Internet-Foren und Radiobeiträge gefälscht
publiziert: Freitag, 29. Mai 2009 / 09:52 Uhr / aktualisiert: Freitag, 29. Mai 2009 / 12:38 Uhr

Berlin - Die durch Bespitzelungen und Datenaffären stark in die Kritik geratene Deutsche Bahn AG soll die Öffentlichkeit bewusst mit verdeckter PR an der Nase herum geführt haben und sogar Internet-Foren verfälscht haben.

Offenbar wurden rund 1,3 Mio. Euro aufgewendet, um die Öffentlichkeit zu täuschen.
Offenbar wurden rund 1,3 Mio. Euro aufgewendet, um die Öffentlichkeit zu täuschen.
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Einem Bericht des Spiegels zufolge soll sich das Unternehmen zudem mit bezahlten Radiobeiträgen bemüht haben, sein angekratztes Image aufzupolieren.

Weil der Schuss aber scheinbar nach hinten losgegangen ist, hat der Mehdorn-Nachfolger, Bahn-Chef Rüdiger Grube, bereits eine Sonderprüfung in Auftrag gegeben. Unternehmens- und Imageberater kritisieren vor allem den Kundenumgang.

Praxis auch anderer Konzerne

«Diese Praxis, wie sie nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch andere Konzerne betreiben, ist typisch für die Managerkaste unserer heutigen Zeit. Diese setzt sich ohne jegliche Skrupel nicht nur über geltende gesellschaftliche, sondern auch über gesetzliche Vorschriften hinweg. Das Motiv der Gier - und das hat vor allem die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich gezeigt - ist dabei als verklärte Antriebsfeder zu sehen», kritisiert Unternehmensberater Bernd Höhne.

Laut dem Fachmann hat die Bahn bereits zum wiederholten Mal das Kundenvertrauen gebrochen. «Kunden sind bei Skandalen, wo am Ende heraus kommt, dass verdeckte PR betrieben wurde, sehr sensibel und meiden Unternehmen.»

Verblüffendes Ergebnis

Mit der Einschätzung ist Höhne jedoch nicht allein. Den Stein ins Rollen bei der Bahn brachte eine Anfrage des deutschen PR-kritischen Vereins LobbyControl. Daraufhin hatte Grube bereits am 19. Mai Hinweise über entsprechende Aktivitäten erhalten und nur einen Tag danach die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer entsprechenden Sonderprüfung beauftragt.

Das vorläufige Ergebnis verblüfft selbst Hartgesottene. Allein 2007 hat das Bahn-Management etwa 1,3 Mio. Euro aufgewendet, um die Öffentlichkeit mit bezahlten Beiträgen in Radioprogrammen und Internet-Foren bewusst zu täuschen. Brisantes Detail: Es war nicht erkennbar, dass die Bahn der Auftraggeber war.

Spreadsheet-Akrobatik

«In Konzernen wie der Deutschen Bahn hat sich unter Ausnutzung der Rahmenbedingungen ein Berufsstand etabliert, der nicht nur die Grundsätze der Personalführung verletzt, sondern auch unfähig ist, Personal richtig zu führen», sagt Höhne auf Nachfrage. Statt Mitarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes zu führen, sie zu motivieren und letztendlich zum bereitwilligen Folgen zu animieren, unterliegen viele Manager einer fatalen Fehleinschätzung, sagt Höhne weiter. Diese bezieht sich dem Experten nach vor allem darauf, dass Angestellte vom Management in rein zahlentechnischen Erhebungssystemen erfasst werden. «Dies führt unweigerlich dazu, dass wir es nur noch mit Spreadsheet-Akrobaten zu tun haben», so Höhne.

Der neue Bahn-Chef Grube will ausbügeln, was noch möglich ist und machte deutlich, dass er derartige Methoden nicht dulden werde. Auch drohte Grube personelle Konsequenzen an, um Wiederholungsfälle auszuschliessen. Bereits die Datenschutzaffäre hatte in der Bahn zu einem umfangreichen Management-Umbau geführt. Der vormalige Daimler-Manager trennte sich im Zuge der Umstrukturierungen von mehreren Vorständen und präsentierte vergangene Woche sein neues Führungsgespann. Der unter Mehdorns Führung vorbereitete Börsengang der Bahn liegt erst einmal auf Eis, so Grube. Dies sei erst dann geplant, «wenn die Bedingungen dafür gut sind», unterstrich der Manager beim Weltverkehrsforum in Leipzig.

(ht/pte)

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