Ineffiziente Suchtpolitik des Bundes?
publiziert: Mittwoch, 9. Jun 2004 / 17:52 Uhr

Bern - Die aktuelle Suchtpolitik des Bundes ist laut einer Studie inkohärent und zu wenig wirksam. Alkohol und Tabak müssten bei der Suchtbekämpfung gegenüber illegalen Drogen grösseres Gewicht erhalten.

Nicht Alkohol- sondern Tabaksucht sei das Hauptproblem.
Nicht Alkohol- sondern Tabaksucht sei das Hauptproblem.
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Der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Auftrag gegebene Bericht soll dem Amt bei der Erarbeitung einer neuen Suchtpolitik dienen. Diese dürfte die Tabak- und Alkoholsucht ins Zentrum stellen: Der Bericht kritisiert die Aufteilung in illegale und legale Drogen sowie die Priorisierung der illegalen Drogen.

Den grössten Handlungsbedarf sehen die Autoren bei der Tabaksucht, von der in der Schweiz über eine Million Menschen betroffen sind. Auch beim Alkoholmissbrauch mit über 100 000 Betroffenen wird der Handlungsbedarf als gross eingestuft.

Staatliche Suchtpolitik

Erst in zweiter Priorität sollte sich die staatliche Suchtpolitik demnach mit Problemen beschäftigen, die sich durch den Missbrauch von Heroin, Cannabis, Medikamenten, Adipositas (Fettsucht) sowie Spiel-, Kauf- und Arbeitssucht ergeben.

Die fachliche Perspektive stehe im Widerspruch zur Sichtweise in der Öffentlichkeit, die den Konsum von illegalen Drogen in den Vordergrund stelle, stellen die Autoren fest. Diese selektive Wahrnehmung widerspiegle sich auch in der Politik

Massnahmen nicht abgestimmt

Kritisiert werden aber nicht nur die Prioritäten. Die Massnahmen in den einzelnen Bereichen seien nicht aufeinander abgestimmt und teilweise widersprüchlich, heisst es weiter. Auch sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis von einzelnen Massnahmen fragwürdig.

Dem Bundesamt für Gesundheit wird empfohlen, ein nationales suchtpolitisches Leitbild zu entwickeln. Weiter soll es angebotslenkende Massnahmen wie Steuern und Werbeverbote verstärken. Das Instrumentarium sei bei den legalen Substanzen noch längst nicht ausgeschöpft, steht im Bericht.

(bsk/sda)

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