Inzest-Fall: «Familie braucht jetzt Zeit»
publiziert: Donnerstag, 1. Mai 2008 / 18:39 Uhr / aktualisiert: Freitag, 2. Mai 2008 / 10:29 Uhr

Amstetten/Wien - Der Chefarzt der Klinik, in der die Inzestopfer von Amstetten in Niederösterreich betreut werden, hat an die Medien appelliert, das Recht der Familie auf ihre Privatsphäre zu akzeptieren. «Die Familie braucht jetzt Zeit.»

Polizisten hätten «zahlreiche Pressefotografen» von Bäumen bei der Klinik verjagen müssen.
Polizisten hätten «zahlreiche Pressefotografen» von Bäumen bei der Klinik verjagen müssen.
10 Meldungen im Zusammenhang
Man müsse verstehen, dass die Opfer jetzt nicht an die Öffentlichkeit treten wollten und «nach dem schrecklichen Martyrium ein Recht auf Privatsphäre» hätten, sagte der Leiter der Landesklinik Amstetten-Mauer, Berthold Kepplinger.

Radio ORF berichtete, dass Polizisten «zahlreiche Pressefotografen» von Bäumen bei der Klinik verjagt hätten. Der Anwalt der Opfer kündigte an, dass seine Mandaten in absehbarer Zeit keine Interviews geben werden. Die Familie wird in der Klinik von der Polizei abgeschirmt.

Leere Drohung?

Heute Donnerstag kamen neue Details zu Tage: Der Täter hat seiner heute 42-jährigen Tochter und ihren Kindern während ihrer Gefangenschaft offenbar damit gedroht, sie mit Gas zu töten.

Das habe der 73-Jährige bei Verhören angegeben, sagte Polizeisprecher Helmut Greiner. Demnach drohte er seinen Opfern, Gas in das 60 Quadratmeter grosse Kellerverlies zu leiten, sollte ihm etwas zustossen.

Es könne sich dabei um eine «leere Drohung» gehandelt haben, damit seine Opfer nicht versuchten, ihn zu überwältigen, sagte Greiner. Ein Team aus sechs Experten prüfe nun, ob es eine solche Vorrichtung im Verlies gebe.

Spekulationen um Abwesenheit

Sie sollten zugleich auch den elektronischen Schliessmechanismus der 300 Kilogramm schweren Betontür untersuchen. Nach Angaben von Ermittlungsleiter Franz Polzer hatte der Mann angegeben, dass sich die Tür bei einer längeren Abwesenheit von ihm automatisch geöffnet hätte.

Der Vater hatte seine Tochter 24 Jahre lang im Verlies eingesperrt und vergewaltigt. Sie brachte dort sieben Kinder von ihrem Vater zur Welt. Drei davon wuchsen im Keller auf.

Der 73-jährige Vater hat gestanden, seine Tochter 24 Jahre lang in einem fensterlosen Kellerverlies gefangen gehalten und vergewaltigt zu haben; er zeugte sieben Kinder mit ihr. Am vergangenen Samstag kam die 42-jährige Frau frei, ebenso die beiden noch mit ihr eingesperrten Kinder. Eines der Kinder soll bei der Geburt gestorben sein.

Ans Tageslicht gewöhnen

Der Tochter, ihrer Mutter und fünf ihrer Kinder geht es den Umständen entsprechend. Es sei für sie ein eigener Wohnbereich geschaffen worden. Sie würden «sehr viel miteinander reden», sagte Kepplinger.

Die Opfer würden langsam ans Tageslicht gewöhnt. Ausserdem gehe es darum, «Raumorientierungsstörungen Schritt für Schritt auszugleichen.»

Der Zustand der ältesten Tochter sei dagegen «kritisch, aber stabil». Die 19-Jährige befinde sich weiter im künstlichen Koma, werde beatmet und erhalte eine Nierenersatztherapie sowie Antibiotika, sagte der Arzt. Das Mädchen hatte sein Leben im Keller verbringen müssen und war in der vergangenen Woche schwer krank in die Klinik gebracht worden. Deswegen kam der Fall ans Licht.

Verpasste Chancen

Der Vater hatte jahrelang vorgegeben, seine verschwundene Tochter sei in eine Sekte eingetreten und habe ihm jene drei Kinder, die er zusammen mit seiner Frau aufzog, vor die Tür gelegt.

Er habe unter anderem mit verstellter Stimme 1994 seine Frau angerufen und sich als Tochter ausgegeben und gebeten, sich um die abgelegten Babys zu kümmern. Der Ehefrau sei der Anruf seltsam vorgekommen, deshalb habe sie die Polizei benachrichtigt.

Kein Verdacht geschöpft

Diese ging dem Hinweis aber nicht nach. «Sie hatten keinen Grund, anzunehmen, dass die verschwundene Tochter im Keller war», sagte ein Ermittler. Die Behörden hatten unter anderem keine Anhaltspunkte, weil eine frühere Verurteilung des Vaters wegen Vergewaltigung bereits aus dem Vorstrafenregister gestrichen worden war.

Auch die Feuerwehr schöpfte keinen Verdacht, als sie 1999 eine Feuerinspektion im Heizungsraum des Kellers durchführte, wie der Bürgermeister von Amstetten sagte. Der Zugang zum Verlies war verborgen.

(fest/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Wien - Die Opfer des Inzest-Täters ... mehr lesen
Die Opfer sollen am neuen Ort ein neues Leben beginnen können.
Die junge Frau lebt wieder in Amstetten. (Archivbild)
Wien - Die 19-jährige Tochter des ... mehr lesen
Wien - Im Inzestfall von Amstetten hat ... mehr lesen
Justizministerin Maria Berger hat diese Woche einen Gesetzesentwurf zum Schutz vor Gewalt vorgelegt.
Der Täter hatte die Gefangenschaft seiner Tochter in seinem Keller Jahre im Voraus geplant.
Amstetten - Der Inzest-Täter von Amstetten in Österreich hatte die Gefangenschaft seiner Tochter in seinem Keller Jahre im Voraus geplant. Das Verlies wurde im Laufe der Zeit praktisch zu ... mehr lesen
Wien - Der Inzest-Täter von Amstetten ... mehr lesen
Der Inzest-Täter ist offenbar vor gut 40 Jahren wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt worden. (Symbolbild)
Weitere Artikel im Zusammenhang
Natascha Kampusch nach ihrer Flucht im August 2006 im Interview mit dem ORF-Redakteur Christoph Feurstein.
Natascha Kampusch hat im NDR ... mehr lesen
Wien - Der 73-jährige Österreicher, der seine Tochter jahrzehntelang missbraucht ... mehr lesen
Am Dienstagabend hatten mehrere Hundert Menschen mit einem «Lichtermeer» ihre Solidarität mit den Opfern der Verbrechen ausgedrückt. (Archivbild)
Etschmayer Wer mit dem Auto von der Schweiz aus nach Wien fährt, kommt unweigerlich daran vorbei. Doch bis jetzt dürfte kaum jemand auf die Ausfahrt 123, Amstett ... mehr lesen 
Wien - Mit einem Schlag fiel das Lügengebäude wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Während er nach aussen als der hilfsbereite Nachbar von nebenan galt, sperrte der 73-Jährige seine Tochter 24 Jahre lang ein und zwang sie zum Inzest. mehr lesen 
«Grausamkeit wohnt dem Menschen als Möglichkeit inne», sagt der Psychiater Martin Kiesewetter.
Bern - Der 73-jährige mutmassliche Täter des Inzest-Falles in Österreich ist nicht zwingend psychisch gestört. Macht, totales Verfügen, Sadismus und Abhängigkeit der Opfer haben ... mehr lesen
Frühere Vergewaltigung?
Verrückt, dass die Polizei wegen nicht wirklich schützenswertem Datenschutz (in diesem Fall zumindest) den Vater nicht als Verdächtigen erkannte. Dass die Polizei bei Verdachtsfällen alte Fälle wegen Löschungen im Vorstrafenregister nicht doch einsehen kann ist bedenklich. Er hat ja schliesslich was getan und man hätte weiteres Unheil verhindern oder zumindest verkürzen können.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die Zahl der Einbrüche ist in der Schweiz seit Jahren rückläufig. So viel zu den guten Nachrichten. Damit das auch so bleibt, ist es wichtig, grundsätzlich auf gutes Material an den Schwachstellen (Türen, Fenster, Tore) zu setzen und zusätzliche Sicherungen zu installieren.
Die Zahl der Einbrüche ist in der Schweiz ...
Publinews Smarter Einbruchschutz  Nahezu alle Diebstahlkategorien weisen eine rückläufige Tendenz auf. 2017 wurden in der Schweiz 4,9 Einbrüche pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt. Das entspricht 113 Einbruch- und Einschleichdiebstählen pro Tag. 2012 lag diese Zahl bei 202. mehr lesen  
Opfer weiterhin vermisst  Rafz ZH - Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstagvormittag in Rafz ZH zwei Personen verhaftet: Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, einen seit dem 22. April vermissten Mann aus Eglisau getötet zu haben. mehr lesen  
Deutlich höhere Zahl  Sydney/London - Mindestens 45,8 Millionen Menschen leben zurzeit weltweit in modernen Formen der Sklaverei. Die Zahl liegt deutlich höher als die 2014 gezählten 35,8 Millionen. mehr lesen
In Indien hat es 18,3 Millionen Sklaven.
Der 22-jährige befindet sich seit Samstag auf der Flucht. (Symbolbild)
Flüchtiger Mörder  Aarau - Der flüchtige Mörder, der aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG ausgebrochen ist, hätte in einer Einrichtung mit höherer Sicherheitsstufe ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 7°C 8°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Basel 8°C 10°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 7°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 8°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern 5°C 8°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 7°C 8°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen trüb und nass
Lugano -2°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten