In einer Woche vom Frage- zum Ausrufezeichen
publiziert: Montag, 23. Jan 2006 / 07:22 Uhr / aktualisiert: Montag, 23. Jan 2006 / 08:55 Uhr

Vor dem Australian Open war sie das grosse Fragezeichen, jetzt ist sie das grosse Ausrufezeichen: Martina Hingis überzeugte in der ersten Woche die Kritiker und wird schon als Mitfavoritin gehandelt.

Martina Hingis hat Hunger auf Tennis.
Martina Hingis hat Hunger auf Tennis.
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Die 25-jährige Ostschweizerin steigt heute gegen Samantha Stosur (09.30, live SF 2) in die zweite Woche, bereits in der Nacht auf heute stand Patty Schnyder gegen Anastasia Myskina (Russ/12) im Achtelfinal-Einsatz.

Von 151:1 zu 4,15:1

Vor Weihnachten, kurz nach Bekanntgabe ihres Comebacks, stand die Quote für einen Hingis-Turniersieg bei «TAB» 151:1, nach der ersten Woche bekommen die Wetter für einen Erfolg der Schweizerin nur noch 4,15:1. Knapp höher eingeschätzt wird nur noch Justine Henin-Hardenne (4), Hingis wird aber mehr zugetraut als Maria Scharapowa (5), Kim Clijsters und Lindsay Davenport (je 6) oder Amélie Mauresmo (8).

Wenn auch diese Einschätzung gar optimistisch erscheint, so hat Martina Hingis bisher doch alles richtig gemacht. Die letzte Widersacherin, die sich davon überzeugen musste, war am Samstag Iveta Benesova (WTA 42) in einer der wenigen Partien, die unter freiem Himmel ausgetragen wurden. Die 22-jährige Tschechin, die in der Runde zuvor sensationell Mary Pierce eliminiert hatte, ging dank kraftvollem Grundlinienspiel 3:1 in Führung und hatte in der ersten Spielphase mindestens gleich viele Anteile wie Hingis. Erst als sie bei 4:4 der Schweizerin das Game mit drei Doppelfehlern «schenkte», begann die Dominanz von Hingis, die letztlich souverän 6:4, 6:1 siegte -- und sich enorm über den Sieg freute: «Ich habe im Moment grossen Hunger aufs Tennis. Ich fühle mich wie ein Rookie und es macht sehr viel Spass.»

Alte Brillanz

Auf dem Weg in ihren 25. Major-Achtelfinal hat sie damit ihren Gegnerinnen nur gerade zehn Games konzediert. Ihre vielen Fans hat sie mit altbekanntem Spielwitz und Präzision ebenso begeistert wie mit zahlreichen Netzvorstössen und deutlich verbesserten Aufschlägen von bis zu 180 Stundenkilometern. Diese einstige massive Schwäche könnte sich bald zu einer echten Trumpfkarte im ohnehin grössten Repertoire des Frauentennis entwickeln.

Mindestens eine Runde lang sollte die Herrlichkeit noch andauern. Samantha Stosur (WTA 98), die letzte Hoffnung der Gastgeber in der 2. Woche, hat zwar in der 2. Runde Ana Ivanovic bezwungen, setzte sich aber am Samstag in einer der schwächsten «Night Sessions» der Turniergeschichte wohl nur durch, weil Sybille Bammer (Ö, WTA 72) noch schwächer war. Die Australierin wird sich monumental steigern müssen, um gegen Hingis bestehen zu können. Hingis bleibt aber vorsichtig: «Stosur ist ein harter Brocken, aber nicht unmöglich.»

Test gegen Clijsters oder Schiavone

Im Viertelfinal käme es gegen Kim Clijsters (Be/2) oder Francesca Schiavone (It/15) zum ultimativen Test. Sollte Hingis auch den bestehen, wäre sie wirklich eine ernsthafte Aspirantin auf ihren vierten Melbourne-Titel. Damit wäre ihr auch der Preis für das grösste Comeback im Frauentennis sicher: Dieser gebührt bisher Monica Seles. Die gebürtige Serbin hatte zweieinhalb Jahre nach dem Messerattentat von Hamburg in New York in ihrem ersten Major seit der Rückkehr das Endspiel erreicht.

Schnyder im Schatten

Während die Schlagzeilen bisher fast ausnahmslos Hingis gehörten, ist auch Patty Schnyder durch das 6:2, 6:3 gegen Aiko Nakamura (WTA 59) ohne Satzverlust in die zweite Woche eingezogen. «Ich bin bereit für grosse Aufgaben», analysierte die Weltnummer 8 nach dem klaren Sieg im Indoor-Spiel und der damit verbundenen siebten Qualifikation für die zweite Melbourne-Woche.

Dass sie Appetit auf grosse Fische hat, zeigte Schnyder am Sonntag bei einem Abstecher ins Aquarium. Sie liess es sich nicht nehmen, ins Becken mit Haien und Rochen zu steigen und etwa eine Viertelstunde im Nass zu schwimmen. «Genial, das hat viel Spass gemacht», so Schnyder, «und so konnte ich auch gut abschalten.» Gegen Myskina stand sie vor dem Achtelfinal mit einer 2:2-Bilanz zu Buche, setzte sich dann doch in 55 Minuten 6:2, 6:1 durch und trifft nun auf Amélie Mauresmo (Fr/3).

Zwei Knüller...

In der oberen Tableauhälfte geht es mit den Viertelfinals so richtig los: Die Weltnummer 1 Lindsay Davenport (6:2, 6:4 gegen Swetlana Kusnezowa) wird von Justine Henin-Hardenne (6:3, 6:0 gegen Virginia Ruano Pascual) gefordert, Maria Scharapowa (6:4, 6:4 gegen Daniela Hantuchova) von Nadja Petrowa (6:3, 6:1 gegen Jelena Wesnina).

... und ein Hitzeopfer

Die meisten Frauen-Partien wurden zwar indoor ausgetragen, dennoch forderte die Hitze ein Opfer. Die zweitjüngste Spielerin des Turniers, Michaella Krajicek, musste am Samstag gegen Amélie Mauresmo nach dem Startsatz wegen Hitzestaus aufgeben. «Ich muss noch lernen, wie ich mit solchen Dingen umzugehen», so die talentierte Halbschwester des einstigen Spitzenspielers Richard, die Pech hatte, dass das Dach erst nachher geschlossen wurde.

(Marco Keller, Melbourne/Si)

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