Iran gegen die Grossen der Welt
publiziert: Mittwoch, 1. Feb 2006 / 08:22 Uhr

Teheran - Nachdem auch Russland und China den Atomstreit mit Teheran im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) behandeln wollen, steht Iran praktisch alleine gegen die Grossen der Welt. Aber der schiitische «Gottesstaat» sieht sich im Recht.

Ein iranischer Techniker in der Atomversuchsanlage  in Isfahan.
Ein iranischer Techniker in der Atomversuchsanlage in Isfahan.
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«Was soll denn eine Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), wenn einem ihrer Mitgliedsländer die Förderung von ziviler Nukleartechnologie untersagt wird», sagt der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani.

Ungeachtet aller Rhetorik - «Wir lassen uns nicht klein kriegen und werden unser legitimes Recht realisieren», so Präsident Mahmud Ahmadinedschad - möchte Teheran den Disput ganz offensichtlich ohne Einschaltung des Sicherheitsrats lösen.

Iranische Drohungen in solch einem Fall wie etwa die Einstellung der Kooperation mit der IAEA oder gar der Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag - könnten zwar andere Länder aber auch Iran selbst treffen. «Iran will kein zweites Nordkorea werden», sagte einmal der ehemalige iranische Staatspräsident Mohammed Chatami.

Iran hat kaum die Wahl

Falls China und Russland mit ihren wirtschaftlichen und strategischen Interessen in Iran dem Westen folgen sollten, dann droht der Islamischen Republik eine schmerzhafte Isolierung. «So etwas will auch Ahmadinedschad nicht», sagt ein politischer Beobachter in Teheran.

Man könne zwar mit Ländern wie Syrien ideologisch zusammenarbeiten aber keine Geschäfte machen. Auch die Ölwaffe, zu der Iran bei Sanktionen greifen könnte, dürfte von OPEC-Mitgliedern wie Saudi Arabien letztendlich durch Erhöhung von Förderquoten stumpf gemacht werden.

Eine eventuelle Blockade der Strasse von Hormus am Persischen Golf würde zwar den weltweiten Ölexport behindern und auch den Westen treffen. Andererseits aber müsste Iran mit neuer Feindschaft aus den arabischen Golfstaaten rechnen.

Kein Widerstand im Volk

Es gibt unterdessen keinerlei Anzeichen, dass sich die iranische Führung in der Atomfrage nicht auf die Unterstützung des Volkes verlassen kann. Viele Iraner - auch die, die Ahmadinedschad und das gesamte islamische System ablehnen - sind nicht nur für Atomenergie, sondern auch für den Bau der Atombombe.

«Was machen wir, wenn unsere Enkel kein Öl und Gas mehr haben? Sollen sie sich zu Tode frieren, nur weil es den Europäern nicht passt, dass wir an Alternativen für die Zukunft arbeiten», sagte eine Iranerin in einem TV-Interview.

In privaten Kreisen wird offen über die iranische Bombe gesprochen. «Warum Pakistan, Indien und Israel und wir nicht?», heisst eine häufig gestellte Frage.

Iran setzt auf Diplomatie

Iran setzt zunächst weiter auf die diplomatische Karte. «Die Türen zur Diplomatie stehen offen, es wäre ratsamer für die Europäer zu reden als radikale Initiativen zu ergreifen», sagt Laridschani.

Als Ausweg mag letztlich der russische Vorschlag gelten, Uran für eine friedliche iranische Nutzung der Kernenergie in Russland anzureichern. Dies wird derzeit als die einzige für alle Seiten akzeptable Lösung in dem Disput angesehen.

(Farshid Motahari/dpa)

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