Bundesverwaltungsgericht erklärt Regelung für zulässig
Indirekte Diskriminierung von Frauen bei der SBB gerechtfertigt
publiziert: Donnerstag, 19. Mai 2016 / 14:20 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 19. Mai 2016 / 14:40 Uhr
Die Bestimmung der SBB besagt, dass bei Abwesenheiten wegen Urlaub, Dienst oder Krankheit von länger als einem halben Jahr keine Lohnmassnahmen möglich sind. (Archivbild)
Die Bestimmung der SBB besagt, dass bei Abwesenheiten wegen Urlaub, Dienst oder Krankheit von länger als einem halben Jahr keine Lohnmassnahmen möglich sind. (Archivbild)

St. Gallen - Für eine lohnrelevante Mitarbeiterbeurteilung müssen SBB-Angestellte mindestens sechs Monate eines Jahres gearbeitet haben. Das gilt auch für Frauen, die im Mutterschaftsurlaub waren. Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Regelung für zulässig erklärt.

2 Meldungen im Zusammenhang
Die Regelung stelle zwar eine indirekte Geschlechterdiskriminierung dar. Sachlich sei diese aber gerechtfertigt und damit zulässig, entschied das Gericht in einer öffentlichen Beratung.

Im konkreten Fall arbeitete eine Zugbegleiterin im Jahr 2010 während 306 Arbeitstagen nicht. 61 Tage davon war sie krank, 101 Tage hatte sie Mutterschaftsurlaub und 144 Tage vor der Geburt durfte sie aus Gesundheitsgründen nicht arbeiten. Die SBB fand für diese letzte Phase vor der Niederkunft keinen anderen Einsatzort für die Frau.

Im Jahr 2013 fehlte die Angestellte 122 Tage aufgrund des zweiten Mutterschaftsurlaubs und 65 Tage wegen Krankheit. Weil die SBB in ihrem Reglement vorsieht, dass eine lohnrelevante Beurteilung nur durchgeführt werden kann, wenn eine angestellte Person mindestens die Hälfte eines Kalenderjahres gearbeitet hat, erhielt die Frau in den Jahren 2011 und 2014 keine Lohnerhöhung.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte aufgrund einer Beschwerde der Betroffenen zu prüfen, ob die Regelung der SBB eine Geschlechterdiskriminierung darstellt. Die entsprechende Bestimmung der SBB besagt, dass bei Abwesenheiten wegen Urlaub, Dienst oder Krankheit von länger als einem halben Jahr keine Lohnmassnahmen möglich sind. Der Mutterschaftsurlaub wird in dieser Regelung nicht explizit aufgeführt.

Gemäss Gleichstellungsgesetz verboten

Das Bundesverwaltungsgericht kam mit drei zu zwei Stimmen zum Schluss, dass die Berücksichtigung des Mutterschaftsurlaubs bei der lohnrelevanten Anwesenheitsregelung eine indirekte Diskriminierung darstellt. Mit der Bestimmung würden Frauen aufgrund einer Mutterschaft diskriminiert, was das Gleichstellungsgesetz verbietet.

Eine wiederum knappe Mehrheit von drei zu zwei Richtern war jedoch der Ansicht, dass diese Ungleichbehandlung sachlich gerechtfertigt und damit zulässig ist. Das Gericht wies die Beschwerde der SBB-Angestellten deshalb ab.

Die Beurteilung einer angestellten Person ist gemäss Gericht nur möglich, wenn sie auch gearbeitet hat. Eine Mindestdauer dafür festzulegen, sei geeignet und notwendig.

Bei einer Mindestdauer von sechs Monaten verbleibe Frauen, die einen Mutterschaftsurlaub hinter sich hätten, ein Rest an möglicher Absenzzeit. Allein die Mutterschaft führe somit nicht dazu, dass keine lohnrelevante Beurteilung mehr stattfinden könne.

Andere Begründung

Eine Richterin beantragte die Gutheissung der Beschwerde aus anderen Gründen. Sie führte aus, dass der Angestellten nicht zu Lasten gelegt werden könne, dass ihr Arbeitgeber während der ersten Schwangerschaft für die 144 Tage vor der Geburt keine geeignete Stelle für sie gefunden habe.

Zudem sei im Jahr 2013 durchaus eine Mitarbeiterbeurteilung gemacht worden. Das zeige, dass dies auch bei einer Anwesenheit von weniger als einem halben Jahr möglich sei. Die SBB sei deshalb rechtsmissbräuchlich vorgegangen.

Auf diesen Antrag trat das Bundesverwaltungsgericht jedoch nicht ein. Es begründete den Entscheid damit, dass dies aus prozessualen Gründen nicht möglich sei. Die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht sei aufgrund der Geschlechterdiskriminierung möglich gewesen.

(arc/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Nachdem der Nationalrat die Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs ... mehr lesen
Ein Vaterschaftsurlaub trage auch zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei.
Der geforderte Elternurlaub soll gesetzlich geregelt und bezahlt werden. (Symbolbild)
Bern - Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen (EKF) fordert die Einführung eines gesetzlich geregelten und bezahlten 24-wöchigen Elternurlaubs. Ein Teil davon soll verbindlich für ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Das Ausstellen einer Rechnung ist in der Schweiz rechtlich genau geregelt. Besonders Jungunternehmer und Startups sehen sich zu Beginn mit einer grossen Zahl verschiedener Anforderungen in diesem Bereich konfrontiert. Dabei herrscht Unklarheit darüber, welche Fallstricke tatsächlich beachtet werden müssen, um ein gesetzlich gültiges Papier abzugeben. Wir haben den Fokus deshalb auf die wichtigsten Grundlagen gelegt, die es zu beachten gilt. mehr lesen 
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt ... mehr lesen  
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, ... mehr lesen 3
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 9°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
Basel 12°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wechselnd bewölkt
St. Gallen 8°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
Bern 11°C 16°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern 12°C 19°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 13°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 15°C 17°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten