Keine Besserung der Unterernährung
Indien: Soziale Probleme bleiben trotz Wirtschaftsboom
publiziert: Freitag, 11. Mrz 2011 / 23:59 Uhr
Indisches Kind an einer Handpumpe.
Indisches Kind an einer Handpumpe.

Cambridge/Wien - Boomt die Wirtschaft in einem Entwicklungsland, so heisst das noch nicht, dass sich deshalb automatisch Gesundheitsprobleme von Kindern bessern. In der Zeitschrift «PloS Medicine» berichten Forscher, dass der wirtschaftliche Aufstieg Indiens in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Situation der unterernährten Kinder nicht bessern konnte. Direkte Investitionen in Gesundheitsprogramme seien deshalb unumgänglich.

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Die Experten beziehen ihre Ergebnisse aus drei nationalen Gesundheitserhebungen, die Indien 1993, 1999 und schliesslich 2006 durchgeführt hat. Bei jeweils über 20.000 Kindern, die repräsentativ aus allen Bundesstaaten ausgewählt wurden, wurden dabei Alter, Gewicht und Körperhöhe gemessen. Das Verhältnis dieser drei Messgrössen ist für die WHO das entscheidende Kriterium, um die Ernährung, Gesundheit und Entwicklung von Kindern festzustellen.

Innerhalb der 13 Beobachtungsjahre sank in Indien das Kleinkinder-Untergewicht von 49,1 Prozent auf 40,2 Prozent, auch der Anteil der zu klein Gewachsenen ging zurück. Der Anteil jener mit ungünstigem Verhältnis von Körpergrösse und Gewicht stagnierte jedoch - der 1993er-Wert von 24 Prozent schwand bis 2006 nur auf 22 Prozent. In derselben Periode wuchs die indische Wirtschaft um sieben bis neun Prozent pro Jahr. Die Auswertung der einzelnen Bundesstaaten bewies, dass zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Gesundheit der Kinder kein Zusammenhang bestand.

Folgen für das ganze Leben

Silvia Trsek, Sprecherin von UNICEF Österreich, bestätigt gegenüber pressetext die Ergebnisse. «Von Unterernährung sind in Indien speziell die ärmsten Kasten und die Minoritäten in ländlichen Regionen betroffen. Sie werden vom Wirtschaftswachstum nicht erreicht, weshalb es spezielle Programme braucht, um ihre Situation zu verbessern.»

Mangelernährung und seine Erscheinungsformen haben langfristige Folgen für Kinder. Geringe altersbezogene Körpergrösse, die auch durch Infektionen bedingt sein kann, tritt besonders bei Kindern unter zwei Jahren auf. Sie führt zur verzögerten motorischen Entwicklung, zu beeinträchtigten kognitiven Funktionen und zu schlechten Schulleistungen. Niedriges auf die Körperhöhe bezogenes Gewicht ist bei Kleinkindern hingegen stark mit ihrer Sterblichkeitsrate verknüpft. Es ist meist die Folge von starken Nahrungsmittel-Knappheiten oder von Krankheiten. In 24 Entwicklungsländern leiden heute mehr als zehn Prozent der Kinder daran.

(dyn/pte)

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