Ist Bitcoin die erhoffte Krisenwährung während der Coronavirus Pandemie?
publiziert: Donnerstag, 26. Mrz 2020 / 13:57 Uhr
Bitcoin entstand während der Finanzkrise von 2008 als ein alternatives Zahlungssystem.
Bitcoin entstand während der Finanzkrise von 2008 als ein alternatives Zahlungssystem.

Lange Zeit galten Bitcoin und Kryptowährungen allgemein als sicherer Hafen während einer Krise.

Ähnlich wie Gold, argumentierten Krypto-Anhänger, sei es eine Anlage, mit der Menschen ihr Vermögen durch schwere Zeiten retten könnten. Doch als der Weltmarkt im Zuge des Coronavirus kollabierte, brach auch der Kurs von Bitcoin ein. Was ist also draus geblieben aus Bitcoin als sicherer Hafen?

Corona Krise - Was passierte mit Bitcoin?

Während die Aktienmärkte einbrachen und die grössten Verluste seit dem Schwarzen Montag vom 19. Oktober 1987 erlitten, erlebte Bitcoin den schwärzesten Tag in seiner Geschichte. Am 12. März sank der Kurs von Bitcoin von 9.200 US-Dollar auf 7.700 US-Dollar. In den darauffolgenden Tagen fiel der Kurs auf bis zu 3.800 US-Dollar. Somit ergab sich ein Verlust von gut 45 %. Für viele war damit der Nimbus der krisensicheren Digitalwährung gebrochen, vor allem in den Augen der Kritiker. Es ging mal wieder die Furcht um bei den HODLern und nun vermehrt bei den traditionellen Anlegern. Im selben Zeitraum, als der gesamte Markt von der Krise ergriffen wurde, konnte Gold zulegen. Nach dem Einbruch konnte sich der Bitcoin Kurs wieder bessern und notierte wenige Tage danach zwischen 4.800 US-Dollar und 5.200 US-Dollar.

Gründe für den Abverkauf

Dabei gibt es gute Gründe, warum Bitcoin in dieser Krise zunächst schwächelte. Viele Investoren entleerten ihre Portfolios, um an Bares zu gelangen. In dieser Hinsicht könnte der Krypto-Enthusiast jubeln, denn es ist ein Zeichen dafür, dass Bitcoin im Mainstream angekommen ist. Bitcoin ist für herkömmliche Anleger nur ein weiteres Asset unter vielen. Liquide Assets, wie Bargeld, mit denen man Lebensmittel kaufen kann, sind für institutionalisierte Anleger in Zeiten der Krise wesentlich wichtiger als das Investieren in Kryptowährungen. Jene Anleger sind es, die spät in Kryptowährungen einstiegen und als erste verkaufen.

Es lohnt sich anzumerken, dass sich Gold in der Finanzkrise 2008 ebenso verhalten hat. Niemand zweifelt Gold an, dass Gold ein sicherer Hafen auf den Finanzmärkten ist. Doch während der Liquiditätskrise musste Gold ebenfalls herbe Verluste hinnehmen. Innerhalb von zwei Monaten verlor das Edelmetall um 24 %.

Die Entwicklung von Bitcoin nach dem Schock

Bitcoin und Kryptowährungen sind ein wahrer freier Markt. Es ist zurzeit das einzige Asset, das innerhalb kurzer Zeit um knapp 50 % fallen kann und keine Interventionen durch Staaten und Banken braucht, um wieder auf die Füsse zu kommen. Nachdem der Bitcoin Kurs eine weitere Woche um die 5.000 US-Dollar schwankte, konnte sich der Kurs seit dem 19. März sichtbar erholen. Am 20. März stieg der Preis eines BTC auf über 6.200 US-Dollar und hielt sich die darauffolgenden Tage in diesem Bereich.

Trotz der Todeserklärungen - übrigens nicht zum ersten mal - konnte sich der Bitcoin Kurs stabilisieren und einige der Verluste wieder wettmachen. Und trotz der Krise hält sich der Kurs weit über dem Preis von vor 3 Jahren, als ein Bitcoin gerade mal um die 1.000 Euro wert war. Sieht so ein totes Asset aus? Der aktuelle Kurs bewegt sich noch unter dem Niveau aus der Zeit vor dem Einbruch der Krise, doch muss es dabei nicht bleiben. Im Mai 2020 steht das nächste Bitcoin Halving an, für viele Anleger und Experten ein Zeichen für baldige Kursanstiege, weshalb Anlegen noch ganze oder Teile von Bitcoin besorgen könnten. Möglicherweise läutet das Halving die nächste Rallye ein.

Wohin sich der Bitcoin Kurs wirklich hinbewegen wird, das lässt sich nur spekulieren. Fest steht aber, dass die Weltwirtschaft auf eine Krise zusteuert. Der Ausbruch von Corona führte zu massiven wirtschaftlichen Einbrüchen, welche wiederum in weitere Finanzspritzen resultierte. Die Gefahr einer Inflation und damit Abwertung der Kaufkraft steigt. Die Geldmenge von Bitcoin bleibt jedoch stabil und wird in der gewohnt vorhersehbaren Weise steigen, während die Nachfrage nicht gesunken ist.

Und genau für diese Zeiten wurde Bitcoin geschaffen. Bitcoin entstand während der Finanzkrise von 2008 als ein alternatives Zahlungssystem. Gerade in der jetzigen Zeit kann Bitcoin seine Stärken ausspielen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren die traditionellen Finanzmärkte schwächeln werden. In diesen Zeiten wird Gold als sicherer Hafen wieder an Bedeutung gewinnen.

Gold ist ein knappes Gut und damit als Wertspeicher wertvoll. Ebenso verhält es sich mit Bitcoin. Auf fundamentaler Basis hat sich für Bitcoin nichts geändert und die anstehenden Einbrüche bei Dollar und Euro werden sehr wahrscheinlich dafür sorgen, dass die Nachfrage nach Bitcoin steigt.

Ausserdem kann Bitcoin noch immer auf seine treuen Anhänger vertrauen. Jene Hodler, die während der schwersten Krisen nicht verkaufen werden. Im Gegenteil werden viele von ihnen die niedrigen Kurse zum Aufstocken nutzen. Auch im Hinblick auf das kommende Halving.

(ba/pd)

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