Israel kündigt weitere Tötungen an - Arafat im Fadenkreuz?
publiziert: Dienstag, 23. Mrz 2004 / 18:50 Uhr

Tel Aviv/Gaza - Ungeachtet der weltweiten Kritik an der Liquidierung des Hamas-Gründers hat Israel eine Fortsetzung der gezielten Tötungen angekündigt. Während diese Politik von den meisten Israelis unterstützt wird, kam es in arabischen Ländern zu anti-israelischen Demonstrationen.

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Die israelische Regierung plane weitere Schläge gegen die Hamas und andere radikale Organisationen, sagte Verteidigungsminister Schaul Mofas am Dienstag.

In einer ersten Stellungnahme zur Liquidierung des Führers der radikalislamischen Hamas, Scheich Ahmed Jassin, sagte Generalstabschef Mosche Jaalon auf einer internationalen Konferenz in Tel Aviv, die Aktion werde zwar kurzfristig zu einem Anstieg der Anschläge in Israel führen, längerfristig erwarte er jedoch eine Stärkung der moderaten Kräfte.

Zuvor hatte er sogar angedeutet, dass auch Palästinenserpräsident Jassir Arafat ins Fadenkreuz von israelischen Kampfhelikoptern rücken könnte.

Hamas schwört Rache

Im Sportstadion von Gaza-Stadt nahmen in der Zwischenzeit tausende Palästinenser Abschied von Scheich Jassin. Auch der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei stattete der Hamas-Führung im Gazastreifen einen Beileidsbesuch ab.

Diese beriet am Rande der Trauerfeierlichkeiten über die Zukunft ihrer Organisation. Dabei hatte Mahmud el Sahar, einer der führenden Köpfe der Organisation, für die Einschätzung des israelischen Generalstabschef Jaalon, nur ein bitteres Lachen übrig.

"Wer unsere Leute tötet, der muss vom gleichen Gift trinken", sagt Sahar, der als einer von mehreren möglichen Nachfolgern Jassins gehandelt wird. Als wenn der Countdown für verheerende Anschläge schon liefe, erklärte die Hamas 50 Selbstmordattentäter für einsatzbereit.

Machtausbau

Doch für die Organisation - die mit bewaffnetem Kampf und karitativer Arbeit in Gaza zu hohem Ansehen und grossem Einfluss gekommen ist - geht es nach der Tötung des spirituellen Oberhauptes um mehr als Strafe für Israelis.

Sahar kündigte an, seine Bewegung wolle bei künftigen Wahlen als politische Partei antreten. Zugleich sagte er, dass seine Organisation den bewaffneten Kampf gegen die israelische Besatzung noch verstärken werde.

Israel in Alarmbereitschaft

In Anbetracht der angekündigten Racheakte blieben viele Israelis nach Medienberichten zu Hause. Auch in israelischen Vertretungen in aller Welt seien aussergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

Die Palästinensergebiete wurden bis auf weiteres abgeriegelt. Der israelische Armeesender meldete, man fürchte auch Angriffe des internationalen Terrornetzwerks El Kaida und der südlibanesischen Hisbollah-Miliz.

Demonstrationen gegen Israel

Unterdessen kam es in vielen in arabischen Ländern zu neuen anti-israelischen Protesten. In mehreren Städten Libyens gingen Tausende Demonstranten auf die Strasse und riefen "Die Unterstützung des palästinensischen Kampfes ist die Pflicht der arabischen Völker und ihrer Führer".

Wie bereits am Montag versammelten sich auch wieder Tausende von Studierenden auf dem Gelände der Kairo-Universität. Verschleierte Studentinnen riefen zum Heiligen Krieg auf und riefen in Sprechchören Parolen wie "Juden, die Armee Mohammeds kehrt zurück".

In Jordanien legten viele Menschen am Mittag aus Protest gegen die Tötung des Scheichs für eine Stunde die Arbeit nieder.

(bsk/news.ch mit Agenturen)

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