Insekten-Schmaus statt Rollschinkli?
publiziert: Samstag, 30. Jan 2016 / 22:30 Uhr

Die Feiertage rücken näher und bescheren vielen eine reich gedeckte Tafel. Traditionell hoch im Kurs stehen Fondue Chinoise und Rollschinkli. Niemand käme hierzulande auf die Idee, Larven, Käfer oder Zikaden zu servieren. In anderen Kulturen gelten Insekten aber als Delikatessen. Warum auch wir sie als Nahrungsquelle in Betracht ziehen sollten.

Eiweisse (Proteine) sind essentiell für den menschlichen Organismus: Wir brauchen sie unter anderem für den Zellaufbau und ein funktionierendes Immunsystem. Für unsere Ernährung können wir zwischen tierischen oder pflanzlichen Eiweissquellen wählen. In den letzten Jahren ist aber die globale Nachfrage für tierisches Eiweiss besonders gestiegen. Tierische Proteine sind zwar sehr wertvoll für den menschlichen Organismus, doch um Fleisch herzustellen, nehmen wir teilweise drastische negative Auswirkungen in Kauf. Vor allem die Massentierhaltung mit ihren hohen Belastungen für Tier (Stress, Krankheitsanfälligkeit) und Umwelt (Futtermittelverbrauch, Treibhausgase) kann einem den Genuss des Rollschinklis vermiesen. Die Suche nach tierischen Eiweissquellen, die umweltfreundlicher produziert werden können, wird deshalb immer dringlicher.

Alternative Nahrungsquellen sind gefragt

Insekten essen ist in vielen Kulturkreisen nichts Ungewöhnliches - bereits heute haben bis zu zwei Milliarden Menschen Insekten auf ihrem Speiseplan. Die kleinen Krabbeltierchen werden jedoch selten aus Mangel anderer Nahrungsquellen verzehrt, sondern vielmehr als Ergänzung verstanden. So galt auch bei uns die Maikäfersuppe bis ins 18. Jahrhundert als eine saisonale Delikatesse - wenn auch nicht zu Weihnachten. Tatsächlich unterstreichen einige Studien die hohen Nährstoffwerte vieler Insekten. Die Welternährungsorganisation FAO hat in ihrem Bericht «Humans Bite Back» bereits 1400 verschiedene Insektenarten als für den Menschen essbar eingestuft. Dazu zählen Heuschrecken und Grillen ebenso wie Bienen und Libellen.

Proteine aus der Insekten-Farm

Die Idee, Insekten als Eiweissquelle für unsere Ernährung zu verwenden, ist also auch hierzulande alles andere als neu. Interessant ist auch, dass die industrielle Produktion von Insekten in den letzten Jahren vermehrt erforscht wird. Das Ziel: alternative hochwertige Eiweissquellen zu produzieren. Die Erwartungen sind gross, weil Insekten deutliche Effizienzsteigerungen versprechen. Tatsächlich braucht die Produktion von 1 kg Insekten rund 2 kg Futter. Bei Rindfleisch beträgt dieses Verhältnis ungefähr eins zu acht. Ebenso benötigen Insekten weniger Wasser und Platz als Rinder.

Futtermehl aus Würmern?

Bevor wir aber Christstollen mit kandierten Heuschrecken und Mehlwurmmehl im Detailhandel kaufen können, müssen noch einige technische sowie rechtliche Fragen geklärt werden. Zum Beispiel welche Insektenarten sich überhaupt für eine Züchtung im grossen Stil eignen, und wie die Krankheitskontrolle in derartigen Systemen aussehen kann. Zudem können viele potenzielle Zucht-Insekten nicht einfach jede Art von Abfall aus der Biotonne fressen, sondern benötigen je nach Spezies auch hochwertige Nahrung. Weiter stellt sich die rechtliche Frage, ob Insekten oder Produkte aus Insekten überhaupt als Lebensmittel angeboten werden dürfen.

Im Schweizer Lebensmittelrecht sind Insekten derzeit nicht als Lebensmittel definiert. Zwar kann man für einzelne Anlässe Bewilligungen einholen, für die regelmässige Vermarktung wurde aber bisher noch keine Erlaubnis erteilt. Dies könnte sich nun bald ändern, da bis 2016 geplant ist, Insekten in die Lebensmittelverordnung mitaufzunehmen. Doch sind Insekten nicht nur für den menschlichen Konsum geeignet. Auch als Ersatzstoffe für Tierfuttermittel, die bisher vor allem auf Tier- und Fischmehl basieren, könnten Insekten eine interessante Alternative darstellen.

Würden Sie ein Regenwurm-Vermicelles essen?

Unsicher ist zudem, wie gross die Akzeptanz von Insekten als Nahrungsmittel sein wird. Schliesslich wurden wir erzogen, sie mit verdorbenem Essen zu assoziieren. Wer seine Abneigung jedoch überwindet und selbst mal eine Handvoll knusprig frittierter Mehlwürmer kostet, stellt rasch fest, welch nahrhafte und köstliche Delikatesse das ist - reichen Sie diese doch zum Apéro am Stephanstag.

( Doktorand Klaus Jarosch/ETH-Zukunftsblog)

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