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Im Wald... auf dem Holzweg?
publiziert: Donnerstag, 13. Okt 2011 / 09:06 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 13. Okt 2011 / 23:17 Uhr
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Harald Bugmann ist Professor für Waldökologie an der ETH Zürich.
Harald Bugmann ist Professor für Waldökologie an der ETH Zürich.

Abholzung, Übernutzung des Waldes, Bodenerosion? diese Stichworte charakterisieren den Zustand des Waldes in Entwicklungsländern, aber doch nicht denjenigen in der Schweiz! Weit gefehlt ? wenn der Weg in eine CO₂-freie Energiewirtschaft gefunden werden soll, dürfte der Wald auch bei uns wieder unter Druck kommen.

In der Schweiz werden jährlich ungefähr 12 Millionen Tonnen Erdölprodukte verbrannt; bei einem Heizwert von ca. 12 Kilowattstunden pro Kilogramm sind dies etwa 144 Terawattstunden (eine Terawattstunde [TWh] entspricht einer Milliarde Kilowattstunden [kWh]). Falls diese riesigen Zahlen Sie erschrecken, sollten Sie nach Äthiopien oder Bangladesch auswandern, denn dort sind es Grössenordnungen weniger? andernfalls lesen Sie bitte weiter.

AKW aus Holz?

Die Gedanken sind bekanntlich frei, und deshalb gestatte ich mir eine kleine Überschlagsrechnung: Wenn man den gesamten jährlichen Holzzuwachs der Schweizer Wälder (ca. 10 Millionen Kubikmeter, dies entspricht ca. 6 Millionen Tonnen Biomasse) ernten und zur Energiegewinnung einsetzen würde, so wären dies bei einem Heizwert von ca. 4 kWh/kg ungefähr 24 TWh. Die Energie, die im jährlichen Holzzuwachs steckt, entspricht also ziemlich genau einem Sechstel unseres Energieverbrauchs an Erdölprodukten. Immerhin! Es kommt aber noch besser: Im Jahr 2010 lieferten die schweizerischen AKW zusammen ziemlich genau 24 TWh Strom. Wir könnten also mit Energie aus dem Wald die Leistung sämtlicher AKW ersetzen!

Druck auf den Wald wird steigen

Wie eingangs erwähnt, ist dies bloss ein Gedankenspiel. Es wäre wohl wenig vorteilhaft, wenn ein derartiges Szenario umgesetzt würde, denn der Wald erbringt noch viele andere Leistungen, als dass wir ihn ausschliesslich zum Brennholz-Acker umfunktionieren sollten.

Trotzdem zeigen die obigen Zahlen, dass der Wald einen weitaus grösseren Beitrag zur Energieversorgung der Schweiz leisten könnte, als dies derzeit der Fall ist (4.2%). Und ich erwarte, dass die Nutzung von Biomasse aus dem Wald zu Heiz-Zwecken in Zukunft wieder zunehmen wird: Ein Abschalten der Atomkraftwerke, wie es ? mindestens bis zu den natio-nalen Wahlen Ende Oktober ? in der Schweiz fest geplant ist, sowie das Ersetzen aller Erdölprodukte durch erneuerbare Energieträger innerhalb der kommenden Jahrzehnte werden kaum ohne eine massive Steigerung der Nutzung der Schweizer Wälder machbar sein; Nebst der Steigerung der Nutzung vieler anderer erneuerbarer Energiequellen.

Nachhaltige Nutzung geht nur mit fundierter Ausbildung

Eine stärkere Waldnutzung ist ökologisch vertretbar und nachhaltig durchführbar; die Frage ist, was die Gesellschaft will und zu welchen Kompromissen sie bereit ist. Auch Energieholz-Plantagen müssten beispielsweise diskutiert werden dürfen ? Voraussetzung ist allerdings, dass die mit der Waldbewirtschaftung betrauten Personen gut ausgebildet sind, und zwar auf allen Stufen, vom Forstwart über den Revierförster bis zum Kantonsforstingenieur. Ansonsten droht eine Übernutzung des Waldes, wie sie im 18./19. Jahrhundert bereits einmal stattgefunden hat ? die Gründung der ETH diente bekanntlich dazu, die Ausbildung von Ingenieu-ren zu fördern, unter anderem in der Forstwirtschaft, um den desolaten Zustand der Schweizer Wälder zu verbessern. Wir werden auf diese Spezialisten in Zukunft wieder verstärkt angewiesen sein, auch wenn der Wald von alleine zu wachsen scheint.

Das UNO-Jahr des Waldes, das sich langsam dem Ende nähert, ist deshalb nicht nur wichtig im Zusammenhang mit der Abholzung des Tropenwaldes, sondern es ist auch eine Mahnung an uns, den nachhaltigen Umgang mit dem Wald in der Schweiz zu pflegen.

(Prof. Harald Bugmann/ETH-Klimablog)

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