Irrfahrt in die Wüste und retour
publiziert: Montag, 10. Okt 2005 / 08:28 Uhr / aktualisiert: Montag, 10. Okt 2005 / 09:12 Uhr

Madrid/Rabat - Wohin sie auch blickten, sie sahen nichts als Steine, Staub und Sand. Tagsüber brannte die Sonne vom Himmel, nachts herrschte bittere Kälte.

Die Flüchtlinge wurden mit Bussen in die Wüste gebracht und dort sich selbst überlassen.
Die Flüchtlinge wurden mit Bussen in die Wüste gebracht und dort sich selbst überlassen.
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«Die marokkanische Polizei hat uns gesagt, wir sollten zu Fuss über die Grenze nach Algerien marschieren», berichtete Mahmud Bari. Der Guineer war einer von Hunderten von Afrikanern, die die marokkanischen Sicherheitskräfte ohne Nahrung und Wasser am Rande der Sahara ausgesetzt haben. Die illegalen Zuwanderer waren bei dem Versuch festgenommen worden, in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen. Sie wurden mit Bussen in die Wüste gebracht und dort sich selbst überlassen.

«40 von uns gehorchten den Marokkanern», berichtete Bari der Madrider Zeitung «El País». «Wir marschierten so lange, bis uns das algerische Militär aufgriff. Die Soldaten befahlen uns, nach Marokko zurückzukehren.»

Die Flüchtlinge seien dann erneut drei Tage durch die Wüste marschiert, bis sie in der Ferne das marokkanische Dorf Ain Chouater erblickten. «Die Lichter des Dorfes retteten uns vor dem Verdursten.»

Datteln und Wasser

Vor dem Ort bei Bouanane (etwa 500 Kilometer südlich der Grenzstadt Oujda) campierten bereits Hunderte von Leidensgenossen. Sie lebten von Datteln und Wasser.

Ihre Habseligkeiten hatten in einem Plastiksack Platz; viele von ihnen trugen nur eine Wasserflasche mit sich. Einige der Flüchtlinge litten noch unter Verletzungen, die sie sich an den Grenzzäunen von Ceuta und Melilla zugezogen hatten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) schlug wegen der Aussetzung der Afrikaner Alarm. Damit löste sie sogleich Aufregung in Spanien aus.

Moratinos in Rabat

Die Madrider Regierung will die illegal nach Ceuta und Melilla gelangten Afrikaner nach Marokko abschieben. Dies lässt sich jedoch kaum machen, so lange die Gefahr besteht, dass die Flüchtlinge in der Sahara landen.

Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero beorderte am Sonntag seinen Aussenminister Miguel Angel Moratinos nach Marokko. Noch bevor der Minister in Rabat eintraf, reagierten die Marokkaner auf die Proteste. Sie schickten Busse und Militärlastwagen in die Wüste, um die Ausgesetzten wieder abzuholen.

Nach Presseberichten halfen Diplomaten aus Senegal und Mali bei der Identifizierung. Die Flüchtlinge aus diesen beiden Ländern sollen mit Flugzeugen in die Heimat gebracht werden. Was mit den anderen geschehen soll, ist unklar.

In Ain Chouater zeugten am Wochenende nur noch leere Wasserflaschen und ein paar zurückgelassene Textilien davon, dass hier Hunderte von Afrikanern campiert hatten.

Neue Vorkehrungen

Bisher hatten die Marokkaner festgenommene Afrikaner bei Oujda an der Grenze zu Algerien abgesetzt. Von dort kehrten jedoch die meisten Flüchtlinge immer wieder an den Grenzzaun von Melilla zurück, der nur 160 Kilometer entfernt ist. Um dies zu vermeiden, gingen die Behörden dazu über, die illegalen Zuwanderer 500 Kilometer weiter südlich in die Wüste zu bringen.

Derweil trafen die Marokkaner an der Grenze zu Melilla neue Vorkehrungen, um weitere Massenanstürme auf die spanische Exklave zu unterbinden. Sie liessen auf einem Streifen entlang der Grenze Bäume fällen, um das Gelände besser überwachen zu können.

(Hubert Kahl/dpa)

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