Philipp Bärtsch (Si), Sapporo
It´s now or never
publiziert: Dienstag, 6. Mrz 2007 / 08:08 Uhr

Swiss-Ski stellte an den Weltmeisterschaften in Sapporo das erfolgreichste Skisprung-Team. Bis Vancouver 2010 sind die Aussichten auf oberster Stufe gut, danach droht ein Rückfall.

Simon Ammann und Andreas Küttel sind auch abseits der Piste echte Freunde.
Simon Ammann und Andreas Küttel sind auch abseits der Piste echte Freunde.
Die Schweiz hat immer wieder ausgezeichnete Skispringer hervorgebracht. Marcel Reymond wurde 1933 Weltmeister, «Vogelmensch» Walter Steiner und Hans Schmid waren vier Jahrzehnte später quasi die Vorläufer von Ammann und Küttel als Weltklasse-Duo, Hansjörg Sumi (1980) und Stefan Zünd (1991/1992) als Sieger im Weltcup.

Doch die aktuelle Erfolgskonstellation ist wohl einmalig. Doppel-Olympiasieger und Weltmeister Simon Ammann sowie Andreas Küttel, der Sieger des prestigeträchtigen Neujahrsspringens in Garmisch-Partenkirchen, nehmen sich gegenseitig zum Massstab und wissen: Was der kann, kann ich auch. Der Vergleich mit den Alpin-Zwillingen Daniel Albrecht und Marc Berthod liegt auf der Hand, zumal in beiden Fällen auch echte Freundschaften ein wichtiger Faktor sind.

Ammann und Küttel werden ihren gemeinsamen Weg bis zu den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver fortsetzen. Es gibt im Moment keinen Grund, an weiteren Erfolgen zu zweifeln. «Genie» Ammann ist reifer und sportlich beständiger als beim ersten «Gold Rush» vor fünf Jahren, «Büezer» Küttel ein Muster an Seriosität und Konstanz. Und seit Berni Schödler das Geheimnis um seine Zukunftspläne am Samstag zumindest zur Hälfte gelüftet hat, ist auch von einer weiteren Zusammenarbeit zwischen dem Baumeister des «Skisprung-Wunders» und seinen Vorzeigespringern auszugehen.

Ein Trainer für den Stützpunkt Einsiedeln

Offiziell hat sich Schödler noch nicht entschieden, ob er Swiss-Ski als Weltcup- oder als Nachwuchs-Trainer erhalten bleibt. Schödler will die Gewissheit haben, dass an der Basis endlich mit letzter Konsequenz für die Zeit nach der Ära Ammann/Küttel gearbeitet wird. Wenn Swiss-Ski für den nationalen Stützpunkt in Einsiedeln keinen profilierten Trainer verpflichten sollte, würde Schödler die Aufgabe wohl selber übernehmen.

Dank der neuen Donatorenvereinigung skijumping.ch, die für den nächsten Winter einen Zustupf von 250´000 Franken garantiert, ist das Geld nun vorhanden, um eine zweite Trainer-Kapazität zu verpflichten. Jetzt kann sich Swiss-Ski einen wie Richard Schallert leisten. Vor einem Jahr war man im Buhlen um den Österreicher, der dann Cheftrainer in Tschechien wurde, ebenso chancenlos wie bei dessen Landsleuten, die an deutschen Stützpunkten landeten.

Neuaufbau mit viel Arbeit verbunden

Ob Schödler oder Mister X -- auf den neuen Stützpunkt-Trainer kommt ein Haufen Arbeit zu. Der Abstand von Michael Möllinger und Guido Landert zu den besten Schweizern ausserhalb des Weltcups ist noch viel grösser als jener der Schweizer Nummern 3 und 4 zu Ammann und Küttel. Im Continental Cup, dem Pendant zum Europacup der Skifahrer, ist die Schweiz nur punktuell vertreten. Die vier Punkte für die zweite Garde gewann mit Antoine Guignard einer, der zuvor mangels Leistung aus dem Kader geflogen war. De facto fehlt hinter dem Weltcup-Team eine ganze Skisprung-Generation. Der Neuaufbau muss primär mit Jugendlichen im Oberstufen-Alter vorangetrieben werden.

Wenn man bisher im Skispringen überhaupt von einem Schweizer System sprechen durfte, dann spielte der Zufall darin eine zu grosse Rolle und war das Ganze zu stark von einzelnen Persönlichkeiten (wie Schödler) oder Talenten (wie Ammann und Küttel) abhängig. Jetzt verfügt Swiss-Ski über neue Schanzen in Einsiedeln, neue Mittel von Privaten und zwei Aushängeschilder auf Top-Niveau. Die Voraussetzungen, eine nachhaltige und moderne Schweizer Skisprung-Kultur zu etablieren, waren noch nie so gut wie jetzt -- und sind deutlich besser als nach Ammanns Olympia-Goldmedaillen. «It´s now or never», hätte Elvis Presley gesungen. Jetzt oder nie.

(Philipp Bärtsch, Sapporo/Si)

 
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