Irak: Aufständische nehmen ausländische Geiseln
publiziert: Donnerstag, 8. Apr 2004 / 18:23 Uhr

Bagdad/Tokio - Aufständische haben am Donnerstag in Irak mehrere Ausländer entführt und mit deren Ermordung gedroht. Sie wollen damit einen Abzug der mit den USA verbündeten Truppen erzwingen, wie sie erklärten. Berichte, nach denen auch mehrere spanische Soldaten in Irak gefangen genommen worden seien, wurden in Madrid dementiert.

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Israelische Medien berichten unter Berufung auf irakische Kreise, unter den Geiseln seien auch zwei israelische Araber. Der arabische Nachrichtensender El Dschasira strahlte ein Video aus, auf dem bewaffnete und vermummte Geiselnehmer mit drei japanischen Zivilisten - einer Frau und zwei Männern - zu sehen sind.

Tokio gegen Rückzug

Die Gruppe, die sich "Irakische Mudschahedin-Brigaden" nennt, drohte, die Geiseln bei lebendigem Leibe zu verbrennen, sollten die japanischen Soldaten das Land nicht innerhalb von drei Tagen verlassen. Nach Angaben eines Regierungssprechers denkt Tokio aber nicht an einen Abzug, da die japanischen Soldaten zum Wiederaufbau in Irak seien.

Wenig später meldete El Dschasira unter Berufung auf einen Sprecher der US-geführten Besatzungstruppen, unbekannte Entführer hätten in der südirakischen Stadt Nasirija auch einen britischen Zivilisten in ihre Gewalt gebracht.

Auch sieben Südkoreaner befinden sich nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap in der Hand Aufständischer. Es handle sich um Mitglieder einer christlichen Organisation.

US-Armee verliert Kontrolle

Die US-Armee räumte am Donnerstag ein, dass Schiiten-Milizen inzwischen die mittelirakische Stadt El Kut sowie die Innenstadt von Nadschaf kontrollierten.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen den radikalen Schiitenführer Muktada el Sadr an, der sich in Nadschaf verschanzt hat. Gegen ihn liegt wegen der Ermordung eines schiitischen Rivalen ein Haftbefehl vor.

Die Kämpfe zwischen US-Truppen und Aufständischen griffen am Donnerstag auch auf den westlichen Bagdader Vorort Abu Ghoreib über. Augenzeugen berichteten von heftigen Gefechten. Anwohner transportierten in ihren Privatautos Munition zu den Kämpfern.

In Kerbela forderte die "Armee Mahdis" von El Sadr die Besatzungstruppen ultimativ zum Verlassen der Stadt auf, in der am Sonntag zehntausende Pilger zu Feiern zum Gedenken an den Tod von Imam Hussein erwartet werden.

Bewaffnete islamische Frauen

Ein Augenzeuge in der ebenfalls umkämpften Stadt Ramadi westlich der Unruhestadt Falludscha sagte, auch bewaffnete Frauen hätten sich den Aufständischen angeschlossen.

Tausende Schiiten und Sunniten zogen von Bagdad nach Falludscha, um der Bevölkerung der von US-Truppen abgeriegelten Stadt Nahrungsmittel und Medikamente zu bringen. Bei den Gefechten in Falludscha starben in den vergangenen vier Tagen nach Angaben von Ärzten mindestens 280 Iraker.

Arabische Liga muckt auf

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, rief alle irakischen Parteien auf, Vertreter zu einem Treffen nach Kairo zu schicken, um eine gemeinsame Strategie gegen die Gewalt in Irak zu suchen.

Mussa sagte: "Wir lehnen diese Aktionen (des US-Militärs) kategorisch ab und können das, was derzeit in Irak passiert, nicht akzeptieren".

(bsk/news.ch mit Agenturen)

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