«Im Hilfscamp haben sie ein Auto gewaschen»
publiziert: Freitag, 22. Jan 2010 / 14:42 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Jan 2010 / 18:33 Uhr

Dübendorf - Urs Bernhard, Programmleiter Lateinamerika und Karibik ist seit einer Woche in Port-au-Prince. World Vision Schweiz befragte ihn zur Situation in Haitis Hauptstadt.

Die Hilfsgüter kommen mittlerweile bei den Leuten an.
Die Hilfsgüter kommen mittlerweile bei den Leuten an.
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Was waren Ihre Gefühle beim Nachbeben?

Es bricht keine Panik aus. Meine Kollegen berichteten, dass alle aus dem Hotel auf die Strasse geeilt sind. Wenn man die Bilder vor Ort sieht, kann man sich vorstellen, was passieren kann. Im Nachhinein gingen mir die Bilder der zerstörten Häuser durch den Kopf und jede Wand, jede Zimmerdecke, wird zu einer Bedrohung.

Wie sieht die Situation in Port-au-Prince aus?

Über die ganze Stadt sind Zelte verteilt. Jede freie Fläche, Gärten, öffentliche Parks, werden belegt. In diesen Lagern leben von ein paar Hundert bis mehreren Tausend Personen auf engstem Raum zusammen. Sie kochen, essen und schlafen unter menschenunwürdigen Bedingungen, so sind sie auch den Blicken ausgesetzt, wenn sie sich waschen.

Kommt die Hilfe bei den Leuten an?

Ja, die Hilfsgüter kommen mittlerweile bei den Leuten an. Wir von World Vision verteilen Lebensmittel und Wasser sowie in den Zeltlagern Blachen und Decken. Die grösste Herausforderung zurzeit ist, all die Verletzten nachzubehandeln, weil es an medizinischem Personal fehlt. So haben sich bei vielen Leuten die Wunden entzündet.

Wie ist die Sicherheitlage bei der Verteilung der Hilfsgüter?

Es gab auch bei einzelnen Verteilaktionen von World Vision kritische Situationen, bei denen die Verteilung abgebrochen und etwas später nochmals gestartet wurde. Wir können nun mit den lokalen Behörden zusammenarbeiten und planen mit die Verteilung. Dennoch kommen immer mehr Leute zu den Verteilorten, als wir Material verteilen können, das kann zu Spannungen führen.

Was frustriert Sie am meisten?

Man darf die logistische Herausforderung nicht unterschätzen, zum Teil frustriert mich diese. Handkehrum gibt es auch skurrile Dinge. Heute bin ich durch die Stadt gefahren und habe in einem Hilfscamp gesehen, wie drei Personen mit einem Hochdruckreiniger ein Auto gewaschen haben. Das war für mich wie eine Faust aufs Auge, weil so viele Leute zu wenig Wasser und Nahrung haben.

Wie sieht die Situation der Kinder aus?

Es gibt viele Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder unbegleitet sind. Es ist eine grosse Herausforderung, diese Kinder adäquat betreuen zu können. In den Hilfscamps soll Raum für Kinder geschaffen werden, so genannte Kinderbetreuungszentren, wo die Kinder betreut werden, spielen und ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten können.

(tri/World Vision)

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