Irak: Der Frieden kommt durch die Kanalisation
publiziert: Dienstag, 12. Okt 2004 / 11:42 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 12. Okt 2004 / 12:00 Uhr

Bagdad - Die Gelder für den Wiederaufbau sind gekürzt worden, die Sicherheitslage ist katastrophal, aber im Bagdader Slum Safaranijah hat es die US-Armee doch geschafft, die Herzen der Bewohner zu erobern: mit neuen Abwasserleitungen.

Während ringsum Chaos und Anarchie herrschen, erneuern Techniker der US-Armee zur Freude aller Beteiligten die Infrastruktur in dem Armenviertel im Bagdader Südosten.

Mit breitem Lächeln empfängt Hanaa Hussein den Kommandanten des US-Bataillons, Oberstleutnant Brian Dosa. Dank 140 000 Dollar US-Hilfe hält die Irakerin die Wasserreinigungsstation am Laufen, die sie seit acht Jahren in dem Viertel betreibt.

"Das ist vielleicht nicht viel, aber es reicht zumindest, um die Maschinen zu warten und täglich ohne Pause 54 000 Kubikmeter Wasser zu pumpen." Sie hofft, mit Hilfe der US-Ingenieure die Kapazität der Station verdoppeln zu können. "Bei Technik und Sicherheit ist die US-Hilfe wichtig", sagt Hanaa Hussein.

Stolz des Bataillons

16 Millionen Dollar haben Dosas Leute seit ihrer Ankunft im März 2003 für Infrastruktur-Projekte im südöstlichen Stadtteil Safaranijah mit seinen 300 000 Einwohnern ausgegeben. Das Abwassernetz ist der Stolz seines Bataillons.

2800 Haushalte werden damit zum allerersten Mal eine Kanalisation haben. Bisher hatte jedes Haus seine eigene Klärgrube, die für umgerechnet rund 25 Franken im Monat leergepumpt werden musste.

Ein alter Iraker kommt vorbei, beobachtet die Arbeiter skeptisch und fragt, ob das Vorhaben denn "zu 70 Prozent" funktionieren werde, wenn es fertig sei. "Zu 100 Prozent, und zwar für die nächsten 50 Jahre", antwortet ihm der Bauunternehmer Ahmad Hussein lachend. Abwasserströme, die unter freiem Himmel durch die Gräben laufen, werde es dann nicht mehr geben.

Gegen die Gewalt

Die Abwasserleitungen kommen nicht nur den Bewohnern zugute, sondern helfen auch dem lokalen Handwerk wieder auf die Beine und stoppen so den Kreislauf der Gewalt im Viertel.

"Die Leute bringen sich persönlich in diese Projekte ein, die ihnen auf Dauer das Leben erleichtern. Also sehen sie auch, wie absurd es wäre, diese Infrastruktur zu sabotieren", erklärt Luai Abdelaani.

Seine 200 Angestellten haben in vier Monaten 190 Kilometer Stromleitungen in Safaranijah verlegt. Durch dieses Zehn-Millionen-Dollar-Projekt haben jetzt 1450 Haushalte erstmals einen Stromanschluss, die Bewohner brauchen nicht mehr illegal Strom abzuzapfen wie bisher.

El Sadrs Bild verschwunden

Oberstleutnant Dosa, der grossen Wert auf seine fast täglichen Baustellenbesuche legt und bei den Leuten gern gesehen ist, sieht noch andere Fortschritte im Viertel: Früher hätten Bewohner den radikalen Schiitenführer Muktada el Sadr unterstützt. Aber "nach und nach sind seine Bilder von den Mauern verschwunden." Hassan, Dosas Dolmetscher, sekundiert: "Die Leute haben verstanden, dass wir hier sind, um ihnen zu helfen." Ihre grösste Sorge aber haben die US-Techniker den Bewohnern bisher nicht abnehmen können: Das Sicherheitsproblem ist ungelöst.

(Joëlle Bassoul/afp)

 
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