«Persona non grata»
Israel erklärt Günter Grass zur unerwünschten Person
publiziert: Sonntag, 8. Apr 2012 / 12:59 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 8. Apr 2012 / 23:11 Uhr
Günter Grass muss Israel fernbleiben.
Günter Grass muss Israel fernbleiben.

Tel Aviv - Literaturnobelpreisträger Günter Grass darf wegen seines israelkritischen Gedichts nicht mehr nach Israel einreisen. Die israelische Regierung erklärte ihn am Sonntag zur Persona non grata, bestätigte ein Sprecher des Innenministers Eli Jischai.

11 Meldungen im Zusammenhang
SHOPPINGShopping
Günter GrassGünter Grass
Grass hatte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Gedicht «Was gesagt werden muss» angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Er warf Israel vor, als Atommacht den Weltfrieden zu gefährden.

Das Gedicht hatte ihm im In- und Ausland den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Grass hatte sich verteidigt und seinen Kritikern Hass und eine Kampagne gegen ihn vorgeworfen.

«Feuer des Hasses»

Der israelische Innenminister Jischai sagte nach Angaben seines Sprechers, das Gedicht von Grass habe darauf abgezielt, «das Feuer des Hasses auf den Staat Israel und das Volk Israel anzufachen». Grass wolle so «die Idee weiterbringen, die er früher mit dem Tragen der SS-Uniform offen unterstützt hat».

Ausserdem erklärte Jischai: «Wenn Günter Grass weiter seine verqueren und lügnerischen Werke verbreiten will, sollte er dies vom Iran aus tun, dort kann er sicher ein begeistertes Publikum finden.»

Das Aussenministerium hatte zunächst bestritten, dass Grass nun Persona non grata - also eine unerwünschte Person - sei. Sprecher Jigal Palmor sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihm sei davon nichts bekannt: «Das erscheint mir Quatsch, ich weiss nicht, wo das herkommt.»

Der israelische Aussenminister Avigdor Lieberman kritisierte Grass allerdings nach Rundfunkangaben scharf. Bei einem Treffen mit dem italienischen Regierungschef Mario Monti habe er gesagt, die Äusserungen von Grass seien ein Ausdruck des Zynismus. Intellektuelle wie er seien bereit, «Juden auf dem Altar der Antisemiten zu opfern».

Kritik von Kollegen

Auch Schriftstellerkollegen kritisierten Grass: Rolf Hochhuth schrieb von Scham, Daniel Jonah Goldhagen warf Grass vor, er bediene Klischees und Vorurteile. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», es sei «ein ekelhaftes Gedicht», das politisch und literarisch wertlos sei.

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
3
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von 3 Leserinnen und Lesern kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Lübeck - In seinem neuen Gedichtband «Eintagsfliegen» liefert Günter Grass wieder Zündstoff für politische Kontroversen ... mehr lesen 1
Schriftsteller Günter Grass
«Der Krieg hat begonnen», sowie weitere Parolen wurden in hebräischen Buchstaben auf die Mauern der Moschee geschrieben. (Symbolbild)
Tel Aviv - Erneut ist eine Moschee im Westjordanland mit jüdischen ... mehr lesen
Rudolstadt - Literaturnobelpreisträger Günter Grass bleibt Ehrenpräsident des deutschen PEN-Zentrums. Bei der Jahrestagung der Schriftstellervereinigung wurde ein Antrag auf Aberkennung dieses Titels wegen Grass' israel-kritischen Gedichts abgelehnt. mehr lesen 
Berlin - Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist am Montag in eine Hamburger Klinik gebracht worden. Der 84-Jährige wollte sich ... mehr lesen
Günter Grass (84).
Etschmayer Ein Gedicht, dass nur als solches bezeichnet wurde, weil es von einem Nobelpreisträger stammt, eine öffentliche Diskussion voller Hysterie und dann auch noch ein Einreiseverbot für den Dichter in Israel. Die Reaktionen und die Debatte zeigt weniger was mit dem Gedicht als der ganzen Debatte falsch ist. mehr lesen  3
Weitere Artikel im Zusammenhang
München - Der deutsche Schriftsteller Günter Grass und der israelische Innenminister Eli Jischai haben nachgelegt: Beide heizten ihren Streit am Donnerstag mit scharfen Worten weiter an - nicht ohne in Nebensätzen Versöhnlichkeit vorzugeben. mehr lesen 
Stockholm - Die Schwedische Akademie sieht keinen Anlass, Günter Grass nach der Diskussion um sein Israel-kritisches Gedicht den Literaturnobelpreis abzuerkennen. mehr lesen 
Hamburg - Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hat das von der israelischen Regierung gegen Günther Grass verhängte Einreiseverbot kritisiert. Die von Innenminister Eli Jischai verhängte Massnahme gegen den Literaturnobelpreisträger sei übertrieben und populistisch. mehr lesen 
Günter Grass kritisiert die israelische Regierung.
Berlin - Nach heftiger Kritik hat Literaturnobelpreisträger Günter ... mehr lesen
Berlin - Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat sein heftig kritisiertes Israel-Gedicht verteidigt und seinen Kritikern Hass ... mehr lesen 5
Günter Grass warnt vor einem dritten Weltkrieg.
Berlin - Der Schriftsteller Günter Grass bläst nach heftigen Anwürfen zum Gegenangriff. «Ich werde hier an den Pranger gestellt», sagte Grass als Reaktion auf die heftige Kritik an seinem Israel-kritischen Gedicht. Den Vorwurf des Antisemitismus wies er als «verletzende Gehässigkeit ohnegleichen» zurück. mehr lesen  5
Israel wird zum Regime
Unter Netanjahu wurde Israel praktisch völlig isoliert und so unbeliebt wie noch nie.

Das Grass nun von der Regierung wie ein N*zi behandelt wird, zeigt wieder einmal wie sehr diese Regierung mittlerweile ähnlichen Methoden fröhnt wie eben damals die N*zis.

Die Bevölkerung wird bewusst immer mehr ausgehungert und arm gemacht, damit sich diese nicht mehr wehren kann in Zukunft.
Die bisher nie dagewesenen Massenproteste gegen die Regierung letztes Jahr haben Netanjahu aufgeschreckt. Nach nie eingehaltenen Versprechungen fährt er nun wieder die gleiche neoliberale Schiene wie immer, nur noch perfider, damit das Volk nicht aufmuckt.

Falls Israel jemals untergehen wird, dann nicht durch die Einwirkung von aussen, sondern weil Ultraorthodoxe Kräfte das Sagen haben und gefährliche Despoten wie Netanjahu an der Macht sind und bleiben.
Nicht nur!
"empfehle ich ihm, das in Iran zu tun. Dort wird er ein dankbares Publikum finden"
Nicht nur im Iran... auch in Libyen, Ägypten, Syrien, Jordanien etc. dürfte Grass viel Applaus erhalten.
Irgendwie erstaunlich, gerade in Gesellschaften, die nicht besonders für Menschenrechte und Toleranz bekannt sind, erhält Grass am meisten Zustimmung. Das spricht natürlich nur für sich!
Israel, una patria non grata . . .
. . . schade um die vielen Israelis und Juden, die die Äusserungen von Günter Grass verstehen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 19
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung Frieden.
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung ...
Positive Elemente für Friedensinitiative  Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich zu neuen Verhandlungen über einen Friedensplan arabischer Staaten bereit erklärt. Netanjahu sagte am Montagabend in Jerusalem, die Friedensinitiative von 2002 enthalte positive Elemente. mehr lesen 
Lieberman in Israels Parlament als Verteidigungsminister vereidigt Jerusalem - Der rechts-nationalistische Politiker ...
Palästinenser wollen internationalen Rahmen für Friedensgespräche Jerusalem - Der palästinensische Ministerpräsident Rami ...
Andreas Kyriacou Die Klage des türkischen Möchtegern-Alleinherrschers Recep Erdogan gegen den Deutschen Satiriker Jan Böhmermann ... mehr lesen   2
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Avigdor Lieberman ist ehemaliger Aussenminister.
Lieberman wird Verteidigungsminister  Tel Aviv - Die ultrarechte Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) hat sich der rechts-religiösen Regierung Benjamin Netanjahus angeschlossen. ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Blödsinn! Das Schaf ist selbst daran Schuld, dass es vom Wolf gerissen wird, ... Mi, 01.06.16 00:50
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 17°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 18°C 33°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 17°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 17°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 18°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Genf 17°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 21°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten