Regierung bestätigt umstrittene Zensur-Pläne
Iran blockiert Google und führt staatliches Web ein
publiziert: Montag, 24. Sep 2012 / 12:39 Uhr / aktualisiert: Montag, 24. Sep 2012 / 15:00 Uhr
Laut Angaben der Regierungsvertreter soll das neue Netzwerk bis zum März 2013 im ganzen Land zum Einsatz kommen.
Laut Angaben der Regierungsvertreter soll das neue Netzwerk bis zum März 2013 im ganzen Land zum Einsatz kommen.

Teheran/Berlin - Iranische Regierungsvertreter haben am Sonntag bestätigt, dass Regierungsbehörden und Ämter bereits an das «nationale Informationsnetzwerk» angeschlossen wurden.

9 Meldungen im Zusammenhang
Laut Medienberichten wurde zeitgleich auch der Zugang zu allen Google-Diensten im ganzen Land gesperrt. Momentan ist noch unklar, ob die beiden Massnahmen im Zusammenhang stehen.

Reaktion auf Anti-Islam-Video

Aus offiziellen Kreisen der iranischen Regierung heisst es, dass durch die Einführung eines eigenen Internets die IT-Sicherheit verbessert werden soll. Auch seien alle wichtigen staatlichen Institutionen bereits mit dem nationalen Informationsnetzwerk verbunden. Als nächstes sollen alle Iraner, die Zugang zum Internet haben, in das neue staatliche Internet umgeleitet werden.

Iranische Fernsehsender haben am Sonntag berichtet, dass Google-Dienste wie Gmail und die Suchmaschine «innerhalb weniger Stunden» gesperrt werden sollen. Nach Informationen der Iran Labour News Agency wurden die Pläne mittlerweile umgesetzt. «Das ist eine Reaktion auf das Anti-Islam-Video, das vor Kurzem auf YouTube veröffentlicht wurde und in der muslimischen Welt viel Wut und Empörung hervorgerufen hat.

Aktivierung bis März 2013

Die Ankündigung bestätigt die Berichte vom April, wonach der Iran ein staatliches Intranet plant, mit dem ein »sauberes Internet« eingeführt werden soll. Die Berichte wurden von der iranischen Regierung zwar dementiert, jetzt ist aber endgültig klar, dass die Pläne existieren und teilweise auch schon umgesetzt wurden. Laut Angaben der Regierungsvertreter soll das neue Netzwerk bis zum März 2013 im ganzen Land zum Einsatz kommen. Laut Experten ist es noch unklar, ob das reguläre World Wide Web im Iran gekappt werden soll.

Iranische Internet-Nutzer dürften an die Zensur schon gewöhnt sein. Die Regierung hat in diesem Jahr schon mehrmals den Zugang zum Internet gesperrt. Beim letzten Vorfall wurden alle verschlüsselten ausländischen Webseiten gesperrt. Viele regierungskritische Journalisten und Aktivisten konnten die Sperren durch Proxy Server umgehen und sich auf sozialen Netzwerken Gehör verschaffen.

Experte: »Internet-Zensur schon seit 2009«

Nahost-Experte Walter Posch von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin ist der Meinung, dass der Iran bereits bei den Unruhen 2009 im Internet Zensur ausgeübt hat: »Das Internet spielte bei den Unruhen eine eher untergeordnete Rolle, da das Regime in dieser Richtung bereits vorbereitet war. Als die oppositionellen Internet- und Facebookseiten online gingen, waren Polizei und Nachrichtendienste mit dem Aufbau ihrer Internetpolizei zwar noch nicht fertig, aber eigentlich schon einsatzbereit.

Ein Bericht der Organisation Freedom House bestätigt die kritische Lage und listet Iran gemeinsam mit sieben weiteren Ländern unter die «Schlimmsten der Schlimmsten» hinsichtlich der Freiheit der Presse. «In diesen Staaten sind unabhängige Medien entweder nicht existent oder kaum handlungsfähig. Die Presse fungiert als Sprachrohr für das Regime, der Zugang der Bürger zu neutralen Informationen ist ernsthaft eingeschränkt, und Dissens wird durch Verhaftungen, Folter und andere Formen der Unterdrückung niedergeschlagen», heisst es in dem Bericht der Organisation.

(knob/pte)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Teheran - Weil sie eine Version von ... mehr lesen
Islamabad - In Pakistan will das Ministerium für Informationstechnologie den Bürgern ... mehr lesen
Das Ministerium will das Videoportal wieder erreichbar machen.
Budapest - Internet-Kriminalität und ... mehr lesen
Unzähmbar?
Weitere Artikel im Zusammenhang
Mahmud Ahmadinedschad ist gegen jegliche Art von provokativen Aktionen gegen die Religionen.
New York - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat das in den USA produzierte Mohammed-Schmähvideo und die dadurch ausgelösten gewalttätigen Proteste in der ... mehr lesen
Berlin - Der vermutlich von einem staatlichen Dienst entwickelte ... mehr lesen
Es wird angenommen, dass die Malware «Flame» vom Militär in den USA und Israel entwickelt wurde.
Immer häufiger werden Blogger und Online-Journalisten wegen ihrer Aktivitäten unter Druck gesetzt.
Paris - Der Iran und China haben die ... mehr lesen
Berlin - Die Regierung im Iran hat vor der Parlamentswahl am Freitag die Verfolgung Oppositioneller deutlich verschärft. Das schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Am Dienstag veröffentlichten Bericht. mehr lesen  1
Premium Website Ranking
GLOBONET GmbH
Toggenburgerstrasse 26
9500 Wil SG
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Was sind die Hausaufgaben für Schweizer Unternehmen bei der Digitalisierung?
Was sind die Hausaufgaben für Schweizer ...
Swiss Online Marketing & Swiss eBusiness Expo  Google, Post, Handel Schweiz, VSV, GS1: Am Mittwoch, den 5. April diskutieren Big Player und Marktexperten über das «Schreckgespenst Digitalisierung - Was sind die Hausaufgaben für Schweizer Unternehmen?». Die Podiumsdiskussion läuft im Rahmen der Swiss Online Marketing Messe und Swiss eBusiness Expo. Pressevertreter sind herzlich eingeladen. mehr lesen 
Die Besucher erwarten zwei kompakte Tage, an denen sich alles um Digital Marketing und E-Business dreht.
Gipfeltreffen für Digital Marketing und E-Business Swiss Online Marketing und Swiss eBusiness Expo sind das jährliche Gipfeltreffen für Digital Marketing und E-Business. Am ...
Enabling new business  Von besser informierten GL bis zum E-Commerce im Exportmarkt - digitale Tools nutzen in der ganzen Wertschöpfungskette. ... mehr lesen  
.
eGadgets news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 2°C 7°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 4°C 10°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen -1°C 4°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 0°C 8°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 1°C 6°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 4°C 10°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 5°C 17°C gewittrige Regengüsseleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten