Internet-Tauschbörsen: Filesharing im Überblick
publiziert: Sonntag, 27. Aug 2006 / 16:56 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 27. Aug 2006 / 20:48 Uhr

Kazaa in die Knie gezwungen, LimeWire unter Anklage - das sind die neuesten Highlights im Kampf der Musikindustrie gegen illegales Filesharing.

Der illegale Musik-Download ist nach wie vor beliebt.
Der illegale Musik-Download ist nach wie vor beliebt.
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Umsatz-Einbussen in Milliardenhöhe, jahrelang schwache Musik-Verkaufszahlen - Schuld daran sollen die Internet-Tauschbörsen und deren mit nur mangelndem Unrechtsbewusstsein ausgestatteten Nutzer haben.

Kritische Stimmen merken zwar an, die Musikindustrie habe die Zeichen der Zeit ignoriert, zu lange auf veraltete Geschäftsmodelle gesetzt und es jahrelang versäumt, einen funktionierenden legalen Online-Musik-Vertrieb auf die Beine zu stellen. Dennoch bleibt die Tatsache, dass sich der illegale Austausch von urheberrechtlich geschüzter Musik nach wie vor grosser Beliebtheit erfreut.

Weitere Leidtragende

Die Musikindustrie gilt zwar als am stärksten geschädigt - geschätzte drei Viertel des Tauschbörsen-Verkehrs sind Musik-Titel -, ist aber keineswegs der einzig Leidtragende: Film-, Spiele- und Software-Industrie sind ebenso betroffen.

Ob es nun der neueste Blockbuster ist, der noch vor der Kino-Premiere in Filesharing-Netzwerken kursiert, TV-Serien, die sonst nur als kostenpflichtige DVD erhältlich sind, teure Video-Games, in Tauschbörsen für lau zu haben, oder Computer-Software - die Filesharing-Szene schert sich nicht um Urheberrechts-Fragen und tauscht trotz Strafandrohung munter illegal weiter.

Sinnlose Gegenaktionen

Filesharing-Beobachter wie ipoque oder BigChampagne stellen fest, dass nach medienwirksamen Schlägen gegen die Filesharer, wie Razzien oder Server-Beschlagnahmung, die Nutzerzahlen in den Internet-Tauschbörsen kurzfristig zurückgehen, um sich nach einigen Wochen wieder auf den vorherigen Stand einzupegeln. Ein Katz-und-Maus-Spiel? Eine Tauschbörse wird geschlossen, die Filesharer weichen auf eine andere aus. Ein Index-Server wird beschlagnahmt, schon geht anderswo ein Spiegel-Server online.

Auch wenn der Lobby-Verband der amerikanischen Musikindustrie RIAA kürzlich verkündete, durch die vielfachen Klagen habe man den illegalen Musiktausch jetzt «unter Kontrolle» gebracht, dürfte allen Beteiligen klar sein, dass der Feldzug gegen das Filesharing noch längst nicht zu Ende ist. Den neuesten Zahlen von BigChampagne zufolge stieg das Filesharing-Nutzeraufkommen im vergangenen Jahr um über 12 Prozent, inzwischen sind zu jeder Zeit durchschnittlich etwa 10 Millionen Nutzer in Internet-Tauschbörsen online. Die Aktionen der Musikindustrie werden das Problem Filesharing nicht lösen, bestenfalls verändern, glaubt BigChampange.

Viele Strafanzeigen

Die Industrie wird sich von einem solchen Glauben aber kaum beirren lassen und weiter schweres Geschütz gegen das Filesharing auffahren. Auch hierzulande wurde längst eine schärfere Gangart eingeschlagen. Im Auftrag der Industrie machen spezialisierte Unternehmen Jagd auf die IP-Adressen der Tauschbörsen-Nutzer und überschwemmen die Gerichte mit Zehntausenden von Strafanzeigen. Bis dato kamen die Tauschbörsen-Nutzer mit vergleichsweise geringen Bussgeldzahlungen zumeist aber noch glimplich davon.

Die Industrie hat nach gegenwärtiger Rechtsprechung im zivilrechtlichen Rahmen keine Handhabe, von den Internet-Providern die Preisgabe der Idendität des Kunden, der hinter der ermittelten IP-Adresse steht, zu erzwingen. Zudem gestaltete sich der konkrete Schadensnachweis durch die Ankläger bislang rechtlich schwierig. Dies bedeutet aber keinen Freibrief für illegales Filesharing: Der unerlaubte Austausch von urheberechtlich geschützten Werken bleibt strafbar und die Staatanwälte können in Strafverfahren vom Internet-Provider sehr wohl die Herausgabe der Kundendaten erlangen. Das novellierte Urheberrecht wird auch nicht die so genannte Bagatellklausel enthalten, die Strafausschluss für Tauschbörsen-Nutzung im geringeren Umfang für private Zwecke vorgesehen hatte.

Filesharing-Netzwerke

Kazaa und Shareaza, eDonkey, MLDonkey und eMule, BearShare, Gnutella, LimeWire, Morpheus, FastTrack und BitTorrent - für den Uneingeweihten erscheint das Filesharing auf den ersten Blick wie ein Buch mit sieben Siegeln. Das Verständnis fällt etwas leichter, wenn man sich klar macht, dass die Filesharing-Welt, grob gesprochen, von vier Netzwerken bzw. Protokollen dominiert wird: Die vier Grossen sind BitTorrent, eDonkey2000 - kurz auch einfach eDonkey oder ed2k - FastTrack und Gnutella. So ist beispielsweise Kazaa ein FastTrack-Client und LimeWire ein Gnutella-Client. BitTorrent bezeichnet ein Netzwerk-Protokoll, ein Netzwerk und den offiziellen Client gleichermassen.

Für jedes der Netzwerke gibt es eine Vielzahl von Clients. Zudem gibt es Hybrid-Clients, die auf mehrere Netzwerke zugreifen können. Einen Einblick in die erstaunliche Vielfalt verfügbarer Clients bietet beispielsweise das Filesharing-Magazin Slyk, das Dutzende von Clients für jeden Netzwerk-Typ listet.

«Gib-was-du-nimmst»-Etikette

Die Nutzung der Internet-Tauschbörsen ist denkbar einfach: Man lädt sich einen zumeist kostenlos erhältlichen Filesharing-Client, gibt in der Suchmaske den gewünschten Begriff ein und erhält eine Treffer-Liste der im Netzwerk verfügbaren Dateien - schon kann der Download beginnen. Nur bei BitTorrent funktioniert die Suche leicht anderst. Hier integrieren die Clients keine Suchfunktion. Der Nutzer muss zuerst im Webbrowser eine Torrent-Suchseite aufrufen und eine .torrent-Datei herunterladen, die bestimmte Prüfsummen- und Tracker-Informationen enthält. In Filesharing-Netzen wird zumeist eine «Gib-was-du-nimmst»-Etikette verfolgt. Wer Dateien herunterlädt, von dem wird erwartet, dass er auch Dateien zum Upload bereitstellt. Wer keine Dateien einspeist, rutscht in der Warteschleife nach unten.

Es gibt beim Filesharing aber auch einige Fallsticke. So kann es passieren, dass Filesharing-Client und Firewall sich nicht vertragen, Tauschbörsen werden zunehmend als Verteiler-Stationen von Adware, Spyware und Malware genutzt, und bei einigen Internet-Providern ist das Filesharing nicht gern gesehen. Dabei ist die Politik der Provider gegenüber Filesharing-Powerusern durchaus unterschiedlich: Bei vielen Tarifen ist die Nutzung von Filesharing-Netzwerken explizit verboten, manche Anbieter behalten sich für Filesharing mögliche Einschränkungen wie die Beschneidung der Bandbreite vor. Andere Provider hingegen diskriminieren Filesharing-Vielnutzer nicht gegenüber den Gelegenheitssurfern.

Peer-to-Peer im legalen Einsatz?

Filesharing-Tauschbörsen werden oft synonym als Peer-to-Peer (P2P)-Netzwerke bezeichnet. Genau genommen ist Filesharing aber nur eine von vielen möglichen Anwendungen von Peer-to-Peer. So setzen beispielsweise auch bestimmte VoIP- oder Instant Messaging-Protokolle auf P2P. Auch implementieren die verschiedenen Filesharing-Protokolle das Peer-to-Peer-Prinzip P2P, das im Gegensatz zum Client-Server-Ansatz, bei dem ein Server viele Clients «bedient», auf gleichberechtigte Rollenverteilung setzt, unterschiedlich streng. Während bei den ersten Filesharing-Ansätzen noch zentrale Index-Server zum Einsatz kamen, wird bei neueren Protokollen das Prinzip der Dezentralisierung weitaus konsequenter durchgesetzt.

Selbst in den Anti-Filesharing-Kampagnen der Industrie wird immer angemerkt, dass nicht das Filesharing an sich sondern nur der Austausch von urheberechtlich geschützten Werken illegal sei. Und pikanterweise beginnen jetzt gerade die eingefleischten Filesharing-Gegner in der Medien-Industrie sich für P2P-Technologie zu interessieren. Das P2P-Prinzip könnte zum Beispiel beim Online-Video-Vertrieb und anderen Diensten, bei denen grosse Dateien verteilt werden, die Download-Server der Anbieter entlasten und als ökonomisch effiziente Technologie zum legalen Einsatz kommen. BitTorrent und die Warner-Filmstudios kooperieren schon: Kommenden Sommer soll ein Online-Filmvertrieb auf Basis von BitTorrent starten.

(Christian Horn/teltarif.ch)

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