Indonesier sollen anders kochen lernen
publiziert: Dienstag, 25. Sep 2007 / 15:20 Uhr

Jakarta - Een Toni steht jeden Tag mit hundert anderen Hausfrauen Schlange, um Kerosin für ihren Herd zu kaufen. Immer öfter kehrt sie mit einem leeren Kanister zurück. Der Nachschub an Brennstoff in der indonesischen Landeshauptstadt Jakarta wurde stark zurückgefahren: Die Regierung will die Bevölkerung dazu bewegen, stattdessen mit Erdgas zu kochen.

Vielen Indonesiern ist der Gasherd schlicht zu gefährlich.
Vielen Indonesiern ist der Gasherd schlicht zu gefährlich.
Kerosin ist in den Küchen vieler Entwicklungsländern der beliebteste Brennstoff und wurde in Indonesien über Jahrzehnte subventioniert, um für die Armen erschwinglich zu bleiben.

Nun will die Regierung 2,7 Milliarden Euro pro Jahr einsparen, indem sie die 235 Millionen Bewohner zum Umdenken bringt.

Mit einem Export des normalerweise als Flugzeugtreibstoff eingesetzten Kerosins könnte das Land sogar Geld verdienen.

Bewusstsein schärfen

Theoretisch ist die Umstellung ganz einfach, denn Gas ist billiger und einfacher zu verwenden.

Ausserdem ist es umweltfreundlicher, da keine Dämpfe oder Rauch und weniger Kohlendioxid abgegeben werden.

Doch längst nicht alle Indonesier sind überzeugt, da wenig dafür getan wurde, das Bewusstsein der Menschen zu schärfen.

Angst vor Explosionen

Den armen Haushalten wurde zwar ein Ofen sowie eine kleine Ration Gas als Startguthaben versprochen, die Schlagzeilen beherrschte dann aber ein von einem Gastank ausgelöstes Feuer in einem Slum.

«Ich werde kein Gas benutzen», sagt Toni, trotz stundenlangen Wartens in brütender Hitze. «Es ist teuer und ich habe Angst, das ich wegen eines Lecks in die Luft fliege.»

Indonesien, das Land mit der viertgrössten Bevölkerung der Welt, ist seit der Finanzkrise 1997 in einer ökonomischen Schieflage. Die Krise hatte zum Sturz des Machthabers Suharto und grösserer politischer Freiheit geführt.

Grosser Erdgasexporteur

Zwar ist Indonesien Südostasiens einziges Mitglied in der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und einer der weltgrössten Erdgasexporteure. Doch auf Grund alternder Ölfelder und der Abnahme von Investitionen in Schürfrechte muss das Land Öl importieren.

Als die internationalen Ölpreise 2005 in die Höhe schossen, war die Regierung gezwungen, die Subventionen drastisch zu kürzen, die den Staat ungefähr ein Viertel seines Haushalts gekostet hatten.

Obwohl sich die Gas- und Ölpreise über Nacht beinahe verdoppelten, verstanden die meisten Menschen, dass dieser Schritt nötig war, um eine weitere Krise zu verhindern. Eine Verdreifachung des Kerosinpreises auf 23 US-Cent pro Liter wog allerdings schwerer: Sie traf den ärmsten Teil der Bevölkerung.

«Totale Verschwendung»

In der Hauptstadt stiegen die Preise im Laufe der vergangenen Wochen dann auf 50 US-Cent, da die Regierung durch die Verknappung des Angebotes die Menschen zu einem Wechsel auf Gas zwingen will.

«Es ist eine totale Verschwendung, mit Treibstoff für Flugzeugturbinen zu kochen», sagte Vizepräsident Jusuf Kalla.

Im Mai begannen die Behörden im Grossraum Jakarta mit der Verteilung von kostenlosen Öfen und Gasrationen. Noch bis Jahresende soll die Aktion auf andere Regionen des Landes ausgeweitet werden.

Töchter sollen kochen

Nicht jeder beschwert sich. Die 48-jährige Rohana gibt zu, dass auch sie anfangs skeptisch war. Doch eine Woche nachdem sie ihren Ofen und die Gasration erhalten hatte, sah sie vieles anders.

«Es stellt sich als viel sparsamer heraus», sagt die vierfache Mutter. Normalerweise gab sie 17 Euro im Monat für Kerosin aus, jetzt rechnet sie mit weniger als 4,25 Euro pro Monat für Gas.

«Ich habe allerdings immer noch Angst davor, den Gasherd anzustellen», fügt sie hinzu. «Im Moment lasse ich meine Töchter das Kochen übernehmen.»

(rr/AP)

 
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