Irak: Schock und Angst nach Anschlag
publiziert: Montag, 19. Jan 2004 / 09:02 Uhr

Bagdad - Wie jeden Morgen stand der 25-jährige Hilfsarbeiter Hamid Chawam am Sonntag in der Warteschlange vor dem Nordtor zur "grünen Zone" in Bagdad. Punkt 08.00 Uhr erfolgte eine gewaltige Explosion.

Den Besatzungstruppen nähern sich die Iraker zunehmend skeptischer.
Den Besatzungstruppen nähern sich die Iraker zunehmend skeptischer.
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"Ich hörte einen lauten Knall und fiel zu Boden", berichtet Chawam, der mit leichten Verletzungen am Kopf davonkam. "Dann sah ich brennende Autos, viele Verletzte und viel Blut." Hilferufe gellten, Rettungsfahrzeuge kamen in dem Chaos zunächst nicht durch. Vorbeifahrende Privatfahrzeuge brachten Verletzte in Spitäler.

Vor zehn Tagen hatte Chawam, Vater zweier Kinder aus dem 80 km entfernten Babil, einen Job als Reinigungskraft am Sitz der US-Verwaltung in Bagdad angenommen. Vor dem Tor werden irakische Arbeitskräfte von US-Soldaten und irakischen Sicherheitsdiensten gründlich nach Waffen und Sprengstoff untersucht.

Das kostet Zeit. Rund 100 Männer und Frauen warteten auch an diesem Sonntagmorgen auf Einlass, und wie auch sonst immer standen sie gut eine Stunde lang in der Schlange.

Wanderarbeiter aus dem Süden

Zwei Stunden nach der Explosion ist Chawam immer noch vom Schock gezeichnet. "Hierher komme ich nie wieder zurück", stammelt er. "Nein, nicht einmal nach Bagdad komme ich zurück." Die 5000 Dinar (4.70 Franken), die er am Tag bei den Amerikanern verdient, werden ihm und seiner Familie fehlen.

In den von Schiiten bevölkerten Gebieten südlich von Bagdad gibt es kaum Arbeit. Das war auch der Grund dafür, dass er diesen Job nach reiflicher Überlegung annahm. So wie er kamen auch die meisten anderen Opfer aus dem Süden. Wie er wohnen diese Wanderarbeiter aus Hilla, Nadschaf und Kerbela in billigen Absteigen.

Viele Gerüchte

Nachdem die Amerikaner den Schauplatz des Anschlags abgesperrt hatten, versammeln sich Überlebende und Schaulustige auf der rund 100 Meter entfernten Dschumurija-Brücke. Gerüchte machen die Runde.

Vier Autos seien am Eingang der "grünen Zone" vorgefahren, darunter drei Kleinlaster. Anders als üblich, so heisst es, sei keines dieser Fahrzeuge durchsucht worden. Einer der Pickups sei dann explodiert.

Diese Version ergibt zwar wenig Sinn, dennoch findet sie unter den Umstehenden Glauben. Auch Hamid Chawam antwortet auf die Frage, wer die Täter gewesen sein könnten: "Terroristen und Amerikaner."

Schutzlos vor den Toren

Andere in der Menge stellen die Frage nach der Verantwortung der US-Besatzer. Die "grüne Zone", in der US-Chefverwalter Paul Bremer residiert und seine gesamte Administration arbeitet, ist von hohen Mauern umgeben und wird vom US-Militär mit allen verfügbaren Mitteln gesichert. Wer sich draussen anstellt, ist schutzlos.

"Die Besatzungsverwaltung tut alles, um sich abzusichern, und nichts für die Iraker, die für sie arbeiten", klagt der 28-jährige Übersetzer Ziad. Er hatte Glück: Sein Dienst begann später, zum Zeitpunkt des Anschlags war er noch nicht am Tor. "Fair ist das nicht", fügt er hinzu. "Eigentlich sollten wir gleichwertig sein."

(Gregor Mayer/dpa)

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