen und innovativen Ansätze, statt auf das ewige Hin und Her „Sonderregelung ja oder nein“ konzentrieren.

(von Brenda Mäder/news.ch)

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