Immer mehr Ausgesteuerte in der Schweiz
publiziert: Freitag, 2. Jan 2004 / 12:39 Uhr

Bern - Viele Menschen in der Schweiz haben auch im neuen Jahr keine Perspektive. Besonders schlimm ist die Lage für die mehreren zehntausend Ausgesteuerten. Rund 2700 Arbeitslose verlieren derzeit pro Monat ihren Anspruch auf die Arbeitslosenentschädigung.

Immer mehr gutqualifizierte Arbeitskräfte müssen zum Arbeitsamt gehen.
Immer mehr gutqualifizierte Arbeitskräfte müssen zum Arbeitsamt gehen.
Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik bei der Gewerkschaftsdachorganisation Travail.Suisse rechnet mit 65 000 Betroffenen zwischen Mitte 2003, als die Bezugsdauer von 520 auf 400 Tage verkürzt worden war, und Mitte 2004.

Erfahrungsgemäss bleibt rund einem Fünftel der Ausgesteuerten nur der Gang zur Fürsorge. Ein Jahr nach der Aussteuerung habe lediglich etwa die Hälfte wieder eine Stelle gefunden, sagt Blank. Von diesen mussten 60 Prozent den Beruf wechseln, und 60 Prozent erlitten Lohneinbussen.

Je länger der Unterbruch seit der letzten Arbeitsstelle dauert, desto schwieriger wird der Wiedereintritt in die Berufswelt, sagt auch Irene Tschopp vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich. Mit ein Grund dafür seien Bedenken der Arbeitgeber, ob bei den Betroffenen der Tagesrhythmus noch stimme.

Anders als früher treffe es heute vermehrt auch gut Qualifizierte. Zu ihnen gehört Erwin Schütz, Initiant der Ausgesteuerten-Treffs in Einsiedeln. Der Hochfrequenz-Spezialist hat selber über 300 Bewerbungen geschrieben - ohne Erfolg.

Eine Qualifikation kann auch eine Behinderung sein, sagt Schütz. Vor einem Vorstellungsgespräch heisse es jeweils bereits, dass seine Lohnansprüche sicher zu hoch seien. Zudem werde er wohl so schnell wie möglich wieder wechseln, sobald er eine bessere Stelle gefunden habe.

Die offiziell ausgewiesene Arbeitslosenzahl von 157 000 oder 4 Prozent sei beschönigend. Seiner Einschätzung nach haben 10 Prozent der Bevölkerung keine Stelle, obwohl sie arbeiten wollten, sagt Schütz.

(rr/sda)

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