Interverband für Rettungswesen spart bei Ambulanz-Einsätzen
publiziert: Donnerstag, 8. Apr 2004 / 10:06 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 8. Apr 2004 / 10:44 Uhr

Bern - Der Interverband für Rettungswesen (IVR) hat seine Richtlinien für Notarzteinsätze neu geregelt: Künftig können Ambulanzen sogar bei lebensbedrohlichen Notfällen ohne Notarzt ausrücken. Die Patientenorganisation kritisiert die Sparmassnahme.

Selbst Ärzte seien bei Notfal-Einsätzen mitunter überfordert.
Selbst Ärzte seien bei Notfal-Einsätzen mitunter überfordert.
Der IVR-Vorstand entschied am 11. März, dass künftig auch bei dringlichsten Einsätzen nicht mehr ein Arzt in der Ambulanz mitfahren muss.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung fährt nicht in jeder Ambulanz ein Arzt mit, erklärte IVR-Geschäftsführerin Susanne Imbach zu einem Facts-Artikel. Die Einsätze mit Notarzt seien in der Minderheit. Ob ein Arzt nötig war, entschieden bisher die Zentralen oder der Rettungssanitäter vor Ort.

Mehr Flexibilität

Die neuen Richtlinien tragen den unterschiedlichen kantonalen Strukturen Rechnung und lassen mehr Flexibilität zu, zum Beispiel in Bezug auf die topografischen Bedingungen. Die Besetzung von Rettungsfahrzeugen ist nur eines von etwa 20 Qualitätskriterien, wie Imbach sagt.

Bedenken hat aber die Schweizerische Patientenorganisation (SPO). Ihre Präsidentin Margrit Kessler verweist auf den Ausbildungsgrad der Rettungssanitäter: Ein Rettungssanitäter kann zum Beispiel keine Intubation vornehmen.

Gute Ausbildung geht vor

Solange das eingesetzte Personal gut ausgebildet sei, könne sie den neuen Direktiven zustimmen, sagt Kessler. Allerdings lerne man nicht in einigen Wochen, wie man jemandem eine Narkose verpasse. Wir werden sehen, zu welchem Resultat diese Sparmassnahmen führen.

Roland Unternährer von der Gesundheitsdirektorenkonferenz, die den IVR mit der Qualitätssicherung im Rettungswesen beauftragt hat, sieht die Rettungssanitäter dagegen als einzige wirkliche Notfallspezialisten. Manche Ärzte seien nämlich nicht für solche Einsätze ausgebildet.

(fest/sda)

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