Immer mehr Unternehmen führen Vaterschaftsurlaub ein
publiziert: Sonntag, 23. Dez 2007 / 23:23 Uhr

Zürich - Während die Politiker noch zurückhaltend sind, gibt es immer mehr Unternehmen, die den Vaterschaftsurlaub einführen oder verlängern. So gewähren ab Januar Coop, Ciba oder Globus Vätern von Neugeborenen fünf bis zehn Tage Ferien.

Die zur Migros gehörende Warenhauskette Globus wird dem Beispiel ihres Mutterhauses folgen und zwei bezahlte Ferienwochen anbieten.
Die zur Migros gehörende Warenhauskette Globus wird dem Beispiel ihres Mutterhauses folgen und zwei bezahlte Ferienwochen anbieten.
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Im Ausland, besonders in Skandinavien, ist der Vaterschaftsurlaub bereits weit verbreitet. In der Schweiz wird er bislang durch die Erneuerung der Gesamtarbeitsverträge (GAV) eingeführt. Es sei besser, die Frage den Sozialpartnern zu überlassen, sagte Bundesrat Pascal Couchepin am Mittwoch vor dem Ständerat.

Der Ständerat lehnte denn auch die Nationalratsmotion für den Vaterschaftsurlaub mit 21 zu 13 Stimmen ab. Der Ständerat wollte keinen gesetzlich vorgeschriebenen Vaterschaftsurlaub, der über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert wird.

Fünf bis zehn Tage

Obschon die Politiker zögern, wird die Liste der Unternehmen, die vorwärts machen, jedes Jahr länger. Ab Januar gewährt Coop einen bezahlten Urlaub von einer Woche. Bisher betrug er zwei Tage.

Die zur Migros gehörende Warenhauskette Globus wird dem Beispiel ihres Mutterhauses folgen und zwei bezahlte Ferienwochen anbieten. Gleiche Regelungen kennen auch die SBB, Swiss Re oder Swisscom.

Beim Basler Chemiekonzern Ciba haben die frisch gebackenen Väter ab nächstem Jahr Anspruch auf einen Urlaub von fünf Tagen, und bei den Payot-Buchhandlungen dürfen die männlichen Angestellten während den ersten drei Monaten nach der Geburt zehn Tage zu Hause bei ihrem Kind bleiben.

Das Gastronomieunternehmen SV Schweiz gewährt ihren 1500 männlichen Mitarbeitern im Falle von Vaterglück ein bis sechs Urlaubstage. Die Landi-Muttergesellschaft Fenaco und Securitrans, Gemeinschaftsunternehmen von SBB und Securitas, gewähren ihrerseits fünf Tage.

Staatliche Arbeitgeber mit dabei

Arbeitgeber, welche die Aufgabenteilung der Eltern nach der Geburt eines Kindes fördern, findet man aber nicht nur in der Privatwirtschaft. Auch zahlreiche Gemeinden und mehrere Kantone haben den Vaterschaftsurlaub bereits eingeführt - oder haben es für das nächste Jahr vor.

In der Bundesverwaltung wurden auf Initiative von Bundesrätin Doris Leuthard per 1. Januar zwei bis fünf Freitage eingeführt. Die Regelung geht jedoch weniger weit als es die Volkswirtschaftsministerin ursprünglich vorgesehen hatte. Für ihr Departement wollte Leuthard eine bezahlte Woche Urlaub mit zusätzlichem Recht, 20 nicht bezahlte Freitage zu beziehen.

Auch wenn sie es bei einigen Firmen schaffen, den Vaterschaftsurlaub in die GAV einzubeziehen, sind die Gewerkschaften überzeugt, dass ein Gesetz notwendig ist. Die Unternehmen sollen nicht mehr einfach frei über den Vaterschaftsurlaub entscheiden können.

Gleichstellung

Zudem wären alle Väter gleich behandelt, sagte Valérie Borioli Sandoz, verantwortlich für Gleichstellungsfragen beim Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Der Verband hat daher an seiner Versammlung vom 15. Dezember eine Resolution für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von mindestens 20 Tagen beschlossen. Diese Dauer sei realistisch, umso mehr, als der Vorschlag der Gewerkschaft vorsehe, dass der Urlaub in mehreren Tranchen bezogen werden könne, sagte Sandoz.

Zu den grosszügigsten Unternehmen gehören heute die Alternative Bank und die Car-Sharing-Gesellschaft Mobility mit vier Wochen Vaterschaftsurlaub.

Grosser Rückhalt

Eine von der Westschweizer Zeitschrift «L'Hebdo» im Frühling veröffentlichte Umfrage zeigt, dass sich das Anliegen in der Bevölkerung durchsetzt. Rund 80 Prozent der Schweizer befürworten den Vaterschaftsurlaub. Für knapp 60 Prozent der Befragten müsste dieser mindestens einen Monat dauern.

Die 20 Prozent, welche gegen einen Urlaub sind, begründeten es damit, dass es nicht Sache des Staates sei, diesen zu finanzieren oder dass ein solcher zu viel koste und daher der Wirtschaft schade.

(von Dorine Kouyoumdjian/sda)

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