Ingmar Bergman lässt sich nur diskret feiern
publiziert: Donnerstag, 10. Jul 2003 / 09:39 Uhr

Stockholm - Mit Festreden feiern lassen will sich Ingmar Bergman auch zu seinem 85. Geburtstag nicht. Man werde ihm am 14. Juli "ausgesprochen diskret" gratulieren müssen.

Ingmar Bergman ärgert sich über Damenbinden-Werbung.
Ingmar Bergman ärgert sich über Damenbinden-Werbung.
So hiess es aus dem Stockholmer "Dramaten", wo Bergman weiter regelmässig inszeniert.

Dafür, aber vorzugsweise auch nur dafür, verlässt der Pastorensohn aus Uppsala sein Domizil auf der kleinen Ostseeinsel Färö vor der Nordspitze von Gotland.

Hier sieht sich der Schöpfer von "Das Schweigen", "Szenen einer Ehe", "Fanny und Alexander" und anderen Welterfolgen in seinem Heimkino täglich Filme an, schreibt Bücher und empfängt Besuch von seiner nach sechs Ehen und acht Kindern weit verzweigten Familie.

Ullmanns "Saraband"

In diesem Jahr kam Bergmans Ex-Lebensgefährtin Liv Ullmann (64) gleich mit einer ganzen Filmcrew zum Arbeiten nach Färö.

Ein Teil von "Saraband", wurde hier gedreht, bei dem der Träger der "Palme aller goldenen Palmen" von Cannes (1997) zum ersten Mal seit knapp 20 Jahren wieder Regie geführt hat.

Ullmann ist sich sicher, dass die Fortsetzungsgeschichte von "Szenen einer Ehe" (1973) mit ihrem damaligen Partner Erland Josephson (80) in der männlichen Hauptrolle nun der endgültig letzte Bergman-Film sein wird.

"Die Art, wie er am letzten Tag war und sich verabschiedet hat, das war nicht nur ein Abschied, weil der Film abgedreht war.

Er verabschiedete sich in einer Weise, dass ich wusste, er wollte sagen, nun habe ich das letzte Mal ein Filmset als Regisseur verlassen."

Im Herbst können sich Kino-Besucher und TV-Zuschauer selbst ein Bild machen, ob Bergman wie bei seinen in den letzten anderthalb Jahrzehnten produzierten Büchern und Filmmanuskripten "milder" geworden ist.

"Persona"

Wie es früher war, als der Schwede in Filmen wie "Lächeln einer Sommernacht" (1955), "Jungfrauenquelle" (1959) oder "Persona" (1966) traumatische Kindheitserlebnisse zu höchst schmerzhaften Leinwanderlebnissen über Verlassenheit, Schuld und Sühne verarbeitete, beschreibt Liv Ullmann so: "Beim Frühstück hat er mir seinen letzten Albtraum erzählt. Ich dachte, oh Gott, in dem Film werde ich dann demnächst mitspielen."

Die öffentlichen Auftritten aller Art nie abgeneigte Norwegerin fuhr 1997 auch im Auftrag ihres Ex-Lebensgefährten nach Cannes, um statt seiner den vielleicht ehrenvollsten Filmpreis überhaupt in Empfang zu nehmen.

Kollegen wie Martin Scorsese, Robert Altman, die Brüder Taviani, Michelangelo Antonioni, Francis Ford Coppola und Wim Wenders hatten Bergman zum besten Regisseur aller Zeiten gewählt und wollten den Meister des psychologischen Dramas mit der "Palme aller Goldenen Palmen" feiern. Bergman aber blieb auf Färö.

Körperlich frisch

Nach Stockholm immerhin bewegte sich der Meister dieses Jahr schon zwei Mal - zu Preisverleihungen. Erst verlieh er seinem 78-jährigen Landsmann und Kollegen Vilgot Sjöberg den von ihm selbst gestifteten Bergman-Preis, weil Sjöberg so verbissen gegen Werbeunterbrechungen seiner Filme im Fernsehen kämpft.

"Wenn ein Film im TV von Empfehlungen für Mahlzeiten, Motorrädern und Damenbinden unterbrochen wird, gerate ich in Zorn, mein Blutdruck steigt, und mich trifft ein emotionaler Schock. Ich fühle mich beleidigt und misshandelt", sagte Bergman bei der Verleihung.

Im Juni fuhr Bergman wieder in die Hauptstadt, diesmal, um den Preis der internationalen Filmarchivar-Organisation für seinen sehr aktiven Beitrag zur Bewahrung alter Filme in Empfang zu nehmen.

Dabei berichtete der hager gewordene, aber körperlich frisch wirkende Bergman, in seinem Privatkino sehe er sich am liebsten alte Filme an, stosse aber mitunter auf Widerstand: "Meinen Kindern schmeckt das überhaupt nicht, wenn sie zu mir zu Besuch kommen. Die wollen lieber den letzten Streifen von Clint Eastwood sehen."

(Thomas Borchert/dpa)

 
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