Libanon vor erneuter Invasion?
Israel verhängt Notstand an der Grenze zu Libanon
publiziert: Dienstag, 8. Feb 2000 / 21:50 Uhr

Jerusalem - Die Spannung an der Nordgrenze Israels steigt: Nach Scharmützeln mit Verwundeten und Toten ist zu befürchten, dass Israel mit der Hisbollah nun "Tacheles" reden will: Israel will Zivilbevölkerung nicht mehr schonen. - Steht ein neuer Nahostkrieg ins Haus?

4 Meldungen im Zusammenhang
In Libanon sind bei israelischen Vergeltungsangriffen mindestens 18 Menschen verletzt worden. Nach libanesischen Angaben griff die israelische Luftwaffe in der Nacht auf Dienstag drei Strom-Umspannwerke bei den Städten Baalbek, Deir Nbuh und Dschamhur an. Bei einem Gegenschlag der Hisbollah in der von Israel beanspruchten südlibanesischen «Sicherheitszone» wurde wenige Stunden später ein israelischer Soldat getötet. Jerusalem kündigte an, die Zivilbevölkerung in Libanon bei Militärschlägen gegen die schiitische Miliz künftig nicht mehr zu schonen. Damit wurde ein seit 1996 bestehendes Abkommen praktisch aufgekündigt. Mehrere arabische Länder verurteilten die israelischen Angriffe auf Schärfste. Die Regierungen in Beirut und Damaskus waren Israel vor, Schuld am Scheitern der jüngsten Friedensbemühungen in Nahost zu sein.

Stromunterbruch in weiten Teilen Libanons

In allen drei von Israel bombardierten Verteilerstationen brachen in der Nacht Brände aus. Die Stromversorgung in weiten Teilen des Landes wurde unterbrochen. Ein israelischer Armeesprecher rechtfertigte die Militäraktion als Antwort auf «Provokationen» der Hisbollah. Bei dem darauf folgenden Angriff der Miliz in Südlibanon kam bei Dabscheh im Zentrum der Sicherheitszone ein israelischer Soldat ums Leben. Damit stieg die Zahl der von der seit Jahresbeginn von der Miliz getöteten israelischen Soldaten auf sechs.

Ausnahmezustand im Norden Israels
Über den Norden Israels wurde am Dienstagabend der Ausnahmezustand für zunächst 48 Stunden verhängt. Die Armee erhielt erweiterte Kompetenzen in diesem an Libanon grenzenden Gebiet. Zuvor hatte Ministerpräsident Barak die dort lebenden Menschen gewarnt, dass «weitere schwere Tage» auf sie zukommen könnten. Aus Furcht vor Hisbollah-Raketenangriffen hatten sie bereits die Nacht zuvor und den ganzen Dienstag in Luftschutzkellern verbracht.

Ohne Rücksicht auf Zivilbevölkerung

Bei seinem künftigen Vorgehen gegen die Miliz sieht sich Israel nicht mehr zur Rücksicht auf libanesische Zivilisten verpflichtet. Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte im israelischen Militärradiosender: «Wir sind nicht bereit, die Spielregeln länger zu beachten, wie sie bis heute bestanden». Dies bedeutet faktisch einen Bruch mit einem Abkommen vom April 1996, wonach die Zivilbevölkerung bei Kampfhandlungen strikt geschont werden sollen. Eine Sprecherin des israelischen Aussenministeriums teilte ausserdem mit, Israel werde seine in Südlibanon stationierten Truppen notfalls einseitig abziehen, sollte bis Juli keine Friedensregelung mit Damaskus zu Stande kommen. Die Regierung hatte ihre Kontakte zu Syrien am Samstag ausgesetzt. Begründet wurde dies mit der zunehmenden Gewalt der Hisbollah.

Syrien gibt Israel Schuld an Eskalation
Syriens Aussenminister Faruk El Schara gab Israel unterdessen die «volle Schuld» an der Eskalation in Südlibanon. Dadurch werde auch der Nahost-Friedensprozess ins Wanken gebracht, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur SANA den Minister. Frankreich wiederum forderte sowohl Israeli wie auch Hisbollah zur Zurückhaltung auf. Die Regierung in Paris schloss sich auch der Forderung Libanons und Syriens nach einem Dringlichkeitstreffen einer internationalen Beobachtergruppe an, das sich um die Sicherheit der Zivilisten in Südlibanon und Nordisrael bemüht.

(news.ch)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Jerusalem - Das israelische Verteidigungsministerium hat überraschend alle Pläne für den Ausbau der jüdischen Siedlerstadt Ariel im Westjordanland auf Eis gelegt. mehr lesen 
BEIRUT - Nach einem neuen Hisbollah-Angriff in Südlibanon lässt Israel ein Treffen der Libanon-Beobachtergruppe platzen. Israels Ministerpräsident mehr lesen 
Washington - Wegen der Kampfhandlungen in Libanon wird sich die von den USA und Frankreich geführte Monitorgruppe für den Libanon am Freitag treffen. mehr lesen 
Gaza-Stadt - Der Friedenprozess zwischen Israel und den Palästinensern ist unterbrochen. Von Palästinenserseite wird von einer "schweren Krise" gesprochen. Es werde von nun an keine bilateralen Kontakte mehr geben. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Judith Bellaiche setzt sich als Wirtschafspolitikerin konsequent für Innovation und Digitalisierung ein.
Judith Bellaiche setzt sich als Wirtschafspolitikerin konsequent für ...
Judith Bellaiche vertritt die ICT Branche  Kürzlich wurde die neue Geschäftsführerin von Swico, Judith Bellaiche, von ihrer Partei als Nationalratskandidatin nominiert. Der Vorstand freut sich - und hofft auf ein positives Wahlergebnis. mehr lesen 
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die ... mehr lesen   1
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, ... mehr lesen   3
Ständerat schwenkt auf Linie des Nationalrats  Bern - Grosswasserkraftwerke sollen Subventionen erhalten, wenn sie den Strom zu tiefen Preisen verkaufen müssen. Darauf haben sich die eidgenössischen Räte geeinigt. Der Ständerat ist am Dienstag auf die Linie des Nationalrats eingeschwenkt. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 1°C 9°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Basel 6°C 10°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
St. Gallen 5°C 12°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Bern 1°C 7°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Luzern 3°C 11°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Genf 4°C 9°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Lugano 4°C 8°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten