Israel lehnt Feuerpause ab
publiziert: Dienstag, 18. Jul 2006 / 12:33 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 18. Jul 2006 / 15:41 Uhr

Beirut - Israel hat es abgelehnt, eine Feuerpause zum Schutz der flüchtenden Ausländer einzulegen. «Wir haben die Israelis gefragt, ob nicht eine kurze Waffenruhe möglich sei, damit Ausländer den Libanon verlassen können», sagte Australiens Aussenminister Downer.

Unter den Opfern sind viele Zivilisten.
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Ausserdem habe man um einen Schutzkorridor gebeten, um den Fluchtweg zu sichern. Beides habe Israel mit dem Hinweis abgelehnt, Libanon sei «Kriegsgebiet». Israel hatte die Offensive vor einer Woche begonnen, nachdem die libanesische Hisbollah-Miliz acht israelische Soldaten getötet und zwei entführt hatte.

Allein in der vergangenen Nacht starben 19 Menschen bei israelischen Luftangriffen auf militärische und zivile Ziele im Libanon. Nach Armeeangaben starben 9 Soldaten, als die israelische Luftwaffe einen Stützpunkt der libanesischen Armee in Al-Dschamhur, zehn Kilometer südöstlich von Beirut, angriff.

Zivilisten unter Opfern

In der Ortschaft Aitrun nahe der Grenze zu Israel wurde ein Haus zerstört, in dem zwei Ehepaar mit insgesamt neun Kindern gelebt hatten.

Eine Frau, ihre zwei Töchter und ein Dienstmädchen aus Sri Lanka starben nach Angaben der Polizei bei einem Angriff in der Küstenstadt Tyrus.

Israelische Schokoladenfabrik getroffen

In den nordisraelischen Städten Haifa und Safed schlugen derweil erneut mehrere aus dem Libanon abgefeuerte Raketen ein.

Das israelische Fernsehen meldete, in Safed sei die Schokoladefabrik Vered Hagalil (Rose Galiläas) direkt getroffen worden.

Beschuss in der Nacht

Dem war eine weitere Kriegsnacht vorausgegangen. Die Hisbollah beschoss den Norden Israels mit Raketen und israelische Kampfflugzeuge setzten ihre Angriffe auf Ziele in Libanon fort. Gemäss israelischen Medien wurden wieder die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut beschossen, die Hochburgen der schiitischen Hisbollah.

Die libanesische Armee teilte mit, auch ein Armeestützpunkt nordöstlich der Hauptstadt sei angegriffen worden. Bei einem weiteren Angriff auf die Militärbasis in Abdé an der Grenze zu Syrien wurden neun Soldaten getötet.

Haifa unter Beschuss

Bereits am Montagabend waren laut dem Hisbollah-Sender Al Manar im Süden Libanons 13 Menschen getötet worden. In Libanon wurden bislang mindestens 210 Tote gezählt, die meisten Zivilisten.

Zuvor hatte die Hisbollah-Miliz erneut etwa 40 Raketen auf den Norden Israels gefeuert. Sie schlugen unter anderem in der Grenzstadt Kirjat Schmona und dem Ort Safed ein. Fünf Menschen wurden verletzt. Auch Haifa wurde beschossen.

«Akt der Selbstverteidigung»

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte am Montag im Parlament in Jerusalem angekündigt, die Offensive so lange fortzusetzen, bis die Hisbollah keine Bedrohung mehr darstelle. Die Militäroperation sei ein «Akt der Selbstverteidigung in seiner wesentlichsten Natur». Hisbollah und die palästinensische Hamas seien «Vertragspartner der von Teheran nach Damaskus reichenden Achse des Bösen».

Der UNO-Sicherheitsrat äusserte sich noch nicht zur Entsendung einer UNO-Friedenstruppe in das Krisengebiet, wie Generalsekretär Kofi Annan vorgeschlagen hatte. Der Sicherheitsrat brauche mehr Informationen, hiess es.

Flüchtlingsstrom nach Syrien

Bomben und Raketen trafen unter anderem wieder den Hafen von Beirut, eine Kommandozentrale der Hisbollah in Baalbek, eine libanesische Kaserne und Hisbollah-Stellungen im Südlibanon. Dabei wurden rund 40 Menschen getötet.

In den vergangenen Tagen sind nach syrischen Angaben über 100 000 Menschen nach Syrien geflohen.

Raketen auf Israel

Auch die Hisbollah griff zivile Ziele in Israel an. Zuletzt feuerten Milizen am späten Montagabend erneut Raketen auf den Norden. Nach israelischen Medienberichten schlugen die Geschosse unter anderem in der Grenzstadt Kirjat Schmona und dem Ort Safed ein. In Safed seien vier Menschen verletzt worden.

Milizionäre der radikalislamischen Bewegung hatten bereits im Laufe des Tages Raketen auf Safed gefeuert. Weitere trafen die Grossstadt Haifa sowie die Städte Akko und Carmiel. Es gab mehrere Verletzte. In Haifa stürzte ein Haus ein, sechs Menschen wurden verletzt. Bislang kamen in dem Konflikt in Israel 24 Menschen ums Leben.

Diplomatische Friedensbemühungen

Die internationale Gemeinschaft verstärkte derweil ihre diplomatischen Bemühungen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan schlug am Rande des G-8-Gipfels in St. Petersburg den Einsatz einer UNO- Stabilisierungstruppe als Puffer zwischen Israel und Libanon vor. Er forderte beide Seiten zu einem Waffenstillstand auf.

Die EU konnte sich dagegen in Brüssel nicht zu einer Waffenstillstands-Forderung durchringen. Sie zeigte sich aber zur Beteiligung an einer UNO-Friedenstruppe bereit. Israel und die Hisbollah wiesen beide die Idee einer UNO-Truppe umgehend zurück.

(ht/sda)

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