Inzest-Täter hatte Gefangenschaft lange geplant
publiziert: Montag, 5. Mai 2008 / 18:16 Uhr

Amstetten - Der Inzest-Täter von Amstetten in Österreich hatte die Gefangenschaft seiner Tochter in seinem Keller Jahre im Voraus geplant. Das Verlies wurde im Laufe der Zeit praktisch zu einer Festung ausgebaut, wie am Montag bekannt wurde.

Der Täter hatte die Gefangenschaft seiner Tochter in seinem Keller Jahre im Voraus geplant.
Der Täter hatte die Gefangenschaft seiner Tochter in seinem Keller Jahre im Voraus geplant.
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Eine Flucht für die Opfer war unmöglich. Insgesamt entdeckten die Ermittler der niederösterreichischen Kriminalpolizei in den vergangenen Tagen acht Zugänge zu dem Keller, die jedoch elektronisch gesichert waren.

Eine Tür zu dem Verlies wog insgesamt 500 Kilogramm, sagte der Chef des Landeskriminalamts Niederösterreich, Franz Polzer, am Montag an einer Medienkonferenz. Der heute 73-jährige Verdächtige habe alles darangesetzt, die Straftat «mit unglaublicher Energie alleine durchzuziehen».

Pläne aus dem Jahr 1978

Laut Polzer stammt der Altbau des Hauses des Verdächtigen aus dem Jahr 1890. 1978 wurden Pläne für den L-förmigen Zubau eingereicht, wobei der Verliesbereich offenbar damals schon geplant und im Zuge der Bauarbeiten umgesetzt wurde.

Die Ermittlungen in dem Verlies, bei dem die Polizei schweres Räumgerät der Feuerwehr einsetzen musste, um die 500 Kilo schwere Betontür zu durchbrechen, sollen bis zum Wochenende abgeschlossen sein.

Der Inzest-Täter hatte im Polizeiverhör gestanden, seine Tochter seit 1984 im Keller seines Hauses eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben. Drei Kinder waren mit der Mutter in dem Verlies eingeschlossen. Drei Kinder nahm der Verdächtige in seine Familie auf. Ein Kind starb kurz nach der Geburt.

«Den Umständen entsprechend»

Seit zehn Tagen lebt die Familie abgeschirmt in einem bewachten Trakt einer Klinik. Insgesamt wird die Familie von 15 Ärzten und Pflegekräften betreut. Inzwischen geht es ihnen nach Auskunft des leitenden Arztes Bernhard Kepplinger «den Umständen entsprechend» besser.

Die Mutter und ihre Kinder reagieren demnach nicht mehr so empfindlich auf Licht. Zudem habe sich auch ihr Sinn für räumliche Orientierung normalisiert.

Der Zustand der 19 Jahre alten Tochter, die seit dem 18. April in der Landesklinik Amstetten liegt, habe sich zwar stabilisiert, doch schwebe sie noch immer zwischen Leben und Tod. Zur genauen Art der schweren Erkrankung, die letztlich zur Befreiung der Eingesperrten führte, machte der Arzt keine Aussage.

Über eine Fortdauer der Untersuchungshaft für den Inzest-Täter wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft am kommenden Montag entschieden. Noch in dieser Woche soll der 73-Jährige erneut vernommen werden. Sein Anwalt hat ihm jedoch geraten, die Aussage zu verweigern.

(smw/sda)

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