Im Vatikan scheint das Nein zum Kondom zu wanken
publiziert: Montag, 11. Apr 2005 / 11:48 Uhr / aktualisiert: Montag, 11. Apr 2005 / 13:03 Uhr

Bern - Ein Vierteljahrhundert lang hat Papst Johannes Paul II. Abstinenz als einziges Mittel gegen Aids gepredigt und Kondome abgelehnt. Angesichts der Aids-Pandemie scheint sich die starrsinnige Haltung der römisch-katholischen Kirche aufzuweichen.

Die Ausbreitung von Aids ist ohne Kondome nicht zu stoppen.
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Johannes Paul IIJohannes Paul II
"Enthaltsamkeit und Selbstdisziplin, Keuschheit vor der Ehe und eheliche Treue" seien die einzigen Mittel gegen die tödliche Krankheit, hatte der Papst 1993 verkündet. Den Schutz vor dem HI-Virus durch Kondome lehnte die Kirche ab, selbst in Ländern, wo Aids sich rasend schnell ausbreitete. Dies Haltung wurde scharf kritisiert. So würdige die Organisation "Act up Paris" den Papst nach seinem Tod als "Komplizen der Pandemie, der verantwortlich für den Tod von Millionen Männern, Frauen und Kindern ist".

Ausbreitung begünstigt

Für verschiedene Schweizer Nichtregierungsorganisationen (NGO) war die Haltung des Papstes "nicht hilfreich", vor allem nicht in Entwicklungsländern, wie es Thomas Lyssy von der Aids-Hilfe Schweiz formuliert. "Der Papst hat die Ausbreitung von Aids und die Ausgrenzung von HIV-postiven Menschen begünstigt", sagt Helena Zweifel, Koordinatorin von Aidsfocus.ch und Co-Direktorin von Medicus Mundi Schweiz.

Theorie und Praxis

Immerhin haben aber Kirche und katholische Organisationen eine wichtige Rolle bei der Pflege von Aidskranken übernommen, sagt Ben Plumley von UNAIDS. Die UNO-Organisation arbeitet auch mit katholischen Partnern zusammen.

Uneins sind sich UNO und Vatikan über Kondome. Die Diskussion müsse vertieft werden, fordert Plumley. Ein Beispiel sei das ABC-Konzept, das auch afrikanische Bischöfe unterstützten. ABC steht für Abstinenz, Treue, Kondome. "Diese Strategie ist ein guter Anfang, reicht aber nicht", sagt Plumley.

Kampf gegen sexuelle Gewalt

In vielen Regionen seien über die Hälfte der HIV-Neuinfizierten Frauen und Mädchen. Diesen sei es oft unmöglich, Sex abzulehen und Treue oder den Gebrauch von Kondomen zu verlangen. UNAIDS plädiere deshalb für ABC+. Dies schliesse den Kampf gegen sexuelle Gewalt und die Diskriminierung von Frauen bei Erb- und Besitzrechten mit ein. Zudem müssten die Frauen Zugang zu Bildung und Arbeit erhalten.

Auch für Marianne Tellenbach von protestantischen HEKS geht die Aidsprävention über die ABC-Diskussion hinaus: "Der Kampf gegen Aids schliesst den Kampf gegen Armut und für das Recht auf Bildung und Zugang zu Medikamenten mit ein." Sie wünscht sich einen Papst, der die wirklichen Bedürfnisse Afrikas, Lateinamerikas und Asiens kenne.

"Kein absurder Kreuzzug"

Sogar der Afrika-Verantwortliche der katholischen Bethlehem-Mission, Thomas Oelhafen, wünscht sich, dass der nächste Papst bei der Aids-Frage eine pragmatischere Haltung annehme und sich am Beispiel der kirchlichen Arbeit vor Ort orientiere.

Offenbar hat die Debatte auch den Vatikan erreicht. So hat der päpstliche Gesundheitsminister, Javier Lozano Barraguan, kürzlich Ehefrauen zugestanden, sich eines Kondoms zu bedienen, um sich vor einer Ansteckung durch ihrem HIV-positiven Ehemann zu schützen. Und der Genfer Kardinal Georges Cottier erklärte jüngst, dass Kondome die Ausbreitung von Aids in Asien und Afrika eindämmen könnten.

"Die Kirche wird keinen absurden Kreuzzug gegen das Präservativ führen", sagte denn auch der Generalsekräter der Schweizer Bischofskonferenz, Agnell Rickenmann gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

(Valérie Favez/sda)

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